Das Umfeld ist schwierig. Dennoch zieht Corendon Airlines eine positive Bilanz des abgelaufenen Sommers. «Trotz der ganzen geopolitischen Herausforderungen haben wir bis jetzt zwei Prozent mehr Passagiere befördert als im Vorjahr, bei einem im Schnitt vier Prozent niedrigeren Ticketpreis», sagt Paul Schwaiger, Vertriebschef des Ferienfliegers.
Trotzdem tritt Corendon für den kommenden Sommer auf die Bremse. Zwar wird die Airline auch weiterhin zahlreiche Flughäfen in Deutschland mit Urlaubszielen verbinden. Allerdings in einem spürbar geringeren Ausmaß als in den vergangenen Jahren. Im Gespräch mit aeroTELEGRAPH macht Schwaiger es konkret. «Wir planen mit einer rund ein Fünftel geringeren Kapazität», so der Manager.
Mit mindestens 21 Flugzeugen in den Sommer
Denn das sei ungefähr die Zahl an Flugzeugen, die Corendon aus der Flotte herausnehmen werde. Setzte die Airline mit ihren Töchtern in der Türkei, auf Malta und in den Niederlanden in diesem Sommer noch auf 28 eigene plus zwei Wet-Lease-Flugzeuge, würden es im kommenden Sommer nur noch 21 sein, sagte Schwaiger. Er hielt sich allerdings die Tür offen, sollten die Buchungen wieder anziehen, im Frühjahr noch nach oben zu korrigieren. Das werde man im Januar und Februar sehen, so der Vertriebschef.
Hauptgrund sind die hohen Treibstoffpreise, die Corendon zu einem schärferen Blick auf die Wirtschaftlichkeit zwingen. Statt möglichst viele Routen zu bedienen, konzentriert sich die Airline künftig auf jene, die auch wirklich ausgelastet sind. «Bei 70 bis 80 Prozent Ladefaktor verbrennen wir Geld», so Schwaiger. Die verbleibenden Strecken sollen dafür wieder deutlich profitabler laufen.
Im Winter plant Corendon Pilgerflüge
Beim Hedging des Treibstoffs sieht sich Corendon dagegen gut aufgestellt. Ein eigener Experte in Amsterdam steuert die Absicherung für die gesamte Gruppe, inklusive der Airline. «Der Sommer war gut gehedged bei uns, aber den Winter hedged man ja erst im Laufe der Sommermonate, und ab März war der Kerosinpreis so hoch, das hätte wenig Sinn gemacht», so Schwaiger. Für den Winter fallen die Absicherungen deshalb kleiner aus.
Die Flotte zu verkleinern, war einfach. Corendon hat schlicht auslaufende Leasingverträge nicht mehr verlängert. Bereits Ende Oktober wird die Flotte nur noch 21 Flugzeuge stark sein. «Die brauchen wir aber auch», so der Vertriebschef weiter. Fünf Flugzeuge fliegen im Winter für die indische Indigo, so Schwaiger. Weitere fünf bis sechs Flugzeuge setzt Corendon für die Umrah ein, die kleine Pilgerfahrt, die im Gegensatz zur Hajj zu jedem Zeitpunkt im Jahr durchgeführt werden kann. Corendon startet dafür von verschiedenen türkischen Flughäfen aus nach Mekka.
Neu nach Istanbul, Burgas und Varna
Die weiteren Flugzeuge werden für den Winterverkehr an den vier deutschen Basen gebraucht. In Düsseldorf geht die Airline mit zwei stationierten Flugzeugen in den Winter, während sie ab Hannover, Köln/Bonn und Nürnberg mit je einem stationierten Flugzeug startet. Andere deutsche Städte fliegt Corendon von den ausländischen Basen aus an, so Schwaiger
Corendon setzt bei Curaçao-Route auf Niederländer
Die Route ist etabliert. Düsseldorf hat das größte Einzugsgebiet in Deutschland und liegt zugleich nah an den Niederlanden. Corendon hat von Anfang an darauf spekuliert, dass mindestens die Hälfte bis zu zwei Drittel der Passagiere aus den Niederlanden kommen müssen, um die Strecke profitabel betreiben zu können.
Eine Kannibalisierung der Amsterdam-Flüge sieht Schwaiger dabei nicht. Der Plan scheint aufzugehen: «Die Buchungen laufen wie geplant an», so Schwaiger. Ob Corendon auch im kommenden Winter wieder auf die Karibikinsel fliegen wird, ließ der Vertriebschef offen.
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