Noch dramatischer ist die Lage bei Iran Air. Die Nationalairline beschäftigt mehr als 9000 Menschen, verfügt aber nur noch über sechs flugfähige Flugzeuge. Das bestätigte Chef Taher Abdolhay am 19. Oktober bei einer Pressekonferenz des iranischen Ministeriums für Straßen und Städtebau. «Wir haben 9000 Mitarbeitende, aber nur sechs Flugzeuge», sagte er laut iranischen Medien. Einst habe Iran Air mehr als 40 Flugzeuge betrieben.
Nur sechs Flugzeuge regelmäßig in der Luft
Eine Auswertung von aeroTELEGRAPH bestätigt die Aussagen von Abdolhay. Bei Flugverfolgungsdiensten lässt sich sehen, dass in der Tat nur sechs Flugzeuge von Iran Air regelmäßig im Einsatz sind. Das Rückgrat der internationalen Flüge bilden zwei Airbus A330.
Iran Air hat zwar Fokker 100 - aber keine Piloten dafür
Der Rest der Flotte steht am Boden. Bei den Fokker 100 liegt das nicht an der Technik, sondern an den Besatzungen. Für das vorgeschriebene Training fehlt der Zugang zu Flugsimulatoren. «Wir haben Fokker, aber keine Piloten», so Abdolhay. Die übrigen ATR 72 sind nach seinen Angaben wegen fehlender Ersatzteile, fehlender Mittel oder beidem außer Betrieb.
Beschaffung von Ersatzteilen ist ein Problem
Die Zahl der Flugzeuge allein sage wenig über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus, erklärte der Airlinechef. Entscheidend seien der technische Zustand, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und das Geld, um Maschinen zurück in den Betrieb zu bringen. Selbst wenn die Mittel bereitstünden, dauere die Beschaffung von Teilen wegen der Sanktionen oft lange. Den Flugplan richtet Iran Air deshalb nach dem aus, was tatsächlich fliegen kann. Sicherheit habe Vorrang, betonte Abdolhay.
Ein Teil der Geldprobleme geht laut Abdolhay auf den Staat zurück. Dieser habe Iran Air zwischen 1985 und 2015 immer wieder zu Flügen verpflichtet, ohne sie vollständig zu bezahlen. Die offenen Forderungen sind gewaltig. «Der Staat schuldet uns doppelt so viel Geld, wie alle nach dem Atomabkommen gekauften Flugzeuge gekostet haben», sagte der Iran-Air-Chef. Wie hoch die Summe genau ist, müsse allerdings noch anhand der Unterlagen geprüft werden.
Abdolhay schließt Privatisierung aus
Eine Privatisierung lehnt Abdolhay trotzdem ab. Strukturreformen, mehr Produktivität und eine bessere Kostenkontrolle seien zwar nötig, müssten aber die strategische Bedeutung der Nationalairline berücksichtigen. Zuerst müsse der Staat klären, welche Rolle und welche Aufgaben Iran Air künftig haben solle und wie diese finanziert würden. Auch den Verkauf von Sparten wie Technik oder Bodendiensten sieht er kritisch. Das könne kurzfristig Kosten senken, schade dem Unternehmen langfristig aber womöglich.
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