Blick aus dem Cockpit: Kann Theorie einen Teil der Praxis ersetzen?

1500 Stunden zu viel?Streit um Piloten-Anforderungen in den USA

Nach dem Absturz von Colgan-Air-Flug 3407 stiegen in den USA die Anforderungen an Piloten. Ein Gremium empfiehlt der Luftfahrtbehörde nun einen Schritt zurück.

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Ein beratendes Gremium hat der amerikanischen Luftfahrtbehörde Federal Aviation Authority FAA vorgeschlagen, die Anforderungen an Piloten zu senken. Demnach sollen nicht mehr wie bisher 1500 Stunden Flugerfahrung nötig sein, um eine Passagiermaschine fliegen zu dürfen. Es sollen auch weniger reichen, wenn die Piloten dafür ein spezielles theoretisches Sicherheitstraining erhalten.

Die Empfehlung stammt vom Aviation Rulemaking Advisory Committee (ARAC) der FAA, in dem unter anderem Vertreter von Luftfahrtverbänden und -branche sitzen. Der Vorschlag gehört laut der Nachrichtenagentur AP zu seiner Reihe von Ideen, mit denen das Kommitee nach eigenen Angaben zeigen will, wie die FAA der Forderung von Präsident Donald Trump nachkommen könnte, Vorschriften abzubauen.

Senator gegen Absenkung der Stundenzahl

Die Regel, dass nicht nur Flugzeugkapitäne, sondern auch Kopiloten 1500 Stunden Flugerfahrung vorweisen müssen, wurde nach dem Absturz von Colgan-Air-Flug 3407 im Februar 2009 eingeführt. Bei dem Unglück war eine Bombardier Dash 8Q-400 beim Landeanflug auf den Buffalo Niagara International Airport aufgrund eines Pilotenfehlers abgestürzt. Alle 49 Menschen an Bord kamen ums Leben, ebenso eine Person am Boden.

Vor dem Unglück war es laut AP ausreichend, wenn Kopiloten 250 Stunden Flugerfahrung hatten. Die strengeren Regeln tragen nun aus Sicht mancher Airlines zu einem Pilotenmangel in den USA bei. Ganz anders sieht das Charles Schumer, Senator der Demokraten: «Es gibt einen Mangel an Piloten aufgrund der Einstiegsgehälter mancherorts», zitierte der Radiosender WBFO Schumer. «Sie werden nicht viele Leute dazu bringen, Piloten zu werden, wenn man mehr Geld damit verdienen kann, Hamburger bei McDonalds umzudrehen.»

Hinterbliebene melden sich zu Wort

Schumer empfahl den Fluggesellschaften, höhere Gehälter zu zahlen und lehnte die Herabsetzung der Stundenanforderungen für Piloten ab. Das tun auch die Hinterbliebenen der Opfer des 3407-Unglücks. «Ich kann mir nicht vorstellen, warum man eine solche Vorschrift ändern sollte», sagte John Kausner, Vater der verstorbenen Ellyce Kausner, dem Sender. Wenn es einen Ärztemangel in West-New-York gäbe, würde ja auch niemand auf die Idee kommen, den Nachwuchs nach dem dritten College-Jahr zu Ärzten zu machen, so Kausner.

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