Ein Pilot ringt mit den Worten. Seine Stimme bricht, als er sich bei den Passagieren verabschiedet. 14 Jahre lang ist er für Spirit Airlines geflogen. Jetzt ist alles vorbei. «Ich erinnere mich nicht an die schlechten Zeiten, nur an die guten», sagt er in einer Durchsage auf einem der letzten Flüge. Szenen wie diese zeigen, wie abrupt das Ende der Billigairline kam.
Doch hinter den Kulissen war es lange vorbereitet, berichtet das Wall Street Journal. Schon seit Monaten hatte die Führung von Spirit Airlines ein Szenario in der Schublade, das intern Plan Charlie genannt wurde. Es sollte greifen, falls alle Rettungsversuche scheitern. Genau das geschah Ende der vergangenen Woche.
Spirit Airlines wollte Flugzeuge schnell an den Boden bringen
Noch am Freitag (1. Mai) lief der Betrieb scheinbar normal weiter. Flugzeuge starteten wie geplant, Tickets wurden verkauft, sogar Werbemails gingen noch raus. Gleichzeitig setzte das Management den Notfallplan in Gang. Am Abend gab der Verwaltungsrat grünes Licht für die Einstellung des Flugbetriebs.
Die Airline begann, erste Flüge am Freitagabend zu streichen. Nachtflüge wurden komplett annulliert. Ziel war es, alle Flugzeuge möglichst schnell an den Boden zu bringen und die Crews in Hotels unterzubringen, bevor die Öffentlichkeit informiert wurde. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt. Ein Ende am Samstag sollte den Reiseverkehr weniger stark treffen als ein Abbruch an einem besonders stark frequentierten Wochentag. Eine frühere Ankündigung hätte laut Unternehmensführung Chaos ausgelöst: Dienstleister hätten ihre Arbeit einstellen können, Crews wären womöglich nicht mehr erschienen, Flugzeuge hätten im Ausland festgesessen.
Spirit Airlines hoffte bis zuletzt auf US-Regierung
Noch kurz zuvor hatte es Hoffnung gegeben. Die Regierung der USA wollte mit 500 Millionen Dollar einspringen und im Gegenzug die Mehrheit übernehmen. Doch innerhalb der Regierung gab es Uneinigkeit, und auch einige Gläubiger stellten sich gegen den Plan. Nach einem entscheidenden Gespräch mit Regierungsvertretern war für die Airline-Führung klar, dass die Rettung gescheitert ist. Am Samstag (2. Mai) stellte Spirit Airlines den Betrieb ein. Der letzte Flug landete in Dallas. Tausende Mitarbeitende verlieren ihren Job.
Ein kleines Team kümmert sich nun um die Abwicklung. Flugzeuge und Ersatzteile sollen verkauft werden, ebenso Immobilien und der Hauptsitz. Ziel ist es, Gläubiger zu bedienen und den Betrieb geordnet abzuwickeln. Passagiere, die mit Kreditkarte gebucht haben, sollen ihr Geld automatisch zurückerhalten. Gleichzeitig organisiert die Airline die Rückführung von über 1000 Crew-Mitgliedern.
Das Ende hatte sich lange angekündigt
Die Probleme reichen jedoch weiter zurück. Nach der gescheiterten Fusion mit Jetblue sollte die Airline neu aufgestellt werden. Doch steigende Treibstoffkosten – unter anderem infolge geopolitischer Spannungen – verschärften die Lage zusätzlich.
Zugleich geriet das klassische Ultra-Lowcost-Modell zunehmend unter Druck. Große Netzwerk-Airlines bieten inzwischen selbst günstige Basistarife an, während gleichzeitig die Nachfrage nach mehr Komfort steigt.
Von Spirit Airlines bleiben mehr als Marktanteile und Zahlen
Für viele endet damit nicht nur ein Job, sondern ein Lebensabschnitt. Das zeigt auch eine andere Szene: Ein Kapitän kurz vor der Rente, dessen letzter Flug wegen der Einstellung ausfällt, sitzt plötzlich als Passagier in einer Maschine von Southwest Airlines. Dort organisiert die Crew spontan eine Abschiedszeremonie – inklusive Wasserfontänen und Applaus am Zielort.
Es ist ein Moment, der zeigt, was bleibt, wenn eine Airline verschwindet: nicht nur Zahlen und Marktanteile, sondern vor allem Menschen.
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