Die Romanze begann im Sommer vor 18 Jahren. Damals gab Lufthansa Group bekannt, eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu 60 Bombardier C-Series unterzeichnet zu haben. Damit hatte der kanadische Flugzeugbauer die Unterstützung, um die milliardenteure Entwicklung des neuen Regionalflugzeugs auch wirklich durchziehen zu können.
Die ersten 30 Jets aus der Verpflichtung von Lufthansa Group waren von Anfang an für Swiss vorgesehen. Und am 1. Juli 2016 traf das erste Exemplar, die HB-JBA, bei der Schweizer Tochter in Zürich ein. Inzwischen gehört das kanadischen Flugzeugmodell Airbus und nennt sich Airbus A220. Und die Liebe ist bei Swiss nicht mehr so groß, wie sie einst war.
Fünf Airbus A220-100 fliegen bereits nicht mehr
Die Fluggesellschaft hat schon vor einem Jahr beschlossen, ihre neun A220-100 bis Ende 2027 nicht mehr zu nutzen und auszuflotten. Der Grund lag in den Problemen mit den Triebwerken von Pratt & Whitney. Sie zeigen frühzeitige Verschleißerscheinungen. Deshalb musste Swiss die Antriebe überholen, was ungeplante Standzeiten bedeutete. Das kostet.
Swiss nutzt deshalb die Motoren der kleineren Airbus A220-100, um Standzeiten bei den größeren A220-300 zu vermeiden. Anders gesagt: Triebwerke der kleineren werden an den größeren Jets verwendet. Das geht, weil die beiden Antriebe von Pratt & Whitney (PW1524G und PW1524G-3) faktisch identisch sind.
Komplexität in der Flotte ist für Swiss zu groß
Zwei A220-100 hat Swiss bereits aus dem Betrieb genommen, um sie als Triebwerkspender nutzen zu können. Bei drei weiteren Exemplaren setze sie das aktuell ebenfalls um, erklärte Finanzchef Dennis Weber am Dienstag (3. November) bei der Präsentation der Quartalszahlen. «Die verbleibenden vier Flugzeuge werden noch im Sommerflugplan 2027 für uns in Betrieb sein, aber dann mit Beginn des Winterflugplans 2027 ebenfalls außer Betrieb gehen», so der Manager.
Obwohl die Triebwerksprobleme inzwischen fast gelöst sind, kehren die A220-100 nie mehr zurück und auch die Tage der A220-300 sind bei Swiss gezählt. Man wolle künftig nur noch auf Airbus A320 Neo und A320 Neo setzen, bekräftigte Weber. Die Komplexität in der Flotte bringe einfach höhere Kosten mit sich, erklärte er. «Unterschiedliche Flugzeugmodelle bedeuten auch immer, dass man einen höheren Trainingsaufwand hat, dass man mehr Ersatzteile vorhalten muss, das macht die Wartung aufwändiger, weil wir unterschiedliche Qualifikationen bei unseren Mechanikfachkräften vorhalten müssen.»
Mehr Airbus A320 Neo und A321 Neo bei Swiss?
Bei Swiss habe man es aber zu einem Kern der Strategie gemacht, «die Komplexität zu verringern auf der Kurzstrecke». Das bedeute aber nicht, dass der Airbus A220 ein schlechtes Flugzeug sei - im Gegenteil. Er komme bei Crews und auch bei Fluggästen sogar sehr gut an, so Weber. Oder anders gesagt: Das Paar Swiss/A220 hat sich einfach auseinandergelebt.
Der A220-300 wird jedoch trotz einer grundsätzlichen Entscheidung für eine Ausflottung nicht schon bald aus der Flotte von Swiss verschwinden. «Da sprechen wir aber über die 2030er-Jahre», so Weber. Die Fluglinie will dann auch prüfen, ob sie die wegfallende Kapazität mittel- bis langfristig gegebenenfalls durch zusätzliche A320 Neo und A321 Neo ersetzen wird.
Wohin bei Lufthansa Group gehen die Airbus A220?
Im Konzern mache man sich aber bereits Gedanken, wohin diese 21 Flugzeuge dereinst gehen könnten. Sie seien ja noch jung. ITA Airways betreibt innerhalb der Lufthansa-Gruppe Airbus A220 und in Kürze wird auch Lufthansa City Airlines zur A220-Betreiberin.
aeroTELEGRAPH