Mitarbeiter von Haeco an der Arbeit: Der Airbus A330 von Swiss wird fast wie neu.

Umbau der HB-JHC650 Aufgaben und Tausende Seiten Pläne: So bekommt der erste Airbus A330 von Swiss seine neue Kabine

Swiss rüstet erstmals einen Airbus A330 mit der neuen Langstreckenkabine aus. Ein Besuch in Hongkong zeigt, wie tief der Eingriff geht – und weshalb der erste Umbau zu Swiss Senses aufwändiger ist als die Auslieferung eines fabrikneuen A350.

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Von Premium ist an diesem Tag im Hangar von Haeco in Hongkong noch nichts zu sehen. In der HB-JHC fehlen die Sitze, große Teile der Seiten- und Deckenverkleidung sind ausgebaut. Statt dem gewohnten Interieur sieht man Isoliermatten, offene Kabelstränge und Leitungen. Auf dem Boden stehen Leitern, Werkzeugkisten und Arbeitsleuchten.

«Die Maschine ist nahezu leer», sagt Gunnar Ciernioch, Projektleiter Tech Ops bei Swiss, beim Rundgang durch den etwas mehr als 17-jährigen Airbus A330, der beim chinesischen Soezialisten für Flugzeugwartung, Reparatur und Überholung die neue Senses-Kabine bekommt. Tatsächlich ging der Umbau noch tiefer: «Wandverkleidungen, sogar der Fußboden wurde herausgenommen.» Inzwischen werden Elektrik, Luftleitungen und Wasseranschlüsse installiert. Der A330 gleicht damit eher einer Baustelle als einem Passagierflugzeug. Genau das zeigt, weshalb die Montage einer neuen Kabine weit mehr ist als ein Austausch von Sitzen.

Beim AIrbus A350 kommt die Kabine ab Werk

Swiss Senses fliegt bereits im Airbus A350-900. Dort wird die neueste Kabinengeneration, die auf Allegris der Mutter Lufthansa basiert, während der Produktion eingebaut. Bei der HB-JHC beginnt der Weg dagegen mit dem vollständigen Rückbau der bisherigen Ausstattung. «Alles, was vorher drin war, wurde aus dem Flieger entfernt und die Kabine wird komplett neu eingerichtet», sagt Ciernioch. Einige Komponenten wie die vorderen und hinteren Bordküchen werden aufgearbeitet, Sitze und die meisten anderen Elemente sind neu.

Auch das bekannte Swiss Senses-Produkt lässt sich nicht eins zu eins übernehmen. Maße und Layout des A330 unterscheiden sich vom A350. Ciernioch nennt es «same same, but different»: Das Produkt wurde an Geometrie und Kabinenlayout des A330 angepasst. Für Reisende soll dieser Unterschied später möglichst wenig spürbar sein.

Mehr als 650 Aufgaben für ein Flugzeug

Hinter dem sichtbaren Umbau steckt erhebliche technische Arbeit. Zusätzlich zum Kabinen-Retrofit umfasst der Aufenthalt der HB-JHC mehr als 650 weitere Wartungs- und Umbauaufgaben, darunter Arbeiten im Rahmen des C-Checks, weitere Modifikationen und Services. Der eigentliche Einbau der neuen Kabine ist in einem umfangreichen Airbus Service Bulletin zusammengefasst, das mehr als 1000 Seiten umfasst. Während des Umbaus arbeiten in der Kabine üblicherweise rund 60 bis 70 Personen. Dazu kommen Fachleute von Airbus, Sitzherstellern und weiteren Lieferanten. Zudem umfassen die technischen Unterlagen über 2000 Seiten Zeichnungen.

«Auf dem Papier kann alles sehr gut aussehen. Sobald Material und Anweisungen am Flugzeug zusammenkommen, treten aber zwangsläufig Probleme auf», sagt Adrian Choy, Account Manager bei Haeco. Genau deshalb ist der erste A330 besonders wichtig: Was Swiss, Haeco und die Zulieferer bei der HB-JHC erstmals lösen müssen, soll beim nächsten Flugzeug bereits bekannt sein.

Der erste Airbus A330 dauert absichtlich länger

Für die HB-JHC ist deshalb mehr Zeit eingeplant als für die folgenden Maschinen. «Die erste Standzeit ist länger geplant», sagt Ciernioch. «Wir rechnen damit, dass alles etwas länger geht, weil es sich um die Erstinstallation handelt.» Nach dem Einbau folgt zudem die Zertifizierungsphase. Während Swiss auf die behördliche Genehmigung wartet, bleibt der A330 in Hongkong.

Die HB-JHC wird damit zur Blaupause für die restliche Flotte. Die Arbeiten führt Haeco aus, begleitet werden sie vor Ort von einem Swiss-Team. Haeco wird die Modifikation auch an der gesamten restlichen A330- sowie der Boeing-777-Flotte von Swiss durchführen. Die Zusammenarbeit besteht bereits seit mehreren Jahren; Swiss lässt bei Haeco auch A330, A340 und Boeing 777 warten.

Aus drei werden vier Reiseklassen

Für die Passagiere wird das Ergebnis deutlich sichtbarer sein als die Arbeit dahinter. Nach dem Umbau bietet der A330 225 Plätze: drei in der First Class, 43 in der Business Class, 28 in der erstmals eingebauten Premium Economy und 151 in der Economy. Ciernioch macht keinen Hehl daraus, weshalb Swiss den Umbau für nötig hält. Die bestehende A330-Kabine habe lange gute Dienste geleistet. Wer zuletzt damit geflogen sei, werde aber festgestellt haben, «dass sie nicht mehr ganz den Ansprüchen der heutigen Zeit genügt». Mit der neuen Kabine will Swiss Komfort und Serviceniveau erhöhen. Dazu gehören modernere Bildschirme und neue Sitze von der Economy bis zur First Class.

Auch die Lieferkette zeigt die Komplexität des Umbaus. Sitze, Galleys, Beleuchtung, Unterhaltungssysteme und andere Komponenten kommen aus mehreren Ländern nach Hongkong. Ciernioch spricht von einem «großen Puzzlespiel». Alles wird dort angeliefert und bis zum Einbau zwischengelagert. Direkt neben dem Flugzeug stehen während des Besuchs bereits neue Komponenten verpackt bereit. Darunter ist die neue Galley an Tür zwei mit der sogenannten Welcome-Wand, die Reisende künftig beim Einsteigen sehen werden.

Ein internationales Puzzlespiel

Selbst wenn alle Sitze montiert und sämtliche Verkleidungen geschlossen sind, kann die HB-JHC nicht sofort nach Zürich zurückkehren. Die neue Kabine muss zunächst als Gesamtsystem im A330 zertifiziert und behördlich genehmigt werden. Derzeit rechnet Swiss mit einer Rückkehr der HB-JHC ungefähr Mitte November. Danach sollen die nächsten Flugzeuge folgen. Der Retrofit aller 14 A330 soll bis 2028 dauern. Bei späteren Maschinen erwartet Swiss kürzere Standzeiten; im Winter sollen zeitweise zwei Flugzeuge parallel umgebaut werden.

In Hongkong ist von der fertigen Kabine vorerst trotzdem wenig zu sehen. Zwischen offenen Verkleidungen, Kabelsträngen und Werkzeugen entsteht sie Stück für Stück. Wenn die HB-JHC den Hangar wieder verlässt, soll davon nichts mehr zu erkennen sein.

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