Blick aus der Heckrampe der Lockheed C-130 Hercules: Das Flugzeug ist ein Klassiker der Militäraviatik.

Lockheed C-130 HerculesZwei Luftwaffen, eine Staffel: Unterwegs mit der deutsch-französischen Hercules-Einheit

In Évreux fliegen deutsche und französische Soldatinnen und Soldaten nicht nur Seite an Seite, sondern in denselben Crews. Die binationale Lufttransportstaffel Rhein/Rhin gilt als Vorzeigeprojekt der europäischen Verteidigungszusammenarbeit – und setzt auf den Klassiker Lockheed C-130 Hercules.

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Es ist ein europaweit einzigartiges Projekt, die binationale Lufttransportstaffel Rhein/Rhin. Ihre Heimat ist die Base Aérienne 105 Évreux-Fauville. Die Luftwaffenbasis liegt rund 120 Kilometer westlich von Paris und beherbergt neben Verbänden der Armée de l’Air et de l’Espace seither auch Flugzeuge der deutschen Luftwaffe.

Mit rund 2500 stationierten Soldatinnen und Soldaten zählt Évreux zu den beiden wichtigsten Transportflugplätzen der französischen Luftstreitkräfte. Die knapp 3.000 Meter lange Start- und Landebahn wurde bereits 1913 eröffnet. Aufgrund ihrer Lage in der Normandie spielte die Basis sowohl während der Landung der Alliierten als auch für den Zugang zur nahegelegenen Hauptstadt Paris im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle.

Die Lockheed C-130 Hercules - ein Großerfolg

Die Binationale Lufttransportstaffel Rhein/Rhin (Englisch: Binational Air Transport Squadron oder kurz BATS) ergänzt die Fähigkeiten des Airbus A400M und betreibt mehrere Lockheed C-130 Hercules verschiedener Versionen der deutschen und französischen Luftstreitkräfte. Sie gilt als eines der erfolgreichsten militärischen Transportflugzeuge der Geschichte. Seit Produktionsbeginn vor knapp 70 Jahren entstanden in den USA rund 3000 Exemplare.

Lockheed C-130 Hercules - ein Klassiker.

Mit ihren vier Propellern und der charakteristischen Auslegung als Schulterdecker ist die Hercules heute in rund 40 Versionen bei mehr als 70 Staaten im Einsatz. Auch zivil wird sie genutzt – etwa zur Versorgung entlegener Flugplätze in Alaska oder Afrika, als Löschflugzeug, Vollfrachter oder Kombiversion für Passagiere und Fracht. Zudem kommt sie bei Hilfsflügen internationaler Organisationen wie den Vereinten Nationen zum Einsatz.

Die gemeinsame Transportstaffel für Transporte und Taktik

Während europäische Luftstreitkräfte die Lockheed C-130 Hercules hauptsächlich als taktischen Transporter oder Tankflugzeug nutzen, dienen andere Versionen als fliegende Kommandozentralen, Aufklärungsplattformen, fliegende Lazarette oder Wetterforschungsflugzeuge. Im Laufe ihrer langen Karriere wurde sie kontinuierlich weiterentwickelt. Zusätzliche Tragflächentanks erhöhten die Reichweite, der Frachtraum wurde verstärkt und der Rumpf verlängert. Moderne Varianten verfügen unter anderem über ein ferngesteuertes Beladesystem mit Rollerbetten, leistungsfähigere Propeller sowie ein vollständig modernisiertes Cockpit.

Die binationale Lufttransportstaffel Rhein/Rhin wurde am 1. September 2021 offiziell aufgestellt. Rund 360 deutsche und französische Soldatinnen und Soldaten gehören der gemeinsamen Einheit an. Zu ihren Aufgaben zählen logistische und taktische Lufttransporte, die Unterstützung von Spezialkräften sowie nationale Einsätze zum Transport von Personal und Material. Hinzu kommen die gemeinsame Ausbildung der Crews sowie die Wartung der C-130. Die Besatzungen sind meist multinational zusammengesetzt, weshalb Englisch als Arbeitssprache verwendet wird.

Mit dabei an den Feiern am 14. Juli über Paris

Während die französischen Luftstreitkräfte bereits seit vielen Jahren C-130 einsetzen, begann mit der Stationierung in Évreux für die deutsche Luftwaffe eine neue Ära. Vor allem für Flugplätze, auf denen der Airbus A400 M aufgrund seiner Größe oder Infrastruktur nicht eingesetzt werden kann, erwies sich die Hercules als optimale Ergänzung.

Blick aus dem Flieger.

Jedes Jahr präsentieren die französischen Luftstreitkräfte am Nationalfeiertag ihre Fähigkeiten mit einer großen Flugparade über Paris. Neben Kampfjets gehören dazu Transportflugzeuge wie Airbus A400M, Casa C-295 und Lockheed C-130 Hercules. Auch die binationale Lufttransportstaffel Rhein/Rhin BATS nimmt regelmäßig am Überflug am 14. Juli über der französischen Hauptstadt teil.

Nicht weit weg von Paris und doch sehr ländlich

Etwa drei Wochen zuvor beginnen unter Leitung der Armée de l’Air die Trainingsflüge. Obwohl Évreux nur gut 100 Kilometer vom Großraum Paris entfernt liegt, prägen dort vor allem endlose Felder, kleine Dörfer und kaum Industrie das Landschaftsbild. Während meines Besuchs hatten die sommerlichen Temperaturen die Felder bereits weitgehend austrocknen lassen.

Fliegen im Verbund.

Nach einer kurzen Nacht klingelte der Wecker bereits um 6 Uhr. Pünktlich um 7.30 Uhr erreichte ich das Haupttor der Luftwaffenbasis. Dort wartete Denise auf mich – Major der Reserve und Presseoffizierin der Luftwaffe. Sie hatte meinen Besuch organisiert und sollte mich während des gesamten Tages begleiten. Die gebürtige Bayerin spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch – eine wichtige Voraussetzung für den Alltag mit multinationalen Crews.

Mit geöffneter Heckrampe zur Startbahn

Nach einer kurzen Einführung ging es durch einen der riesigen Hercules-Hangars auf das Vorfeld, wo bereits vier Fliegern für das Training bereitstanden. Kurz darauf bestiegen Denise, ihre französische Kollegin, drei weitere Journalisten und ich die Lockheed C-130 Hercules mit der Kennung 55+03. Unsere Plätze befanden sich auf den Klappbänken entlang des Frachtraums.

Mit dem markanten, tiefen Brummen der vier Rolls-Royce-AE2100D3-Triebwerke und ihrer Sechsblattpropeller rollten wir – bei geöffneter Heckrampe – zur Startbahn. Etwa 15 Minuten nach dem Start begann das eigentliche Training. Zwischen Tours und Orléans schlossen wir uns weiteren Transportflugzeugen der Armée de l’Air an, darunter C-130 Hercules, Airbus A400M, Casa C-295, ein Kampfflugzeug sowie ein Airbus A330.

Im Duett mit Casa C-295 oder Airbus A330

Innerhalb eines festgelegten Luftraums wurden verschiedene Formationen und Manöver auf niedriger Flughöhe geübt – als Generalprobe für den Überflug am Nationalfeiertag. Zwischendurch wurde die Heckrampe mehrfach geöffnet und bot beeindruckende Ausblicke auf die französische Landschaft. Die erhoffte Abkühlung blieb allerdings aus, denn in rund 1300 Fuß Höhe herrschten ebenfalls sommerliche Temperaturen.

Der Laderaum bietet viel Platz.

Auch aus dem Cockpit und den Seitenfenstern boten sich immer wieder eindrucksvolle Blicke auf die übrigen Flugzeuge der Formation. An Bord gab es außer Wasser keine Verpflegung – was angesichts der teils dynamischen Flugmanöver vermutlich die bessere Entscheidung war. Nach gut zwei Stunden endete das Formationstraining und wir kehrten nach Évreux zurück. Insgesamt dauerte der Flug knapp zwei Stunden und 45 Minuten.

Sechs Lockheed C-130 für Deutschland

Für die gemeinsame Staffel beschaffte die Bundeswehr insgesamt sechs C-130J Hercules. Dazu gehören drei Tankflugzeuge vom Typ KC-130J sowie drei C-130J-30 mit einem um knapp fünf Meter verlängerten Rumpf. Die lange Version der Hercules kann bis zu 130 Soldaten oder 90 Fallschirmjäger transportieren. Alternativ finden acht Frachtpaletten Platz. In der verlängerten Version fasst der Frachtraum über 20 Tonnen Nutzlast beziehungsweise bis zu 170 Kubikmeter Ladevolumen.

Blick aus dem Cockpit.

Die modernste Variante kann je nach Mission mit nur noch zwei Piloten und einem Lademeister betrieben werden. Sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 675 km/h und Reichweiten von über 4000 Kilometern. Dank Luftbetankungssystem lassen sich diese nochmals deutlich erhöhen.

Gemacht für schwierige Bedingungen

Wie nahezu alle militärischen Transportflugzeuge ist die Hercules als Schulterdecker ausgelegt. Dadurch eignet sie sich besonders für Einsätze auf unbefestigten Pisten, Wüstensand oder Eis sowie unter schwierigen Wetterbedingungen. Die große Heckrampe ermöglicht, unabhängig von Bodengeräten, das schnelle Be- und Entladen sowie den Abwurf von Hilfsgütern oder Fracht während des Fluges – etwa bei humanitären Einsätzen in Krisengebieten ohne geeignete Landeflächen.

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