Flieger am Flughafen London-Luton: An- und Abflüge wurden gestoppt.

Hitze in GroßbritannienWenn die Hitze Pisten zum Schmelzen bringt

Die hohen Temperaturen in Großbritannien wirken sich auch auf den Luftverkehr aus. An verschiedenen Flughäfen hielt der Pistenbelag der Hitze nicht stand. Warum das nicht überall passiert.

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So heiß war es im Vereinigten Königreich noch nie. Über 40 Grad heiß soll es diese Woche auf der Insel werden. Und schon jetzt ächzt die Infrastruktur unter den Temperaturen – auch in der Luftfahrt. Mehrere britische Flughäfen meldeten, dass die Hitze ihre Pisten beschädigt habe. Mitunter musste der Flugbetrieb gestoppt werden.

Schon am Montagmorgen wurde bekannt, dass die britische Luftwaffe den Flughafen des Stützpunktes Brize Norton aktuell nicht nutzen könne. Man musste auf andere Flugplätze ausweichen, weil die Piste der Basis nahe Oxford «geschmolzen» sei, so die Royal Air Force gegenüber dem Nachrichtensender Sky News.

Zweite Luftwaffenbasis betroffen

Der Betrieb sei nicht beeinträchtigt, weil die Nutzung der alternativen Flugplätze Teil eines schon lange ausgearbeiteten Planes sei, erklärte die Luftwaffe weiter. Ebenfalls betroffen war der Stützpunkt in Cranwell. Dort, so berichten Quellen Sky News, würde mittlerweile Teer an den Stiefeln der Mitarbeitenden auf dem Vorfeld kleben.

Der Boden sei durch die Sonneneinstrahlung derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass man sämtlichen Flugbetrieb für Montag und zunächst auch Dienstag gestoppt habe. Auch an den Rädern der Phenom- und Prefect-Trainingsflugzeuge habe der aufgeweichte Asphalt sich bemerkbar gemacht.

An- und Abflüge in Luton gestoppt

Zu operativen Einschränkungen kam es auch am Passagierflughafen London-Luton. Rund eine Stunde lang musste er An- und Abflüge am Montag (18. Juli) stoppen, da die Hitze die Start- und Landebahn beschädigt hatte. Easyjet und Ryanair musste beide einige ankommende Flüge zu alternativen Flughäfen umleiten. Zusätzlich wurden drei Flüge annulliert. Inzwischen ist die Piste in Luton wieder repariert.

Dass die Hitze die Pisten schädigt, liegt an der Beschaffenheit des eigentlich robusten Baustoffes. Asphalt ist viskoelastisch. Das bedeutet, dass es als Feststoff sehr stabil ist, aber auch wieder in eine Flüssigform übergehen kann.

Rillen können bei hoher Geschwindigkeit gefährlich sein

Wenn die Temperaturen steigen, kann das Material weicher werden. Das bedeutet, dass es unter dem Gewicht von Fahr- oder Flugzeugen einsinken kann. Als Folge wird der Untergrund klebrig. Außerdem können sich Rillen bilden.

Normalerweise betrifft das nur die oberste Schicht. Doch gerade im Flugbetrieb, wo tonnenschwere Jets mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind und jeder Fehler fatal sein kann, darf es auch solch kleine Schäden nicht geben. Denn: Im Extremfall könnte das Bremsen oder Lenken beeinträchtigt werden. Auch wenn sich Asphaltrückstände an den Reifen sammeln, kann das die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen.

Asphalt schmilzt bei durchschnittlich 50 Grad Celsius

Die durchschnittliche Temperatur, bei der der Asphalt zu schmelzen beginnt, liegt bei etwa 50 Grad Celsius. Auch wenn die Luft in London noch nicht so heiß ist; wenn die Sonne direkt auf den Boden strahlt, geht das ziemlich schnell.

Dass im Vereinigten Königreich die Pisten schmelzen, wenn es an Flughäfen in Nahost oder auch in Südeuropa regelmäßig heißer ist, liegt daran, dass je nach den äußeren Bedingungen verschiedene Arten von Asphalt gewählt werden. In Skandinavien zum Beispiel müssen die Beläge teilweise extremerer Kälte standhalten als zum Beispiel bei uns.

Auch andere Werkstoffe möglich - aber alle spüren die Hitze

Nicht alle Pisten bestehen übrigens aus Asphalt. An großen Flughäfen auch genutzt wird etwa Beton. Der soll teils eine höhere Lebensdauer aufweisen als die Alternative. Auch eine Mischung aus beiden Materialien ist möglich.

Dass auch Beton nicht resistent gegen hohe Hitze ist, zeigt ein Vorfall am Flughafen Hannover von 2018. Dort musste der Flughafen vor ziemlich genau zwei Jahren für mehrere Stunden gesperrt werden, weil zwei Betonplatten nach oben gestiegen waren.

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