Zwei Air-Baltic-Flugzeuge: Die Airline  leidet unter einer immensen Schuldenlast.

Gigantische BeträgeWem Air Baltic wie viel Geld schuldet

Air Baltic hat Gläubierschutz beantragt. Wie hoch die Schuldenlast der lettischen Airline wirklich ist und wer am meisten Geld von ihr bekommen soll, zeigen jetzt erste Gerichtsunterlagen.

Top-Jobs

aaa aviation academy austria logo

ATO Training Expert (m/f/d)

Aviation Academy Austria
Vollzeit
Neusiedl am See
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Nach Monaten der Straucheleien hat Air Baltic am 14. September einen Schritt nach vorn gewagt: Die lettische Airline hat in den USA freiwillig ein Chapter-11-Insolvenzverfahren beantragt, um sich unter Gerichtsschutz neu aufzustellen und sich frisches Geld in Höhe von 350 Millionen Euro zu sichern.

Mit dem Verfahren will die Airline laut ihrem Chef Erno Hildén den rechtlichen Rahmen schaffen, um die Schulden- und Kapitalprobleme grundsätzlich anzugehen. Künftig soll Air Baltic kleiner und stärker auf Riga fokussiert sein, mit einer Flotte, die bis 2031 statt der einst geplanten 100 nur noch 41 Airbus A220 umfassen wird - dafür aber effizienter und finanziell tragfähiger. Hildén rechnet mit dem Abschluss im kommenden Jahr.

Wie hoch ist die Schuldenlast?

Doch wie hoch ist die Schuldenlast eigentlich, die Air Baltic inzwischen angehäuft hat? Insgesamt geht die Airline mit rund 1,58 Milliarden Dollar an Schulden ins Insolvenzverfahren, schreibt das Portal Bondoro, das sich auf Chapter-11-Verfahren spezialisiert hat. Der größere Teil davon, 992,5 Millionen Dollar, entfällt auf Verpflichtungen aus Leasingverträgen, also das Geld, das Air Baltic für die gemieteten Flugzeuge ihrer Flotte schuldet. Die übrigen 583,9 Millionen Dollar sind klassische Kredite und Anleihen.

Der größte Anteil davon entfällt auf eine Anleihe, die eigentlich 2029 zur Rückzahlung fällig wäre. Die Gläubiger hatten Air Baltic bereits im August erlaubt, zwei fällige Zinszahlungen nicht bar zu begleichen. Die am 14. August und 14. November 2026 fälligen Zinsen wurden stattdessen einfach der Anleiheschuld zugeschlagen. Dadurch ist die ursprünglich 380 Millionen Euro schwere Anleihe mit 14,5 Prozent Zins inzwischen auf rund 398,2 Millionen Euro angewachsen.

Air Baltic hat Schulden bei tausenden Gläubigern

Laut den Chapter-11-Unterlagen gibt Air Baltic die Zahl ihrer Gläubiger mit 10.001 bis 25.000 an, eine grobe Bandbreite, wie sie bei US-Insolvenzanmeldungen üblich ist und keine Besonderheit im Fall Air Baltic darstellt. Dazu zählen Anleihegläubiger, Zulieferer wie Pratt & Whitney oder Airbus, Leasinggesellschaften wie Macquarie, Behörden wie das lettische Verkehrsministerium oder die Steuerbehörde, Flughäfen, Eurocontrol, Treibstofflieferanten wie Shell Energy Europe sowie Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Öffentlich gut zugänglich sind aktuell nur die ersten zehn Positionen der Top-30-Liste. Größter Einzelgläubiger ist der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney mit 66,5 Millionen Dollar (rund 57,8 Mio. Euro), gefolgt vom lettischen Umwelt-, Geologie- und Meteorologiezentrum mit 42,4 Millionen Dollar (rund 36,9 Mio. Euro). Auch der lettische Staat selbst taucht gleich zwei Mal auf, das Verkehrsministerium mit 20,1 Millionen US-Dollar (rund 17,5 Mio. Euro) und die Steuerbehörde mit 15,4 Millionen Dollar (rund 13,4 Mio. Euro).

Besitzende der 2029 fälligen Anleihe größte Gläubigruppe

Es folgen der Flughafen Riga mit 9,1 Millionen Dollar (rund 7,9 Mio. Euro), Eurocontrol mit 5,6 Millionen Dollar (rund 4,9 Mio. Euro), Shell Energy Europe mit 5,4 Millionen Dollar (rund 4,7 Mio. Euro) sowie die Leasinggesellschaft Macquarie Aircraft Leasing Services mit 4,7 Millionen Dollar (rund 4,1 Mio. Euro). Dahinter folgen Wilmington Trust SP Services mit 3,4 Millionen Dollar (rund 3,0 Mio. Euro) und Airbus Flight Hour Services mit 3,3 Millionen Dollar (rund 2,9 Mio. Euro).

Wirtschaftlich betrachtet steht über all diesen Einzelposten aber noch eine größere Gruppe: die Besitzenden der 2029 fälligen Anleihe mit inzwischen rund 398,2 Millionen Euro (rund 461,9 Mio. Dollar) Forderung. Das liegt an der sogenannten Trustee-Struktur, über die die Anleihe verwaltet wird. Eine Anleihe gehört nicht einer einzelnen Firma, sondern vielen verschiedenen Investoren gleichzeitig, die jeweils Anteile davon gekauft haben. Damit im Verfahren nicht jeder einzelne Investor separat auftreten muss, wird die Anleihe über einen Treuhänder verwaltet.

Sie lesen uns regelmäßig? Dann werden Sie Teil der Menschen, die unsere Arbeit möglich machen. Ihr Abo stärkt unabhängigen Luftfahrtjournalismus und sorgt zugleich für ein werbefreies Leseerlebnis. Und das für den Preis von weniger als einem Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-air-baltic

Air Baltic führt digitale Bordbestellungen am Sitzplatz ein

ticker-air-baltic

Russische Einlagensicherung fordert 260 Millionen Euro von Air Baltic

ticker-air-baltic

Air Baltic schickt bis zu 30 Airbus-A220-Piloten zu Air Niugini

ticker-air-baltic

Air Baltic plant Abbau von bis zu 700 Stellen

Video

air new zealand syknest
Air New Zealand verschiebt den Start ihrer Schlafkojen für die Economy Class abermals. Eigentlich sollte Syknest 2026 endlich in der Boeing 787 abheben. Doch noch fehlt die Zertifizierung - da erneut eine Behörde bei der Zulassung nicht hinterherkommt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Gulfstream G400 von Baires Fly: Das Flugzeug mit der Kennung LV-JQW brachte Flavio Bolsonaro in die USA.
Eine rund 22 Jahre alte Gulfstream G400 von Baires Fly brachte Flávio Bolsonaro und seine Familie über Ecuador nach Miami. Die argentinische Charterfirma flog einst auch Javier Milei - und auch ihr Eigentümer hat Ärger mit der Justiz.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
lufthansa fra gate of the future 07
Lufthansa und der Flughafen Frankfurt testen im Terminal 1, wie ein Gate effizienter funktionieren kann und zugleich komfortabler für die Gäste wird. Dabei geht es sowohl um Lounge-Elemente, als auch darum, Bewegungen zu analysieren und einem Software-Wirrwarr Herr zu werden.
Timo Nowack
Timo Nowack