Das Terminal des Port Polska: Platz für vorerst 44 Millionen Passagiere.

Neuer ZentralflughafenWas Polen mit seinem neuen Mega-Drehkreuz Port Polska wirklich vorhat

Von Kommunisten erdacht, viel später von einer nationalkonservativen Regierung wiederbelebt und schließlich von einer liberalen Regierung bestätigt: Port Polska hat viele politische Wendungen überlebt. Polens neuer Zentralflughafen nimmt nun konkrete Formen an. Ende 2032 soll er eröffnet werden - mit Platz für jährlich 44 Millionen Fluggäste, 24-Stunden-Betrieb und Lot Polish Airlines als wichtigster Nutzerin.

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Die Idee ist nicht neu. Schon in der kommunistischen Ära in den 1970er-Jahre machte sich die Regierung in Warschau erste Gedanken über einen neuen, zentralen Flughafen für das Land. Doch das Projekt wurde nie ernsthaft weiterverfolgt, bis es die Regierung Polens 2017 aus der Schublade holte und die Umsetzung offiziell beschloss.

Gerade weil die nationalistische Partei Recht und Gerechtigkeit oder kurz PIS damals Ministerpräsident und Präsident stellte, nahmen viele im Westen das Projekt Centralny Port Komunikacyjny oder kurz CPK nicht ernst. Sie hielten es für ein Prestigeprojekt. Doch nachdem der liberale Donald Tusk 2023 neuer Premier wurde, beschloss seine neue Regierung nach einer Bedenkzeit und einigen Anpassungen weiterzumachen.

Warschau wird zu klein, und die Polen fliegen immer häufiger

Port Polska, wie das Projekt inzwischen heißt, soll mehr werden als ein neuer Flughafen. Für die Verantwortlichen ist das Milliardenprojekt der Versuch, das gesamte Verkehrs- und Wirtschaftsgefüge Polens neu zu ordnen - mit einem Drehkreuz für Flüge und Züge sowie einer neuen Wirtschaftsregion im Herzen des Landes. «Wir wollten das Projekt von der Tagespolitik lösen», erklärte im Gespräch mit aeroTELEGRAPH Filip Czernicki, der bis vor Kurzem das Unternehmen leitete. Infrastruktur dieser Größenordnung könne nur funktionieren, wenn sie von mehreren Regierungen und einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragen werde. Dieser Konsens sei inzwischen erreicht.

Zwar sei das Projekt Port Polska von der Politik angestoßen worden, so Czernicki weiter. Aber eigentlicher Treiber sei der Markt. Der Flughafen Warschauer-Chopin stoße seit Langem an seine Grenzen. Schon heute müssten Fluggesellschaften Flugzeuge über Nacht an Regionalflughäfen stationieren, weil in der Hauptstadt Stellplätze fehlten, so der Manager. Gleichzeitig wachse der polnische Luftverkehr deutlich schneller als in Westeuropa. Die Polinnen und Polen unternehmen im Durchschnitt erst rund 1,7 Flugreisen pro Kopf und Jahr, in Deutschland liegt der Wert bei 2,9. Mit dem steigendem Wohlstand im Land werde auch die Nachfrage weiter wachsen, so Czernicki.

Betrieb rund um die Uhr - ideal für Frachtflüge

Port Polska wird zudem einen gigantischen Vorteil gegenüber anderen europäischen Flughäfen haben. Anders als London-Heathrow, Amsterdam-Schiphol oder Frankfurt verfügt er über große Flächenreserven für einen etappenweisen weiteren Ausbau und kann rund um die Uhr betrieben werden. Das sei gerade im Frachtgeschäft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, so Czernicki. Zudem erwartet das Management langfristig zusätzliche Nachfrage aus der Ukraine, sobald der Krieg im Nachbarland zu Ende ist.

Größenvergleiche mit anderen europäischen Flughäfen vermeidet man bei Port Polska bewusst. Entscheidend sei nicht die Platzierung im europäischen Ranking, sondern ausreichend Kapazität für den polnischen Markt, erklärt Czernicki. Die geplante Eröffnungskapazität habe man aber bereits nach oben anpassen müssen: Statt rund 34 Millionen Reisenden soll der neue Airport zum Start bis zu 44 Millionen Fluggäste pro Jahr abfertigen können. Hintergrund ist das stärkere Wachstum des polnischen Luftverkehrs, das die bisherigen Prognosen übertroffen habe.

Lot wird die Hälfte der Fluggäste am Port Polska stellen

Mit der Eröffnung von Port Polska im Jahr 2032 soll der Flughafen Warschau-Chopin für den kommerziellen Flugverkehr schließen. Der Flughafen Warschau-Modlin soll dagegen seine Rolle als Lowcost-Airport behalten. Für Warschau-Radom sieht man dagegen langfristig keine tragfähige Perspektive als weiteren Flughafen für die Hauptstadt. Die Regionalflughäfen des Landes werden nach Einschätzung von Czernicki hingegen weiterhin eine wichtige Rolle spielen und ihre Regionen bedienen.

Computerdarstellung des Port Polska: So soll der neue Flughafen dereinst aussehen

Der Erfolg von Port Polska hängt maßgeblich vom Erfolg von Lot Polish Airlines ab. Die Planungen für das neue Drehkreuz basieren auf den Wachstumsplänen der Nationalairline. Bis zur geplanten Eröffnung soll sich deren Flotte nahezu verdoppeln. Rund die Hälfte aller Passagiere des neuen Flughafens dürfte deshalb künftig auf Lot entfallen - ein Wert, der dem von anderen europäischen Drehkreuzen mit starkem Heimanbieter ähnelt.

Der neue Flughafen soll weiterhin schon 2032 starten

Zum Projekt gehört weit mehr als ein Flughafen. Parallel entstehen Hochgeschwindigkeitszugstrecken, neue Autobahnteilstücke sowie eine neue Wirtschaftszone. Östlich des Flughafens ist eine Airport City mit Hotels, Büros und Dienstleistungen vorgesehen, westlich ein großflächiges Logistik- und Frachtzentrum mit direkter Anbindung an Autobahn und Schiene.

Port Polska hat für die gesamte Region einen Masterplan entwickelt und wirbt bereits gezielt um Investoren. Wer früh einsteige, sichere sich die attraktivsten Standorte, lautet die Botschaft. Die Eröffnung ist gemäß der aktuellsten Planung weiterhin für Ende 2032 vorgesehen.

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