Air Asia: Die Regierung bereitet sich offenbar auch auf ein weiteres Schrumpfen vor.

MalaysiaAir Asia in finanzieller Not - Regierung spielt bereits den Ernstfall durch

Air Asia schrumpft, gibt 25 Flugzeuge zurück und kämpft mit hohen Kosten und alten Schulden. Inzwischen schaut auch Malaysias Regierung sehr genau hin. Und bereitet sich offenbar darauf vor, dass andere Airlines die Strecken bedienen müssen.

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Wer in der Luftfahrt arbeitet, braucht starke Nerven. Denn die Gesundheit der Branche ist enorm an externe Faktoren gekoppelt. Globale Erschütterungen wie Kriege, Naturkatastrophen oder Rezessionen aber auch große technische Herausforderungen wie zuletzt die Probleme mit den Triebwerken von Pratt & Whitney können Fluggesellschaften schnell ins Straucheln bringen und langfristige Entscheidungen über Flotten, Leasing und Finanzierung können Fluggesellschaften dann ziemlich schnell heimsuchen.

Wie etwa gerade erst Air Baltic. Die Fluggesellschaft hat in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Die lettische Nationalairline muss ihre Flotte drastisch verkleinern und ihre Schulden und Leasingverträge neu ordnen. Doch nicht nur in Europa zeigt sich derzeit, wie schnell das Geschäft von Fluggesellschaften aus dem Gleichgewicht geraten kann. Am anderen Ende der Welt kämpft mit Air Asia die größte Billigairline-Gruppe Asiens mit erheblichem finanziellen Druck. Die Ursachen sind teilweise andere, der Mechanismus ist ähnlich: Hohe laufende Verpflichtungen werden durch Faktoren, die sich kaum kontrollieren lassen, noch verschlimmert.

Auch Air Asia litt unter Geopolitik

Im zweiten Quartal schrieb Air Asia einen Reinverlust von umgerechnet rund 175 Millionen Euro. Vor allem steigende Kerosinpreise infolge des Iran-Kriegs sowie hohe Währungsverluste belasteten das Ergebnis, so die Gruppe mit Sitz in Malaysia. Besonders die Entwicklung der Treibstoffpreise traf die Gruppe, weil sie sich nur begrenzt mit dem sogenannten Hedging gegen steigende Preise abgesichert hatte. Dabei kaufen Fluggesellschaften zu einem bestimmten Zeitpunkt Optionen auf Treibstoff zu einem festen Preis.

Air Asia versucht, gegenzusteuern. Nach eigenen Angaben konnte sie im zweiten Quartal 70 Prozent der gestiegenen Treibstoffkosten durch höhere Ticketpreise auffangen und senkte zugleich die übrigen betrieblichen Kosten. Nun baut die Gruppe auch ihre Absicherung gegen schwankende Kerosinpreise aus. Bei Thai Air Asia sind für das dritte Quartal 13 Prozent des Verbrauchs zu einem Preis abgesichert.

Kapazität von Air Asia geschrumpft

Doch Air Asia muss auch schrumpfen. Im dritten Quartal reduzierte die Gruppe ihre Kapazität um 20 bis 25 Prozent. Verbindungen wurden ausgesetzt, auf anderen Strecken kleinere Flugzeuge eingesetzt. Gleichzeitig verkleinert die Airline ihre Flotte. 25 ältere und weniger treibstoffeffiziente Flugzeuge gehen an die Leasinggeber zurück. Damit sinkt nicht nur der Treibstoffverbrauch, Air Asia wird zugleich feste Leasingverpflichtungen los. Neue Flugzeuge sollen ab 2028 hinzukommen.

Wie wichtig solche Einsparungen geworden sind, zeigt die Bilanz. Ende Juni standen kurzfristigen Verbindlichkeiten von umgerechnet rund 3,9 Milliarden Euro lediglich etwa 200 Millionen Euro an Barmitteln und Bankguthaben gegenüber. Air Asia musste einige Leasinggeber bereits bitten, Mietzahlungen aufzuschieben.

Verpflichtungen der Vergangenheit suchen Airlines heim

Bei allen Unterschieden gibt es eine Parallele zu Air Baltic. Beide Airlines werden von finanziellen Verpflichtungen aus einer anderen Phase ihrer Entwicklung eingeholt. Bei Air Baltic stammen sie wesentlich aus dem Wachstum der Flotte, bei Air Asia aus der Pandemie und dem anschließenden Wiederhochfahren des Betriebs. In beiden Fällen treffen diese Altlasten nun auf ein deutlich schwierigeres Umfeld.

Air Asia versucht deshalb, alte, teure Schulden durch günstigere Finanzierungen mit längeren Laufzeiten zu ersetzen. Gleichzeitig gibt soll die Ausflottung der 25 älteren Flugzeuge helfen. Die Situation wird aber nicht einfacher. Steigende Kerosinpreise und Währungsverluste erhöhen den Druck zusätzlich.

Regierung lässt Finanzierungsbedarf von Air Asia untersuchen

Inzwischen schaut deshalb auch die malaysische Regierung genauer hin. Das Finanzministerium hat laut der Zeitung The Edge Malaysia die Luftfahrtberatung Alton Aviation Consultancy damit beauftragt, den Finanzierungsbedarf von Air Asia zu untersuchen. Nach Angaben mehrerer mit der Angelegenheit vertrauter Personen prüft die Regierung dabei, welche Unterstützung sie der Fluggesellschaft gegebenenfalls gewähren könnte. Eine staatliche Rettung oder eine Garantie für die geplante Kapitalaufnahme sei derzeit jedoch nicht vorgesehen.

Dass sich die Regierung mit AirAsia beschäftigt, hat auch mit der Bedeutung der Gruppe zu tun. Sie ist ein großer Arbeitgeber und Anbieter günstiger Flugverbindungen in der Region. Sollten die wegfallen, wäre das ein Problem für viele Menschen. Daher bereitet sich die Regierung offenbar auch auf den Fall vor, dass Air Asia ihr Angebot noch stärker reduzieren muss.

Regierung spricht mit Konkurrentinnen von air Asia

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters führt sie Gespräche mit den Konkurrentinnen Malaysia Airlines und Batik Air. Dabei gehe es darum, wie viel zusätzlichen Inlandsverkehr die beiden Fluggesellschaften übernehmen könnten, sollte Air Asia ihre Aktivitäten deutlich zurückfahren müssen. An den Gesprächen sollen neben dem Finanzministerium auch der staatlich verbundene Flughafenbetreiber Malaysia Airports Holdings beteiligt sein. In den vergangenen Wochen seien die Beratungen intensiviert worden.

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