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Plagegeister

Was Sie über Bettwanzen im Flugzeug wissen müssen

Fluggesellschaften haben gelegentlich mit Bettwanzen an Bord zu kämpfen. Passagiere können dazu beitragen, sich und ihre Mitreisenden zu schützen.

Bettwanze: Schon vor dem Flug aus dem Koffer schütteln.

Air India hatte kürzlich unliebsame Gäste in der Business Class. Bettwanzen piesackten vergangene Woche Passagiere und brachten die indische Fluggesellschaft schließlich dazu, zwei Boeing 777 für einen Tag aus dem Verkehr zu ziehen. Auch andere Airlines hatten schon Probleme mit den kleinen Blutsaugern. So musste etwa Swiss im Jahr 2014 einen Airbus A330 temporär grounden, um die lästigen Insekten wieder loszuwerden.

In den Flieger gelangen Bettwanzen meist übers Handgepäck. Zwar ist es auch möglich, dass ein Fluggast die kleinen Tierchen direkt über seine Kleidung einschleppt. Das sei jedoch eher selten der Fall, sagt Parasitologe Heinz Mehlhorn von der Universität Düsseldorf. «Am Körper bleiben sie im Allgemeinen nicht, da sie sehr scheu sind.»

Stiche vor allem auf der Langstrecke

Nisten sich Bettwanzen im Flieger ein, sind sie aber weniger in Gepäckfächern zu finden, sondern viel mehr in Bodenritzen und Sitzen. Dort sind die ständig wechselnden Passagiere die perfekte Nahrungsquelle für sie. Vor allem auf Langstreckenflügen kommen die scheuen Insekten hervor, versorgen sich mit dem Blut von ruhenden Reisenden und ziehen sich wieder in ihr Versteck zurück. Dagegen herrsche bei einem Flug von Düsseldorf nach Berlin zu viel Trubel, so Mehlhorn. «Bei kurzen Flügen sind Bettwanzen weniger aktiv, und wenn doch, krabbeln sie eher in die Taschen der Touristen, anstatt direkt Blut zu saugen.»

Wer von einer Bettwanze im Flugzeug gestochen wird, merkt das womöglich erst nach dem Flug. Denn der Stich selber ist schmerzfrei und macht sich erst Stunden später bemerkbar, manchmal sogar erst am nächsten Tag. Das macht es auch für die Airlines schwieriger, das Problem frühzeitig zu erkennen. Zwar setzen Fluggesellschaften auf manchen Routen vorsorglich Insektizide ein. «Aber Bettwanzen verstecken sich im Polster oder unter dem Sitz, wo das Spray nicht immer hinkommt», sagt Mehlhorn. «Außerdem können die Airlines ja nicht beliebig Chemie versprühen, wo kurz danach 320 Leute einsteigen.»

Keine Frage der persönlichen Hygiene

Auch wen Bettwanzen scheue Tiere sind, hält der emeritierte Professor aus Düsseldorf die Theorie für Unsinn, dass die Tiere deshalb die ruhigere Business Class der belebteren Economy Class vorziehen. «In der Economy haben sie einen voll gedeckten Tisch, warum sollten sie dann noch 20 Meter weiterlaufen?», so Mehlhorn. «Das ist reiner Zufall.»

Zufall ist auch, wen Bettwanzen stechen. Mit Hygiene hat das ebenso wenig zu tun wie bei Mücken oder Zecken. «Ob das ein Pennbruder ist oder ein Professor, ist der Wanze egal», erklärt der Experte. Auch würden die Tiere nicht ein Land einem anderen vorziehen. Wenn jedoch ein Hotel oder eine Privatperson in ihrer Wohnung Bettwanzen habe und nichts dagegen tue, sei das ein Hygieneaspekt mit Einfluss. «Und in Indien gibt es wahrscheinlich häufiger 0,5-Sterne-Hotels als in der Innenstadt von Düsseldorf oder Frankfurt.»

Heißluftofen, um Wanzen und Larven zu töten

Wie eine Airline vorgeht, die ein Wanzenproblem in einem ihrer Flieger hat, zeigte Swiss damals. Erst gingen Kammerjäger und Spürhunde an Bord. Dann wurde die Kabine mit einem speziellen Heißluftofen auf 60 Grad erwärmt, um die Wanzen und ihre Larven zu töten. Air India setzte nun ebenfalls einen Kammerjäger ein und tauschte Sitzbezüge aus.

Für gestochene Passagiere gilt: Die Stiche sind zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Bettwanzen übertragen keine Krankheit. Wer die Insekten allerdings in die eigenen vier Wände einschleppt, wird sie meist nur mit viel Aufwand wieder los.

Tipps für Hotel und Handgepäck

Daher rät Mehlhorn, schon im Hotel sorgsam vorzugehen. «Vor der Abreise sollte man den Koffer leeren, ausschütteln und vielleicht sogar auswischen, denn die Eier der Bettwanzen sieht man meist gar nicht.» Auch die Wäsche solle man ausschütteln, bevor man sie wieder in den gereinigten Koffer lege.

Auch an Bord kann man etwas tun. «Im Flugzeug sollte das Handgepäck nicht offen sein», so Mehldorn. Und wer sein Handgepäck im Flieger nicht geschlossen halte, «sollte es dann zuhause in der Badewanne auskippen und absuchen», rät der Experte weiter.

Spezieller Service in Frankfurt

Der Flughafen Frankfurt bietet seit April auch einen Service an, bei dem Reisende ihr Gepäck von speziell geschulten Hunden auf Bettwanzen abschnüffeln lassen können. Wer dies nutzen will, zahlt für drei Koffer 106 Euro und muss sich drei Tage vorher anmelden.



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