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Schwierige Geschäftsbeziehung

Airbus kündigt Vertrag über 50 A321 Neo mit Qatar Airways

Dass Airlines Bestellungen stornieren, kommt vor. Doch ein Flugzeugbauer? Das ist selten. Airbus hat es nun getan - und bringt Qatar Airways damit in Schwierigkeiten.

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Airbus/Photooxy/Montage aeroTELEGRAPH

A321 Neo von Qatar: Wird erstmal nichts.

Dass Verträge über Flugzeugbestellungen gekündigt werden, kam in den vergangenen Monaten häufig vor. Airlines mussten ihre Flottenpläne wegen der Covid-19-Pandemie überdenken und kündigten Verträge. Aber dass ein Flugzeugbauer eine Bestellung annulliert, hat absoluten Seltenheitswert.

Und doch ist es jetzt geschehen. Airbus hat einen Vertrag mit Qatar Airways über die Bestellung von 50 Airbus A321 Neo gekündigt. Die Golfairline hätte die kleineren Flugzeuge gebraucht, um neue Routen bedienen zu können.

Streitpunkt Beschichtung der Airbus A350

Gerade in der Situation mit geringer Nachfrage sind kleinere Jets mit höherer Reichweite gefragt. Doch daraus wird für die Airlines aus Doha nichts. «Wir bestätigen, dass wir den Vertrag mit Qatar Airways über 50 A321 Neo in Übereinstimmung mit unseren Rechten gekündigt haben», bestätigt Airbus der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei geht es um einen Deal im Wert von mehreren Milliarden

Begonnen hatte das Zerwürfnis damit, dass Qatar Airways die Rumpfbeschichtung der Airbus A350 als mangelhaft kritisiert hatte. Nachdem zunächst nur Probleme mit dem Lack genannt wurden, wurde irgendwann auch der Blitzschutz ein Thema. Die katarische Luftfahrtbehörde verhängte ein Grounding für 21 A350  der Nationalairline.

Airbus wehrte sich schon zu Beginn

Airbus wehrte sich von Beginn an gegen die Vorwürfe. Zwar seien Probleme mit dem Lack auch bei anderen Airlines wie Finnair und auch Lufthansa aufgekommen. Doch das habe keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit.

«Der Versuch dieses Kunden, dieses spezifische Thema fälschlicherweise als Lufttüchtigkeitsproblem darzustellen, stellt eine Bedrohung der internationalen Protokolle zu Sicherheitsfragen dar», so der europäische Flugzeugbauer. Auch die europäische Luftfahrtbehörde Easa sieht kein Sicherheitsproblem, so wie keine andere Behörde außer der katarischen.

Qatar klagte, Airbus schlug zurück

Am 9. Dezember erreichte der Streit zwischen Qatar Airways und Airbus eine neue Eskalationsstufe. Der Flugzeugbauer beschuldigte die Airline der Falschdarstellung zum A350 und zu Problemen mit der Rumpfbeschichtung der Langstreckenjets. Außerdem kündigte Airbus an, eine «unabhängige rechtliche Bewertung anzustreben, um den Streit beizulegen».

Qatar Airways zündete nur kurz darauf die nächste Stufe und klagte vor einem Londoner Gericht gegen Airbus. Die Fluggesellschaft, die Airbus A380 als Ersatz für die durch das Grounding verlorene Kapazität zurückholte, fordert mehr als 700 Millionen Dollar Entschädigung für die Nichtverwendbarkeit der A350 – 618 Millionen Dollar bis zum 17. Dezember und weitere 4,2 Millionen Dollar pro weiterem Tag.

«Keine vernünftige oder rationale Grundlage»

Und damit hatte der Flugzeugbauer offenbar genug. Diese Woche reichte Airbus Dokumente beim Londoner Gericht ein, die die Sicht des Unternehmens darlegen und welche die Nachrichtenagentur Bloomberg gesehen hat. Eine Entschädigung sei nicht zu zahlen, heißt es in dem Antrag. Qatar Airways befindet sich mit der Weigerung, zwei A350 zur Auslieferung anzunehmen, «in klarer Nichterfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen».

«Es gibt keine vernünftige oder rationale Grundlage» für die katarischen Aufsichtsbehörden, 21 der von der staatlichen Fluggesellschaft betriebenen A350-Flugzeuge aus dem Verkehr zu ziehen, heißt es weiter. Der Flugzeughersteller erklärt, dass Qatar Airways die Flugverbote «herbeiführen wollte oder sich mit ihnen einverstanden erklärt hat», weil es im wirtschaftlichen Interesse der Fluggesellschaft liegt, Flugzeuge «angesichts der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie» auf die Nachfrage stillzulegen.

Qatar Airways will Kündigung anfechten

Laut der Nachrichtenagentur Reuters will Qatar Airways die Vertragskündigung über die Lieferung der A321 Neo anfechten. Der Vertrag wurde vor rund zehn Jahren unterzeichnet, erst für A320 Neo, dann umgewandelt in A321 Neo. Zehn der Bestellungen wurden zudem auf die Langstreckenversion A321 LR umgewandelt.



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