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Go 2 Sky

Wie eine kleine Airline sich im europäischen Wet-Lease-Markt behauptet

Kaum eine Fluglinie konnte in der Slowakei zuletzt lange überleben. Da ist das zehnjährige Jubiläum der Wet-Lease-Airline Go 2 Sky etwas Besonderes. Gründer Daniel Ferjancek erzählt von den Herausforderungen.

Martin Dichler

Daniel Ferjancek ist Chef und Gründer von Go2Sky: Kein Interesse an Liniengeschäft.

Air Slovakia, Slovak Airlines, Danube Wings und Skyeurope Airlines sind nur einige Namen von Fluglinien, die in den vergangenen Jahren ihre Segel in der Slowakei streichen mussten. Ein kleiner Heimmarkt, zu schnelle Expansion und so manche Fehlentscheidung bereiteten etlichen slowakischen Luftfahrtunternehmen ein schnelles Ende. Einzig mit dem Wet-Lease-Geschäft, also dem Vermieten von Flugzeugen samt Crews an andere Fluglinien, scheint in dem kleinen EU-Land Erfolg beschieden zu sein.

Das hat auch Daniel Ferjancek, seines Zeichens Gründer und Chef von Go 2 Sky verstanden. Bereits im Jahr 2010 zählte er zu den Gründungsvätern des slowakischen Mitbewerbers Air Explore. «Ich habe in die Firma investiert, jedoch machte ich keine guten Erfahrungen mit den Miteigentümern, weshalb ich nach einem Jahr das Unternehmen wieder verließ», erzählt er. Nach einer mehrmonatigen Auszeit beschloss er, gemeinsam mit einem Partner eine neue Wet-Lease-Fluglinie zu gründen.

«Möchte niemals Probleme im Sudan oder in Afghanistan»

Wie der Firmengründer erzählt, ist das Geschäft aber alles andere als leicht: «Es ist ein sehr saisonales Geschäft. Im Sommer macht man gutes Geld, doch im Winter verlierst du wieder wie verrückt dein zuvor verdientes Geld.» Der Dezember sei immer noch ok, aber im Januar und Februar gebe es in Europa so gut wie kein Geld zu verdienen. «Der Gewinner ist jener, der im März noch ein wenig Geld am Konto hat, um den Flugbetrieb fortzuführen», so Ferjancek. Gerade in den ruhigen Wintermonaten halten deshalb viele europäische Mitbewerber rund um den Globus Ausschau nach Verträgen für ihre unausgelasteten Flotten.

Bei Go2Sky hat man sich jedoch dazu entschlossen, einen anderen Weg zu gehen: «Ich bin kein typischer Aviation Guy und es gibt ein ungeschriebenes Firmengesetz bei Go 2 Sky: Wir vermeiden schwierige und gefährliche Destinationen, denn ich möchte niemals Probleme mit meinem Flugzeug oder den Crews in Zentralafrika, im Sudan oder an Orten wie Afghanistan haben. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass wir zahlreiche Möglichkeiten auslassen und wir verdammt viel Geld während der Winterzeit verlieren», so der 52-Jährige.

Rasch ein zweites Flugzeug hinzu geholt

Die Gründung von Go 2 Sky im Jahr 2012 war einfacher als gedacht für den ehemaligen Finanzfachmann, denn im Vergleich zur Gründung einer Fluglinie, die Linienflüge anbieten möchte, hält sich die Investition bei einem Wet-Lease-Unternehmen in Grenzen: «Im Prinzip reichen einige hunderttausende Euro aus und nicht Millionen. Die monatlichen Leasingkosten unserer ersten Boeing 737-400 Classic betrugen rund 60.000 Euro und so kamen wir zu Beginn auf ein Investment von rund 240.000 Euro.»


Go-2-Sky-Chef Daniel Ferjancek. Bild: Martin Dichler

Die Gründung sei also nicht das größte Problem gewesen und der erster Vertrag sei mit Mistral Air im Mai 2013 zustande gekommen. «Sehr schnell haben wir aber erkannt, dass die Kosten mit nur einem Flugzeug sehr hoch sind und kaum zu decken waren, weshalb wir uns rasch dazu entschlossen haben, eine weitere Boeing anzumieten und am Markt anzubieten.»

«Liniengeschäft wird in Bratislava wohl nie richtig gehen»

Am Aufbau eines eigenen Liniengeschäftes bei Go2Sky war man nie interessiert, denn dafür würde man einen starken Heimatmarkt benötigen und der ist in der Slowakei einfach nicht vorhanden. «Bratislava und Wien liegen einfach viel zu nahe beieinander, all die großen Fluglinien fliegen ab Wien», sagt Ferjancek, der selber Pilot ist. «Das Liniengeschäft wird in Bratislava wohl nie richtig gehen, selbst wenn man keine Landegebühren von den Fluglinien verlangen würde.»

Der vergangene Sommer war gut für sein Unternehmen, doch man machte einen Fehler: «Wir haben uns auf einen einzigen Kunden konzentriert», so der Chef. Die Rede ist von der türkischen Corendon Airlines, die viele Jahre ein guter Kunde war. «Doch im September kündigte man uns die Wet-Lease-Verträge, was zur Folge hatte, dass unsere gesamte Flotte, bestehend aus drei Boeing 737- 800 NG, zurück nach Bratislava kam, ohne Aufträge zu haben.» Zwar konnte Go 2 Sky noch kurzfristig Aufträge von Tuifly und Electra Airways an Land ziehen, doch das Auftragsvolumen war bedeutend kleiner.

«Das kommende Jahr wird vermutlich genauso gut wie 2019»

Während der Corona-Pandemie war die Zukunft der Fluglinie erstmals gefährdet. Zwar habe man als eine der letzten am Markt verbliebenen Wet-Lease-Fluggesellschaften noch im Sommer 2020 einen Auftrag im Kosovo durchgeführt, so Ferjancek, doch habe sich dieses Geschäft zunehmend nicht mehr rentiert: «Die Rechnungen waren immer höher als die laufenden Kosten, weshalb wir im September die harte Entscheidung trafen, den Flugbetrieb vorerst stillzulegen und 90 Prozent unserer Belegschaft zu kündigen. Ich wusste damals, wenn ich so weitermache, dann steht uns ein Bankrott bevor.»

Die Chance, wieder zurückzukommen, bewertete der Firmengründer damals mit 50:50. Medien berichteten bereits vom nächsten Airline-Bankrott der Slowakei. Doch es kam anders. Der Neustart des Unternehmens gelang. Auf die kommende Saison angesprochen, gibt sich Ferjancek optimistisch: «Das kommende Jahr wird vermutlich genauso gut wie 2019, es gibt bereits jetzt viele Anfragen.»

Auch ehemalige Crewmitglieder von Ukraine International Airlines

Spätestens nach der Tourismusmesse ITB Anfang März 2023 werden die neuen Charter- und Wet-Lease Verträge bekannt gegeben. Bis dahin bieten die Airlines ihre Kapazitäten frei am Markt an, wobei langfristige Prognosen nur schwer zu machen sind: «Was kann man in der Luftfahrt schon langfristig planen, innerhalb von zwei Stunden kann sich bei unserem Business alles ändern», sagt der Manager. «Wir wollen im kommenden Jahr drei Einheiten einsetzen.» Bei allen handelt es sich um Boeing 737-800. Dabei sollen nur zwei Flugzeuge langfristig vermietet werden und eines fürs profitable Ad-hoc-Geschäft zur Verfügung stehen.

 


Bild: Boeing 737-800 von Go 2 Sky. Bild: Martin Dichler

Während viele Airlines nach qualifiziertem Personal suchen, sieht man sich bei Go2Sky derzeit gut aufgestellt: «Wir sind eine kleine Firma und haben zum Glück kein Problem mit unseren Crews oder Piloten», sagt der Chef. «Aufgrund des Ukraine-Krieges und der zahlreichen Flüchtlinge in der Slowakei arbeiten inzwischen auch schon einige frühere Crewmitglieder von Ukraine International Airlines bei uns. Diese Leute sind sehr professionell und wir sind wirklich glücklich, sie im Team zu haben.»

«Und dann zerstört ein blöder Birdstrike dein Triebwerk»

Auf die größten Risiken eines Flugunternehmers angesprochen, beklagt Ferjancek: «Das Problem im Luftfahrtgeschäft sind einfach die vielen unkalkulierbaren Risiken, die dein Geschäft zerstören können. Du kannst ein Flugunternehmen profitabel betreiben, hohe Qualitätsstandards setzen, zufriedene Kunden haben und dann zerstört ein blöder Birdstrike dein Triebwerk und all deine Erfolge sind dahin.» Ein Vogelschlag könne ein Vermögen kosten und einen Erfolg innerhalb von Minuten zunichtemachen.

Auf den größten persönlichen Erfolg von Go 2 Sky angesprochen meint Fernjacek: «Das war wohl, dass wir das Iosa-Audit (Iata Operational Safety Audit) geschafft haben. Die Standards sind hier, egal ob bei einer Air France, British Airways oder so kleinen Fluglinien wie unserer überall gleich.» Diese Qualitätsprüfung durch die Iata erreicht zu haben, sei ihm ein besonderes Anliegen, weil die auch Kunden dies in ihrem Entscheidungsprozess mit einbeziehen würden. «Nach sehr viel Arbeit haben wir im Jahr 2015 als erste slowakische Fluglinie diese Auszeichnung erhalten, was mich richtig stolz macht.»

Pandemie beendete Weg zur Lufthansa-Partnerschaft

Der Go-2-Sky-Gründer ergänzt: «Ein weiterer Erfolg war sicherlich, dass wir mit Lufthansa begonnen haben, ein Audit zu machen.» Diese Prüfung, um Charter-Partner zu werden, sei besonders aufwendig gewesen. «Sie müssen sich vorstellen, Go 2 Sky war am Weg Partner von Lufthansa zu werden, doch dann kam die Pandemie und das Projekt wurde leider wieder eingestellt», erzählt Fernjacek. Abschließend sagt er: «Das Wichtigste dürfte jedoch sein, dass wir bis auf das erste und dritte Betriebsjahr immer profitabel geflogen sind, was in dem Geschäft ja auch nicht unbedingt selbstverständlich ist.»