Airbus A330 von Iran Air: die Fluglinie hat nur noch sechs einsatzfähige Flugzeuge.

Sanktionen belastenIran Air hat 9000 Mitarbeitende und nur noch sechs Flugzeuge

Die iranische Nationalairline beschäftigt mehr als 9000 Menschen, bringt aber kaum noch Flugzeuge in die Luft. Schuld sind Sanktionen, fehlende Piloten und hohe Außenstände beim Staat.

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Der Iran hat überdurchschnittlich viele Fluggesellschaften. 27 Airlines teilen sich den Markt eines Landes mit rund 90 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Die meisten betreiben nur wenige Flugzeuge, und das mit enormem Personalaufwand. Iran Aseman Airlines etwa hatte im September 2025 gerade einmal vier einsatzfähige Flugzeuge, beschäftigte aber rund 2500 Mitarbeitende.

Noch dramatischer ist die Lage bei Iran Air. Die Nationalairline beschäftigt mehr als 9000 Menschen, verfügt aber nur noch über sechs flugfähige Flugzeuge. Das bestätigte Chef Taher Abdolhay am 19. Oktober bei einer Pressekonferenz des iranischen Ministeriums für Straßen und Städtebau. «Wir haben 9000 Mitarbeitende, aber nur sechs Flugzeuge», sagte er laut iranischen Medien. Einst habe Iran Air mehr als 40 Flugzeuge betrieben.

Nur sechs Flugzeuge regelmäßig in der Luft

Eine Auswertung von aeroTELEGRAPH bestätigt die Aussagen von Abdolhay. Bei Flugverfolgungsdiensten lässt sich sehen, dass in der Tat nur sechs Flugzeuge von Iran Air regelmäßig im Einsatz sind. Das Rückgrat der internationalen Flüge bilden zwei Airbus A330.

Der A330 mit den Kennzeichen EP-IJC ist erst seit Kurzem wieder aktiv. Nach einer Notlandung in Tabriz am 20. September musste ein Triebwerk getauscht werden. Techniker von Iran Air erledigten das direkt vor Ort. Auch der A330 EP-IJD ist aktiv. Daneben fliegen noch ein Airbus A300-600 mit dem Kennzeichen EP-IBA und sogar ein Airbus A310 mit dem Kennzeichen EP-IBK.

Iran Air hat zwar Fokker 100 - aber keine Piloten dafür

Hinzu kommt ein Airbus A319 mit dem Kennzeichen EP-IEQ. Das Flugzeug ist erst vor Kurzem zurückgekehrt, nachdem er seit Ende Juli wegen eines Triebwerksproblems am Boden gestanden hatte. Komplettiert wird die aktive Flotte von einer ATR 72-600. Je nach Lage seien ein oder zwei ATR einsatzfähig, sagte Abdolhay.

Der Rest der Flotte steht am Boden. Bei den Fokker 100 liegt das nicht an der Technik, sondern an den Besatzungen. Für das vorgeschriebene Training fehlt der Zugang zu Flugsimulatoren. «Wir haben Fokker, aber keine Piloten», so Abdolhay. Die übrigen ATR 72 sind nach seinen Angaben wegen fehlender Ersatzteile, fehlender Mittel oder beidem außer Betrieb.

Beschaffung von Ersatzteilen ist ein Problem

Die Zahl der Flugzeuge allein sage wenig über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus, erklärte der Airlinechef. Entscheidend seien der technische Zustand, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und das Geld, um Maschinen zurück in den Betrieb zu bringen. Selbst wenn die Mittel bereitstünden, dauere die Beschaffung von Teilen wegen der Sanktionen oft lange. Den Flugplan richtet Iran Air deshalb nach dem aus, was tatsächlich fliegen kann. Sicherheit habe Vorrang, betonte Abdolhay.

Ein Teil der Geldprobleme geht laut Abdolhay auf den Staat zurück. Dieser habe Iran Air zwischen 1985 und 2015 immer wieder zu Flügen verpflichtet, ohne sie vollständig zu bezahlen. Die offenen Forderungen sind gewaltig. «Der Staat schuldet uns doppelt so viel Geld, wie alle nach dem Atomabkommen gekauften Flugzeuge gekostet haben», sagte der Iran-Air-Chef. Wie hoch die Summe genau ist, müsse allerdings noch anhand der Unterlagen geprüft werden.

Abdolhay schließt Privatisierung aus

Eine Privatisierung lehnt Abdolhay trotzdem ab. Strukturreformen, mehr Produktivität und eine bessere Kostenkontrolle seien zwar nötig, müssten aber die strategische Bedeutung der Nationalairline berücksichtigen. Zuerst müsse der Staat klären, welche Rolle und welche Aufgaben Iran Air künftig haben solle und wie diese finanziert würden. Auch den Verkauf von Sparten wie Technik oder Bodendiensten sieht er kritisch. Das könne kurzfristig Kosten senken, schade dem Unternehmen langfristig aber womöglich.

Immerhin beim Frachter gibt es Hoffnung. Die einzige Boeing 747-200 steht seit Ende August für schwere Wartungsarbeiten am Boden. In rund anderthalb Monaten soll sie zurückkehren. Wie wichtig der Jumbo für die Airline ist, macht Abdolhay deutlich: «Hätte ich heute drei Boeing 747, hätte Iran Air keine Probleme.»

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