Boeing-Saab T-7A Red Hawk Advanced Jet Trainer - transatlantische Wertarbeit für besseres Ernstfall-Training

Boeing-Saab T-7A Red HawkTransatlantischer Trainingsjet mit Ambitionen und Hürden

Die T-7A Red Hawk soll die Pilotenausbildung der US Air Force revolutionieren und Kampfpiloten auf Flugzeuge der fünften Generation vorbereiten. Technisch gilt das Gemeinschaftsprojekt von Boeing und Saab als Meilenstein – wirtschaftlich entwickelte es sich für Boeing jedoch zu einem milliardenschweren Problem.

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Es muss nicht immer entweder oder sein. Bereits 2013 taten sich Boeing und Saab zusammen, um den fortgeschrittenen Überschalltrainer Boeing-Saab T-7A Red Hawk zu entwickeln. Dann gewann das Team 2018 den vom US-Militär ausgelobten T-X-Wettbewerb. Der Lohn für die modellbasierte 3D-Entwicklung: ein Auftrag im Wert von 9,2 Milliarden Dollar zur Lieferung von 351 fortgeschrittenen Flugzeugen, 46 Flugsimulatoren sowie logistischer Unterstützung.

T-X war der ursprüngliche Name des Beschaffungsprogramms der US Air Force. Er war auf ein Übungsflugzeug ausgelegt, um die alte Northrop T-38 Talon zu ersetzen und die Flugleistungen sowie Einsatzprofile moderner Kampf- und Bomberflugzeuge realitätsnah zu simulieren. Sie dient der Ausbildung von Pilotinnen und Piloten für Flugzeuge der 4. und 5. Generation, also von Tarnkappenjägern wie der Lockheed Martin F-22 Raptor, der Lockheed Martin F-35 Lightning II oder dem strategischen Stealth-Bomber Northrop Grumman B-21 Raider. Aber auch den Einsatz mit modernen Versionen der McDonnell Douglas F-15 Eagle und der General Dynamics F-16 Fighting Falcon kann man mit dem Trainingsflieger üben.

Nordallianz für optimales Stealth-Training

Der Jungfernflug des Boeing-Saab T-7A Red Hawk Advanced Jet Trainers erfolgte 2016 mit einem Prototyp. «Heute gipfeln Jahre gemeinsamer Entwicklungsarbeit und Partnerschaft von Boeing und Saab in diesem Meilenstein», sagte Saab-Chef Micael Johansson bei der Präsentation der ersten T-7A Red-Hawk im April 2022 in St. Louis. Saab entwickelte als Risk-Sharing-Partner unter anderem die komplette Hydraulik, die Kraftstoffsysteme sowie die Notstromversorgung. Die ersten seriennahen Flugzeuge wurden Ende 2024 zur Joint Base San Antonio–Randolph überführt und Anfang Januar 2025 offiziell übernommen. Der Zweisitzer (für Instrukteur:in und Pilot:in) verfügt über großflächige Cockpit-Displays und erreicht ein maximales Startgewicht von 5,7 Tonnen.

Vom Roten Habicht wird es unterschiedliche Konfigurationen geben, etwa für verschiedene Abnehmer aus dem Ausland. Zwar hat die US-Navy Interesse bekundet, doch ist bislang keine solche Version geplant. Seit Schweden am 7. März 2024 der Nato beigetreten ist, erhält die Boeing-Saab T-7A Red Hawk zudem eine bündnispolitische Dimension. Der Nato-Beitritt Schwedens unterstreicht die strategische Bedeutung der bereits engen Zusammenarbeit zwischen Boeing und Saab. Der schwedische Konzern entwickelte ebenso das hintere Rumpfsegment. Das Unternehmen produziert diese Komponenten in West Lafayette und liefert sie an Boeing zur Endmontage nach St. Louis.

Ambitionierte Pläne für die Boeing-Saab T-7A Red Hawk

Boeing geht von einem potenziellen Weltmarkt von rund 2700 Exemplaren aus. Dies ist ein mutiges Ziel, wenn man bedenkt, dass der Übungsjet mit Flugzeugen derselben Leistungsklasse konkurriert. Dazu zählen die italienische Leonardo M-346 Master, die BAE Systems Hawk und die KAI T-50 Golden Eagle aus Südkorea. Ausgestattet mit einem General-Electric-Triebwerk erreicht die Boeing-Saab T-7A Red Hawk Mach 1,04 (je nach Höhe) und ist somit überschallfähig. Großbritannien, Serbien und Australien haben Interesse bekundet an dem vier Meter hohen und 14,3 Meter langen Flieger, dessen Spannweite rund 9,27 Meter beträgt.

Das Design und die Konstruktion sind speziell auf hohe Machgeschwindigkeiten und Nachtmissionen sowie auf hohe Anstellwinkel ausgelegt. In Ermangelung robuster Verteidigungsbudgets nutzen viele Schwellenländer Trainingsjets auch in echten Kampfeinsätzen, etwa zur Luftnahunterstützung (Close Air Support) und zur Überwachung poröser Grenzen, etwa im afrikanischen Busch oder den Dschungelweiten Lateinamerikas.

Kostenüberschreitungen bei Boeing

Der Name Red Hawk rührt von den roten Leitwerken und ehrt die Tuskegee Airmen, die ersten afroamerikanischen Kampfpiloten im Zweiten Weltkrieg. Er ist auch eine Hommage an General Charles McGee, dessen Rufzeichen Hawk lautete.

Das Projekt wirkt politisch korrekt und harmonisch, wenn da nicht die Kostenfrage wäre. Das T-7A-Programm basiert auf einem Festpreisvertrag aus dem Jahr 2018. Da Entwicklung und Erprobung deutlich aufwändiger wurden als erwartet, musste Boeing inzwischen 3,5 Milliarden Dollar an Verlusten verbuchen. Mehrere Mängel hatten die Einführung verzögert. Dazu zählten Probleme mit dem Schleudersitz, der Flugsteuerung, der Avionik, der Software sowie dem Bodensimulator. Die Flugerprobung unterlag zeitweise Wettereinschränkungen, da Wasser über Wartungsöffnungen eindringen konnte.

Streit mit der U.S. Air Force

Als Hauptauftragnehmer lag die Verantwortung indes stets bei Boeing, nicht bei Saab. Zwischen Boeing als Prime Contractor und der US Air Force gibt es zudem Streit über technische Dokumentationen und Datenrechte. Die T-7A gilt weiterhin als zukunftsfähiger Trainer, doch Verzögerungen, Kostensteigerungen und Vertragsstreitigkeiten haben das Projekt für Boeing zu einem finanziellen Kraftakt gemacht.

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