Geparkte Lufthansa-Flieger in Frankfurt: Der Staat soll helfen.

Stornierte FlügeLufthansa drohen Rückzahlungen in Milliarden-Höhe

Während die Verhandlungen über Staatshilfe andauern, verbraucht Lufthansa monatlich rund 800 Millionen Euro. Und ihr stehen hohe Erstattungen für stornierte Flüge ins Haus.

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Wie sieht die Staatshilfe für Lufthansa aus? Das war die große Frage vor der virtuellen Hauptversammlung des Konzerns am Dienstagvormittag (5. Mai). Alleine 45 der insgesamt 246 eingesandten Fragen drehten sich um dieses Thema. Doch Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Co. hatten keine neuen Informationen, sondern verwiesen lediglich auf andauernde und vertrauliche Gespräche mit der Bundesregierung. Dennoch lieferte die Hauptversammlung spannende Zahlen zur aktuellen Lage des Luftfahrtunternehmens.

So ging es etwa um die Erstattungen, die Reisenden zustehen, deren Flüge annulliert wurden. «Wir bitten um Verständnis, dass Erstattungen in der aktuellen Situation nicht in den sonst üblich Fristen möglich sind», sagte Lufthansa-Vorstand Michael Niggemann. Er bezifferte auch die möglichen Kosten für die Lufthansa-Gruppe: «Aus den bis 31. Mai gestrichenen Flügen ergeben sich potenzielle Rückzahlungsverpflichtungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro», so Niggemann. Allerdings würde man den Passagieren als Alternative zur Rückerstattung auch Gutscheine und flexible Umbuchungsmöglichkeiten bieten.

«Es könnte die gesamte Reisebranche gefährden»

Zuvor hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon in seiner Rede gesagt: «Die meisten europäischen Länder unterstützen die zeitlich begrenzte Gutscheinlösung für stornierte Tickets.» Die EU habe sich aber bislang nicht zu einer solchen Regelung durchringen können. «Es könnte die gesamte Reisebranche gefährden, wenn wir weiterhin in dieser Phase sofortige Bar-Erstattungen leisten müssen», warnte Spohr. «Hinzu kommt, dass auch unsere Kundencenter und Prozesse für diese Vielzahl von Erstattungen nicht ausgelegt sind», so der Konzernchef. Er bitte die Kunden daher um Verständnis.

Lufthansa braucht derzeit pro Monat etwa 800 Millionen Euro ihrer Liquidität auf, wie Niggemann auf eine Frage hin erklärte. Hinzu kämen weitere Belastungen wie etwa fehlende Vorauszahlungen der Kunden. Alleine durch die Absicherung von nun doch nicht eingekauftem Treibstoff - dem sogenannten Fuel Hedging - erwartet Lufthansa für das Jahr 2020 eine Belastung von rund einer Milliarden Euro, wenn sie den Flugbetrieb im Sommer sehr eingeschränkt wieder aufnehmen kann und der Ölpreis sich nicht sehr verändert.

Bis 2023 sollten eigentlich 33 neue Jets kommen

Was neue Flieger angeht, hatte die Lufthansa-Gruppe sich mit den Flugzeugherstellern ursprünglich darauf geeinigt, zwischen 2020 und 2023 ingesamt 33 neue Jets abzunehmen. Die Modelle: Airbus A320 Neo, A321 Neo, A220, A350 sowie Boeing 777-9 und 787-9. Lufthansa-Chef Spohr sagte, dafür habe man 2,5 Milliarden Euro pro Jahr eingeplant. Doch nun hat sich die Lage geändert. «Der Vorstand plant Verschiebungen in die Folgejahre und befindet sich in intensiven Verhandlungen mit Airbus und Boeing», so Spohr.

Lufthansa geht davon aus, dass der Luftverkehrsmarkt frühestens 2023 «ein neues Gleichgewicht gefunden haben wird», so Spohr weiter. Es bestehe jedoch das Risiko, dass man auch dann unterhalb der Nachfrage des Jahres 2019 liegen werde. Die kurzfristige Hoffnung des Managers ist eine erste vorsichtige Ausweitung des Angebotes im kommenden Monat: «Mitte Juni glauben wir den nächsten Schritt gehen zu können.»

Online-Hauptversammlung deutlich billiger

Geld gespart hat Lufthansa derweil durch die Durchführung der Hauptversammlung als reine Online-Veranstaltung. Die Kosten seien um 760.000 niedriger ausgefallen, sagte Spohr. Wäre nicht eine kurzfristige Umplanung nötig gewesen, hätte man sogar noch deutlich mehr gespart.

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