Ryanair ist nicht gerade dafür bekannt, zimperlich mit Konkurrentinnen umzugehen. Jetzt hat sich die irische Billigairline Air Baltic vorgenommen. Die lettische Nationalairline sei eine «Zombie-Airline», für die der Staat Hunderte Millionen Euro verschwendet habe. Hinter der Attacke steckt auch ein handfestes geschäftliches Interesse.
Denn während Air Baltic ihre Flotte bis Ende 2026 von 54 auf 36 Flugzeuge verkleinern will, möchte Ryanair im Baltikum deutlich größer werden. Innerhalb von fünf Jahren will die irische Airline ihr Angebot in Lettland, Estland und Litauen auf jährlich elf Millionen Sitzplätze verdoppeln. Statt sieben sollen dort 16 Ryanair-Flugzeuge stationiert sein. Die Investitionen beziffert sie auf umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro.
Air Baltic schrumpft, Ryanair pöbelt
Kommerzchef Jason McGuinness stellte die Pläne ausdrücklich in Zusammenhang mit der Krise der Konkurrentin. Air Baltic hatte wenige Tage zuvor in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Im Zuge der Restrukturierung will die Airline 20 überschüssige Flugzeuge an Leasinggeber zurückgeben und bei anderen Maschinen die Konditionen neu verhandeln. Der frühere Plan, bis 2031 auf 100 Airbus A220 zu wachsen, ist Geschichte. Seit Mai 2020 habe die lettische Regierung mehr als 550 Millionen Euro für die schrumpfende «Zombie-Airline» ausgegeben, kritisiert Ryanair.
Ryanair sieht darin eine Chance. Allerdings stellt der Billigflieger für sein eigenes Wachstum Bedingungen. Die baltischen Regierungen sollen Luftverkehrssteuern abschaffen und Flughafengebühren senken. Statt weiteres öffentliches Geld in Air Baltic zu stecken, sollten sie nach Ansicht von Ryanair die Kosten für Airlines senken und so private Investitionen, zusätzliche Flugzeuge und neue Verbindungen anlocken.
Wachstum in Riga, weniger Verkehr in Estland und Litauen
Wie stark Ryanair ihre Kapazitäten von den Kosten abhängig macht, zeigt Riga. Noch für den Sommer 2026 hatte die Airline ihr Angebot dort - wegen aus ihrer Sicht zu hoher Kosten - um 20 Prozent gekürzt. Nachdem der Flughafen ein neues Anreizmodell mit niedrigeren Gebühren eingeführt hat, wächst Ryanair im Winter wieder. Zwei Flugzeuge bleiben in Riga stationiert, 16 Strecken stehen im Flugplan. Die Kapazität steigt um sechs Prozent beziehungsweise rund 40.000 Sitzplätze.
In Estland und Litauen geht es dagegen in die andere Richtung. Dort reduziert Ryanair ihre Kapazität im Winter um 25 Prozent und begründet das mit gestiegenen Flughafengebühren. Tallinn habe die Entgelte 2025 um 70 Prozent erhöht, in Vilnius seien sie seit 2023 um mehr als 30 Prozent gestiegen.
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