EInmal landete eine Boeing 737-800 am Flughafen St. Helena - der Testflug offenbarte Probleme.

ScherwindeWird der Flughafen St. Helena zur Planungsruine?

Eigentlich hätte der Flughafen der britischen Insel im Südatlantik längst eröffnet werden sollen. Doch Scherwinde machen Landungen in St. Helena gefährlich. Das durchkreuzt viele Pläne.

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Eigentlich sollten auf der Piste längst regelmäßig Flugzeuge starten und landen. Doch rund um den Flughafen St. Helena ist es weiterhin völlig ruhig. Nur das Kreischen der Möwen ist zu hören. Im letzten Moment traten unerwartete Schwierigkeiten auf und die für den 21. Mai geplante Eröffnung mit einem Mitglied der britischen Königsfamilie wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit bleibt die jahrhundertelange Isolation der abgelegenen Insel im Südatlantik vorerst bestehen. Die britische Presse spricht bereits von einer Planungsruine.

Die Probleme traten bei der ersten Test-Landung mit einer Boeing 737-800 von Comair auf. Dabei hat sich gezeigt, dass so genannte Scherwinde Landungen in St. Helena zu einem Wagnis machen (siehe auch oben stehendes Video). Sie entstehen bei starken Fallböen. An deren Ende bewegen sich Winde in unterschiedliche Richtungen auf die Seite weg. Das führt für einen Piloten im Landeanflug auf einen Flughafen dazu, dass sich Windrichtung und -geschwindigkeit in Bodennähe plötzlich ändern können. Das kann den Auftrieb eines Fliegers unvermittelt reduzieren.

Heftigste Winde

Der Milliardär und Ex-Politiker Michael Ashcroft hat in einem Blog-Beitrag die Zustände in St. Helena heftig kritisiert. Er berichtet von zwei Piloten, die Testflüge auf die Insel durchgeführt haben. Der eine musste die Landung zwei Mal wegen Scherwinden abbrechen. «Ich habe noch nie so heftige Scherwinde erlebt, nicht einmal im Simulator», sagte der eine gemäß Ashcroft. Ein anderer Pilot erklärte, dass die Bedingungen an gewissen Tagen perfekt, an anderen prekär seien. Auch der Pilot seines eigenen Privatflugzeuges habe vor Landungen auf St. Helena gewarnt.

Ein Sprecher der Regierung von St. Helena erklärt, man unternehme alles, um die Flüge so bald als möglich aufnehmen zu können. «Die Arbeiten kommen gut voran und wir machen Fortschritte», sagt er. Unter anderem prüfe man auch den Einsatz kleinerer Flugzeuge. Statt einer Boeing 737 könnten etwa 40- bis 50-Plätzer eingesetzt werden. Eine Planungsruine sei der Flughafen nicht. Kürzlich habe ein Rettungsflugzeug erfolgreich einen Patienten in St. Helena abgeholt.

Pläne durchkreuzt

Dennoch stellen sich Fragen. So hat die Regierung von St. Helena schon vor einiger Zeit die südafrikanische Comair als offizielle Airline gewählt. Sie besitzt aber keine kleineren Flugzeuge als die Boeing 737. Zudem könnte die Begrenzung auch die Pläne der neu gegründeten britischen Atlantic Star Airlines zunichte machen, in Zusammenarbeit mit Tui Charterflüge von London auf die Insel durchzuführen. Der für 250 Millionen Pfund (rund 320 Millionen Euro) gebaute Flughafen droht weniger halten zu können als versprochen.

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