Spirit Airlines ist zwar gescheitert, doch die Daten, die die Fluggesellschaft über Jahre produziert hat, sind offenbar noch einiges wert. Google hat bei einer Insolvenzauktion zehn Millionen Dollar für einen riesigen Bestand interner Daten der ehemaligen amerikanischen Billigairline geboten und damit das KI-Unternehmen Mercor übertroffen, das 7,5 Millionen Dollar zahlen wollte. Der Verkauf muss noch vom Insolvenzgericht genehmigt werden. Eine Anhörung dazu ist für den 19. August angesetzt, berichtet das Portal View from the Wing.
Und der Datenschatz ist gewaltig. Zum Paket gehören unter anderem 100 Millionen E-Mails, 500 Millionen Einträge aus Microsoft Teams und Millionen interne Dateien. Aus Luftfahrtsicht besonders interessant sind die Betriebsdaten: Sie umfassen Informationen zu 763.391 Flügen, mehr als fünf Millionen Crew-Umläufen sowie Daten zu Wartung, Treibstoff und Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb. Hinzu kommen 190,3 Millionen Reservierungsdatensätze, Milliarden Transaktionen sowie umfangreiche Informationen zur Preisgestaltung. Personenbezogene Informationen müssen dabei entfernt beziehungsweise anonymisiert werden.
Spirit-Nachlass soll Google helfen, Modelle zu verbessern
Google will die Daten nach eigenen Angaben nutzen, um seine Produkte und KI-Modelle zu verbessern. Gerade der Airlinebetrieb liefert dafür komplexes Anschauungsmaterial: Bei Verspätungen und anderen Störungen müssen Flugzeugpositionen, Wartungsstatus, verfügbare Crews, Anschlüsse, Kapazitäten und Kosten gleichzeitig berücksichtigt werden. Der Bestand von Spirit verbindet solche operativen Ergebnisse zudem mit interner Kommunikation, Entscheidungen und Änderungen an IT-Systemen. Dass die Fluggesellschaft am Ende scheiterte, macht die Daten für das Training nicht zwangsläufig weniger interessant – sie dokumentieren schließlich auch, welche Entscheidungen und Probleme einem negativen Ergebnis vorausgingen.
Nicht Teil des Google-Kaufs ist dagegen die eigentliche Kundendatenbank von Spirit Airlines. Dazu gehören unter anderem 97,5 Millionen Kundenprofile und mehr als 50 Millionen Datensätze des Vielfliegerprogramms Free Spirit. Diese sollen separat angeboten werden. Google erhält damit für zehn Millionen Dollar vor allem einen tiefen Einblick in das Innenleben einer Fluggesellschaft – von Flugplanung und Crews über Preise und Wartung bis hin zu der Frage, was passiert, wenn im Betrieb etwas schiefläuft.