Kabinencrew von Air India in New York: Wer zu dick ist, fliegt raus.

Air India macht BMI-KontrollenZu schwerem Kabinenpersonal drohen Freistellung und Gehaltskürzungen

Der Body-Mass-Index wurde 1832 entwickelt. Air India nimmt ihn als Basis für eine neue Richtlinie, um das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil zu stärken. Personen, die aus dem Raster fallen, drohen harte Strafen. Experten schlagen Alarm.

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Vor knapp 200 Jahren entwickelte der belgische Mathematiker und Statistiker Adolphe Quetelet den nach ihm benannten Quetelet-Index, der heute als Body-Mass-Index oder kurz BMI bekannt ist. Quetelet wollte mit dem Index nicht die individuelle Gesundheit eines Menschen abbilden, sondern den mittleren Menschen statistisch erfassen. Erst in den 1970er und 1980er Jahren führte die Weltgesundheitsorganisation WHO ihn als Standard ein, um Übergewicht und Adipositas zu erfassen.

Der BMI berechnet sich, indem das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt wird. Laut WHO gilt ein BMI unter 18,5 als Untergewicht, zwischen 18,5 und 24,9 als Normalgewicht, zwischen 25 und 29,9 als Übergewicht und ab 30 als Adipositas. Doch seit Jahren gibt es Kritik an dieser Berechnung: Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett, erfasst keine Fettverteilung und berücksichtigt weder Alter, und Geschlecht noch ethnische Unterschiede.

Air India plant Gesundheitsrichtlinie basierend auf dem BMI

Air India plant zum 1. Mai eine neue Gesundheits- und Fitnessrichtlinie für ihr Kabinenpersonal einzuführen. Die Regeln basieren auf dem Body-Mass-Index. Laut der Zeitung Economic Times plant die Airline, unangekündigte BMI-Kontrollen durchzuführen. Diese können sowohl vor als auch nach dem Dienst stattfinden. Das Problem: Wer die festgelegten Normwerte nicht erfüllt, muss mit harten Konsequenzen rechnen.

Wer einen BMI-Wert zwischen 18 und 24,9 hat, gilt als normalgewichtig und muss sich keine Sorgen machen. Ein BMI-Wert unter 18 gilt als Untergewicht. Betroffene Mitarbeitende müssen eine medizinische Untersuchung durchführen lassen, die bestätigt, dass sie flugtauglich sind und alle Aufgaben erfüllen können. Die Kosten für den Test tragen die Betroffenen selbst. Sie haben dafür sieben Tage Zeit, berichtet die Zeitung Hindustan Times.

Beschäftigte mit BMI werden beurlaubt

Beschäftigte mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 gelten als leicht übergewichtig. In diesen Fällen verlangt die Fluglinie, dass Mitarbeitende einen Funktionstest in der Kabine durchführen und in Einzelfällen auch eine ärztliche Untersuchung vorlegen. Wer ihn besteht, darf weiterfliegen, wer ihn nicht besteht, wird ohne Gehaltsfortzahlung freigestellt und bekommt Zeit, um die geforderten Normwerte zu erreichen.

Dramatisch wird es für Personen mit einem BMI über 30. Air India klassifiziert diesen Wert als adipös (fettleibig) und ordnet dann Freistellung ohne Fortzahlung des Gehalts an. Betroffene haben 30 Tage Zeit, um ein akzeptables Ergebnis zu erzielen. Laut einem Sprecher der Airline soll die neue Richtlinie das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil stärken. Ziel ist es, dass die Besatzungsmitglieder langfristig fit bleiben und den körperlichen Anforderungen ihres Jobs gewachsen sind.

Fachleute üben Kritik und warnen

Fachleute melden sich in indischen Medien zu Wort und üben Kritik an den Plänen. Luftfahrtexperte Gurmukh Singh Bawa sagte der Zeitung Indian Express, der BMI sei eine veraltete Messmethode. Er berücksichtigte weder Muskelmasse noch die tatsächliche Körperzusammensetzung. Zudem könnten Freistellungen oder Flugverbote für Mitarbeitende allein wegen ihres BMI zu mehr Stress führen.

Bawa betont, dass er durch die neue Regel eher eine erhöhte Gefahr für die Mitarbeitenden sieht: «Diese Richtlinie könnte das Kabinenpersonal zu extremen Maßnahmen treiben, um die BMI-Vorgaben zu erfüllen, und dadurch die Gesundheit und Sicherheit gefährden.» Stattdessen sollte sich Air India auf ganzheitliche Wellnessprogramme konzentrieren, die einen gesunden Lebensstil fördern und den Besatzungsmitgliedern gezielte Unterstützung bieten.

Auch andere Airlines mit drastischen Strafen

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Air India wegen strenger Gewichtsauflagen für ihr Personal in die Kritik gerät. Schon 2025 führte die Airline ähnliche Maßnahmen ein. Bereits 2025 berichtete eine ehemalige Flugbegleiterin von Emirates, dass Mitarbeitende Fristen erhielten, um abzunehmen. Wer die Vorgabe nicht rechtzeitig erfüllte, musste mit der Kündigung rechnen.

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