Mit dem Verfahren will die Airline laut ihrem Chef Erno Hildén den rechtlichen Rahmen schaffen, um die Schulden- und Kapitalprobleme grundsätzlich anzugehen. Künftig soll Air Baltic kleiner und stärker auf Riga fokussiert sein, mit einer Flotte, die bis 2031 statt der einst geplanten 100 nur noch 41 Airbus A220 umfassen wird - dafür aber effizienter und finanziell tragfähiger. Hildén rechnet mit dem Abschluss im kommenden Jahr.
Wie hoch ist die Schuldenlast?
Doch wie hoch ist die Schuldenlast eigentlich, die Air Baltic inzwischen angehäuft hat? Insgesamt geht die Airline mit rund 1,58 Milliarden Dollar an Schulden ins Insolvenzverfahren, schreibt das Portal Bondoro, das sich auf Chapter-11-Verfahren spezialisiert hat. Der größere Teil davon, 992,5 Millionen Dollar, entfällt auf Verpflichtungen aus Leasingverträgen, also das Geld, das Air Baltic für die gemieteten Flugzeuge ihrer Flotte schuldet. Die übrigen 583,9 Millionen Dollar sind klassische Kredite und Anleihen.
Air Baltic hat Schulden bei tausenden Gläubigern
Laut den Chapter-11-Unterlagen gibt Air Baltic die Zahl ihrer Gläubiger mit 10.001 bis 25.000 an, eine grobe Bandbreite, wie sie bei US-Insolvenzanmeldungen üblich ist und keine Besonderheit im Fall Air Baltic darstellt. Dazu zählen Anleihegläubiger, Zulieferer wie Pratt & Whitney oder Airbus, Leasinggesellschaften wie Macquarie, Behörden wie das lettische Verkehrsministerium oder die Steuerbehörde, Flughäfen, Eurocontrol, Treibstofflieferanten wie Shell Energy Europe sowie Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Öffentlich gut zugänglich sind aktuell nur die ersten zehn Positionen der Top-30-Liste. Größter Einzelgläubiger ist der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney mit 66,5 Millionen Dollar (rund 57,8 Mio. Euro), gefolgt vom lettischen Umwelt-, Geologie- und Meteorologiezentrum mit 42,4 Millionen Dollar (rund 36,9 Mio. Euro). Auch der lettische Staat selbst taucht gleich zwei Mal auf, das Verkehrsministerium mit 20,1 Millionen US-Dollar (rund 17,5 Mio. Euro) und die Steuerbehörde mit 15,4 Millionen Dollar (rund 13,4 Mio. Euro).
Besitzende der 2029 fälligen Anleihe größte Gläubigruppe
Es folgen der Flughafen Riga mit 9,1 Millionen Dollar (rund 7,9 Mio. Euro), Eurocontrol mit 5,6 Millionen Dollar (rund 4,9 Mio. Euro), Shell Energy Europe mit 5,4 Millionen Dollar (rund 4,7 Mio. Euro) sowie die Leasinggesellschaft Macquarie Aircraft Leasing Services mit 4,7 Millionen Dollar (rund 4,1 Mio. Euro). Dahinter folgen Wilmington Trust SP Services mit 3,4 Millionen Dollar (rund 3,0 Mio. Euro) und Airbus Flight Hour Services mit 3,3 Millionen Dollar (rund 2,9 Mio. Euro).
Wirtschaftlich betrachtet steht über all diesen Einzelposten aber noch eine größere Gruppe: die Besitzenden der 2029 fälligen Anleihe mit inzwischen rund 398,2 Millionen Euro (rund 461,9 Mio. Dollar) Forderung. Das liegt an der sogenannten Trustee-Struktur, über die die Anleihe verwaltet wird. Eine Anleihe gehört nicht einer einzelnen Firma, sondern vielen verschiedenen Investoren gleichzeitig, die jeweils Anteile davon gekauft haben. Damit im Verfahren nicht jeder einzelne Investor separat auftreten muss, wird die Anleihe über einen Treuhänder verwaltet.
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