Als am Sonntag (1. November) erste Bilder vom Absturz einer Bombardier Learjet 60 in Florida in den Sozialen Netzwerken kursierten, stellte man sich die als Betrachter die Frage: Kann das echt sein? Oder war da KI am Werk? Dass der Absturz wirklich stattgefunden hatte, war schnell klar. Aber waren die Fotos vom Krater in der Straße echt? Und das Dashcam-Video, in dem der Aufprall des Flugzeuges wie ein Raketeneinschlag aussieht?
Mittlerweile ist klar: Ja, das Flugzeug mit dem Kennzeichen N722BD stürzte wirklich fast senkrecht in die Straße, explodierte und hinterließ einen Krater. An Bord waren der 55-jährige Pilot, die 20-jährige Kopilotin und fünf Fluggäste. Laut Medienberichten soll es sich um den texanischen Tech-Millionär Adam Robinson und seine Familie gehandelt habe. Alle neun Menschen an Bord starben, am Boden gab es dagegen keine Opfer zu beklagen.
NTSB liefert ersten zeitlichen Ablauf des Unglücks
Ebenfalls kurz nach dem Absturz wurde eine dramatisch und schwer erträgliche Aufnahme des Funkkontakts zwischen dem Flugzeug und der Flugsicherung öffentlich. Darin ist zu hören, wie die Besatzung zunächst Vereisung und moderate Turbulenzen meldet, dann aber «Mayday, Mayday», zuerst eine Sinkrate von 10.000 Fuß pro Minute, dann von 20.000 und schließlich von 22.000 Fuß. Es sind auch Schreie zu hören und zunächst der Satz «Wir schlagen gleich auf dem Boden auf!» und zuletzt «Uns bleibt keine Zeit mehr».
Am Montag (2. November) hat sich nun die Unfallsuntersuchungsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) in einer Pressekonferenz zu dem Unglück geäußert. Thomas Chapman von der Behörde gab dabei auch einen groben zeitlichen Ablauf wider:
10:37 Uhr (Eastern Time): Das Flugzeug starte am Austin-Bergstrom International Airport in Texas, um zum North Eleuthera Airport auf den Bahamas zu fliegen.
12:47 Uhr: Die Crew meldet gegenüber der Flugsicherung leichte, klare Vereisung, die jedoch beherrschbar sei, sowie mäßige Turbulenzen.
Im Kontakt mit Miami Air Route Traffic Control Center meldet die Besatzung eine Flughöhe von 35.000 Fuß (10.668 Meter) mit mäßigen Turbulenzen und Höhenabweichungen von etwa 700 Fuß (213 Meter). Die Außentemperatur gibt sie mit -47 Grad Celsius an.
«Sehr kurz darauf», so NTSB-Mann Chapman, meldete die Crew Niederschlag und bat, auf 37.000 Fuß steigen zu dürfen. Die Flugsicherung genehmigte das. Weniger als 30 Sekunden später meldete die Besatzung einen Sinkflug, gefolgt von einem Mayday-Notruf.
12:48 Uhr: Die Crew meldet, dass das Flugzeug zu schnell ist und sinkt. Weitere Worte sind unverständlich.
Auf das, was folgte, ging Chapman nicht im Detail mit Zeitangaben ein, sondern sagte nur, dass in den anschließenden Funksprüchen ein schnelles Sinken gemeldet und eine Höhenangabe gemacht wurden. «Leider kamen alle Menschen an Bord ums Leben.»
Hinweise auf Auseinanderbrechen in der Luft
In einer anschließenden Fragerunde sagte Chapman, dass das Flugzeug laut Wartungsunterlagen einen Stimmenrekorder hatte, aber unklar sei, ob sich dieser zum Unfallzeitpunkt noch an Bord befand. «Natürlich hoffen wir sehr, dass wir ihn bergen können», so Chapman. Die Daten wären von enormer Bedeutung für die Untersuchung.
Ein Journalist fragte, ob es Hinweis darauf gibt, dass Steuerflächen des Flugzeugs, beispielsweise das Höhenleitwerk, in der letzten Flugphase bereits gelöst hatten - das Flugzeug also schon strukturell beschädigt war, bevor es auf den Boden aufprallte. «Das könnte passiert sein.», so Chapman. «Wir haben tatsächlich Hinweise darauf, dass das Flugzeug bereits in der Luft auseinandergebrochen ist, bevor es auf dem Boden aufschlug.»
Hier sehen Sie die NTSB-Pressekonferenz:
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