Boeing 787-8 von Air-India: Die Airline ist finanziell angeschlagen.

Wegen Iran-KriegAir India tritt auf die Bremse: Milliardenverluste zwingen zum Kurswechsel

Air India steckt in der Krise. Nach einem Rekordverlust bremst die Tata-Airline ihre Wachstumspläne drastisch ein. Air India will hunderter Flugzeuglieferungen schieben, streicht Flüge und tritt bei der Expansion auf die Bremse.

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Air India kehrte im Oktober 2022 zu ihren Wurzeln zurück. Die Tata Group, die die Airline 1932 gegründet hatte, erwarb die Anteile vom indischen Staat. Die neuen alten Eigentümer starteten mit großen Plänen. Air India sollte zu alter Stärke zurückfinden und den indischen Langstreckenmarkt zurückerobern, um ihn nicht länger europäischen oder arabischen Airlines zu überlassen. Der Plan: neue Flugzeuge, neue Kabinen, neue Lounges.

Die zweite Airline der Tata-Group, Vistara, wurde eingestellt und ging in Air India auf. Höhepunkt der Offensive war die größte Flugzeugbestellung der Luftfahrtgeschichte. 2023 bestellte Air India 470 Flugzeuge auf einen Schlag. Die Order umfasste Airbus A350, Flugzeuge der A320neo-Familie, Boeing 787, 777X und 737 Max. Und das war noch nicht das Ende: 2024 legte man nochmal mit 100 weiteren Airbus-Flugzeugen nach.

Flug AI171, Luftraumsperrungen und Kerosinpreise bremsen Air India

Dann kam der 12. Juni 2025. Flug AI171, durchgeführt mit einer Boeing 787-8, stürzte kurz nach dem Start in Ahmedabad ab. 241 Menschen an Bord und 19 am Boden kamen ums Leben. Doch nicht nur der Absturz macht der indischen Airline zu schaffen. Seit März 2025 darf Air India den pakistanischen Luftraum nicht mehr nutzen, hinzu kamen wiederholte Sperrungen in Westasien. Immer weiter steigende Treibstoffkosten, gepaart mit der Abwertung der Rupie gegenüber dem Dollar haben die Verluste auf Rekordhöhen getrieben.

Laut Bloomberg hat Air India das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust von rund 2,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die Zahl steht auch im Jahresfinanzbericht von Singapore Airlines, die als Minderheitsaktionär mit 25,1 Prozent laut lokalem Recht und als börsennotiertes Unternehmen alle wesentlichen Beteiligungen und deren finanzielle Entwicklung in ihrem Jahresbericht veröffentlichen muss.

Flugzeuge von Air India sollen später kommen

Mit einem Verlust von fast drei Milliarden Dollar im Rücken scheint der Traum vom expansiven Wachstum und der Rückkehr zur Premium-Marke vorerst ausgeträumt. Laut übereinstimmenden Medienberichten arbeitet das Management daran, Flugzeuglieferungen zu verschieben, den Flugplan zu straffen und weitere Expansionspläne auf Eis zu legen.

Konkret soll Air India mit Airbus und Boeing über eine Verzögerung der Auslieferung der Jahrhundertbestellung sprechen. Lieferverzögerungen sind in der Branche nicht ungewöhnlich. Der Vorteil liegt darin, dass die fälligen Zahlungen sich damit ebenfalls in die Zukunft verschieben. Gleichzeitig stutzt die Airline ihren Flugplan zusammen. Von Juni bis August streicht Air India international rund 27 Prozent ihrer Flüge. Im Inlandsverkehr fliegt die Airline rund ein Fünftel weniger.

Air India sucht neuen Chef

Und auch die geplante Expansion fällt vorerst aus. Air India streicht neue Inlands- und Auslandsverbindungen und verschiebt die Inbetriebnahme an mehreren Flughäfen. Prominentes Beispiel ist der neue Flughafen Noida bei Delhi. Während Indigo und Akasa Air den Flughafen eröffnet haben, hat Air India Express den Start auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ausgerechnet in dieser schwierigen Phase steht bei Air India ein Führungswechsel an. Airline-Chef Campbell Wilson, der die Airline seit der Privatisierung leitet, wird Air India noch in diesem Jahr verlassen. Wer die Nachfolge antreten wird, ist offen. Vier Kandidaten stehen laut PTI in der Endrunde. Darunter Air-India-Kommerzchef Nipun Aggarwal und Vinod Kannan, ehemaliger Vistara-Chef und heute bei Singapore Airlines. Hinzukommen zwei weitere ausländische Kandidaten, die noch nicht namentlich bekannt sind.

Airline verteidigt sich

Air India selbst will von allem nichts wissen. Ein Sprecher der Airline bezeichnete die Bloomberg-Berichte als «rein spekulativ», schreibt die Seite Liveandletsfly. Die Fluggesellschaft bleibe ihrem Ziel treu, die Flotte zu modernisieren und den langfristigen Transformationsplan umzusetzen.

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