Nun ist es vorbei. Die portugiesische Regierung hat entschieden, wem sie 44,9 Prozent an der Nationalairline Tap Air Portugal verkauft. Nach einem langen Kampf über mehrere Runden hat sich Lufthansa Group gegen Air France-KLM durchgesetzt. Der deutsche Konzern breitet sein Netz damit über Europa weiter aus. Die Entscheidung gab Portugals Ministerpräsident Luís Montenegro am Mittwoch (14. Oktober) nach einer Sondersitzung des Ministerrats in Lissabon bekannt.
«Die Regierung schließt damit die erste Phase der Privatisierung unserer Fluggesellschaft erfolgreich ab», sagte der Premier vor der Presse. Der Prozess sei mit Sorgfalt und völliger Transparenz abgelaufen. «Es war immer klar, dass Tap angesichts der Herausforderungen nur dann zukunftsfähig sein kann, wenn das Unternehmen wachsen und wettbewerbsfähiger werden kann».
Deal umfasst 2,52 Milliarden Euro
Laut der Regierung lag das Angebot von Lufthansa Group 16 Prozent über dem von Air France-KLM und war mit weniger Unsicherheit verbunden, schreibt Diario de Noticias. Die Regierung bewertet das Angebot für Tap mit insgesamt 2,552 Milliarden Euro. In einer ersten Phase fließen 1,201 Milliarden Euro, in einer zweiten weitere 1,351 Milliarden. Das liege weit über unabhängigen Schätzungen der vergangenen Jahre und sogar Monate, so Montenegro.
Lufthansa Group sei «die beste Wahl für die Zukunft des Unternehmens». Die zweite Phase soll bis 2028 folgen. Portugal erhält dann 488 Millionen Euro in bar und kann seine übrigen Tap-Anteile gegen Lufthansa-Aktien tauschen. Der Staat könnte damit zum zweitgrößten Aktionär von Lufthansa Group werden und jedes Jahr Dividenden bekommen, sagte Montenegro.
Lufthansa Group investiert in Portugal
Der Staat behält mit 50,1 Prozent die Mehrheit an Tap. Damit sichere sich Portugal die Kontrolle über die Airline und profitiere von künftigen Wertsteigerungen, so Montenegro. Lufthansa Group übernimmt bei Tap ab sofort das Steuer. Der deutsche Konzern übernimmt perspektivisch die Geschäftsführung und den operativen Betrieb der Airline.
Zum Deal gehören laut Regierung auch weitere Investitionen von Lufthansa Group in Portugal. Geplant sind eine neue Flugschule in Tancos, ein Innovationszentrum in Aveiro und ein Zentrum für Konzerndienstleistungen. Rund 3000 Arbeitsplätze sollen direkt mit dem Wachstum von Tap verbunden sein. Mit allen Projekten zusammen rechnet Lissabon mit 5500 direkten und indirekten Jobs.
Tap begrüßt Entscheidung
Tap selbst begrüßt die Entscheidung der portugiesischen Regierung, Lufthansa Group als künftigen privaten Anteilseigner und strategischen Partner auszuwählen. Zugleich bedankt sich die Fluggesellschaft bei Air France-KLM für die Teilnahme am Privatisierungsverfahren. Der neue Eigentümer sichere den Erhalt der Marke, des Unternehmenssitzes in Portugal und des Drehkreuzes Lissabon.
Zudem solle das Angebot in Porto ausgebaut, die Flotte erweitert und der Bereich Wartung und Technik gestärkt werden. Besondere Wachstumschancen sieht Tap im Transatlantikgeschäft. Durch die geplante Aufnahme in das Nordatlantik-Joint-Venture A++ der Lufthansa Group soll die Wettbewerbsfähigkeit steigen.
IAG wollte nicht mitmachen
Einen ersten Verkaufsversuch startete Portugal 2023, er scheiterte aber gleich zwei Mal. Erst stürzte die sozialistische Regierung, dann die bürgerliche. 2024 nahm die Regierung von Luís Montenegro einen neuen Anlauf und legte im September 2025 die Verkaufsbedingungen fest. Interesse zeigten drei Konzerne: Lufthansa Group, Air France-KLM und IAG um British Airways und Iberia.
Schon im April 2026 lichtete sich das Feld. IAG gab kein Gebot ab und stieg als Erste aus. Die beiden verbliebenen Bieter Lufthansa Group und Air France-KLM reichten unverbindliche Angebote ein. Rückendeckung bekam Lufthansa aus Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach sich öffentlich für den deutschen Konzern aus. Am 29. Juli folgten die bindenden Angebote für 44,9 Prozent. Weitere fünf Prozent sind für die Beschäftigten reserviert.
Im September war der Kampf noch unentschieden
Airlines, Flughäfen, Flugzeuge und die Menschen dahinter: Wir berichten täglich über eine Branche, die uns fasziniert. Mit Ihrem Abo sorgen Sie dafür, dass wir das unabhängig tun können - und lesen aeroTELEGRAPH werbefrei. Und das noch zu einem sehr günstigen Preis. Jetzt hier klicken und abonnieren