Der Einsatzbefehl CAS steht für Close Air Support, also die direkte Unterstützung von Bodentruppen – eine typische Aufgabe der U.S. Air Force. Und in diesem Punkt ist die Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II, seit 1977 im Einsatz, weiterhin Weltklasse. Benannt wurde die Maschine nach der P-47 Thunderbolt, die es im Zweiten Weltkrieg im Pazifik und in Europa mit japanischen Mitsubishi Zeros beziehungsweise deutschen Messerschmitt-Jägern aufnahm. Die Bezeichnung «II» ehrt den Weltkriegsveteranen – eine A-10-Version «I» gab es nie.
Der wenig ansehnliche Einsitzer, den Hollywood nur selten in Szene setzt (abgesehen von Actionfilmen wie «Transformers» (2007) oder «Act of Valor» (2012)), ist in der Lage, stundenlang über feindlichem Gebiet zu kreisen. Dank seiner 30-Millimeter-Bordkanone GAU-8/A Avenger kann er gegnerische Kräfte am Boden und auf dem Wasser wirksam bekämpfen. Nicht ohne Grund scherzen Air-Force-Piloten, die Maschine sei eigentlich ein fliegendes Maschinengewehr.
Totgesagte leben länger
Zudem kann die A-10 präzise Schläge in unmittelbarer Nähe eigener Truppen ausführen. Ursprünglich wurde der zweistrahlige Kampfjet im Kalten Krieg konzipiert, um anrückende sowjetische Panzer zu bekämpfen. Das 16 Meter lange Flugzeug mit einer Spannweite von 17,53 Metern überstand den Zerfall der UdSSR und feierte im Kuwaitkrieg 1991 ein Comeback – obwohl mehrere Maschinen von irakischer Seite abgeschossen wurden. Auch im Irakkrieg 2003 zeigte sich die Robustheit des Typs: Eine A-10 wurde über Bagdad getroffen, doch Pilotin Kim Campbell konnte das schwer beschädigte Flugzeug sicher zu einer US-Luftwaffenbasis zurückbringen.
Den Hersteller Fairchild Republic gibt es inzwischen nicht mehr. Das Unternehmen wurde 1999 von einem deutschen Allianz-Konzern und einem amerikanischen Investor übernommen und später in M7 Aerospace integriert. Eigentlich hätte für die A-10 bereits im September 2026 Schluss sein sollen. Doch der US-Kongress setzte sich parteiübergreifend wiederholt dafür ein, die Thunderbolt II länger im Dienst zu halten – eine seltene Einigkeit im politisch stark polarisierten Land.
A-10 Thunderbolt II kein Top-Gun-Kandidat
Ein erneuter Konflikt im Nahen Osten verlängerte nun die Einsatzzeit der A-10. Weil sie im israelisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran mehrere iranische Schnellboote und Marineschiffe in der Straße von Hormus versenkte, ohne selbst Verluste zu erleiden, erhielt sie erneut Rückendeckung aus Washington. Statt wie geplant 2026 außer Dienst gestellt zu werden, soll sie nun bis 2030 im Einsatz bleiben.
Moderne Kampfjets wie die in der Operation «Epischer Zorn» eingesetzte Lockheed Martin F-35 Lightning verfügen zwar über Tarnkappentechnik, verbrauchen jedoch deutlich mehr Treibstoff und sind damit stärker auf vernetzte Einsätze angewiesen. Anders als Muster wie F-16, F-35, MiG-31 oder Saab Gripen E ist die A-10 zudem nicht für Luftkämpfe ausgelegt. Ihre zwei AIM-Sidewinder-Luft-Luft-Raketen dienen in erster Linie der Selbstverteidigung.
Metallstrahl von oben
Die Bordkanone der A-10 kann bis zu 65 Schuss pro Sekunde beziehungsweise 3900 Schuss pro Minute abfeuern. Im Luftkampf ist sie allenfalls gegen Drohnen oder Helikopter wie die Mi-24 Hind geeignet. Ihre eigentliche Stärke liegt jedoch im Einsatz gegen gepanzerte Ziele am Boden.
Oft genügt eine ein- bis zweisekündige Salve, um ein Ziel auszuschalten. Angesichts neuer Spannungen in Osteuropa, im Nahen Osten und im Asien-Pazifik-Raum bleiben rund 160 dieser Flugzeuge noch mindestens fünf Jahre Teil der Flotte der U.S. Air Force.
A-10 Thunderbolt bleibt gefragt
Anders als viele andere US-Kampfjets wurde die A-10 nie exportiert und auch nicht an NATO-Partner verliehen. Ihre wechselhafte Geschichte zeigt, dass sich die Erfahrungen aus realen Kampfeinsätzen nicht vollständig durch Simulationen ersetzen lassen. Ähnliches gilt für den Langstreckenbomber B-52, der ebenfalls mehrfach vor der Ausmusterung stand, sich aber in verschiedenen Konflikten erneut bewährte.
Fazit: Die A-10 ist ein spezialisierter Erdkämpfer – robust, zuverlässig und alles andere als elegant. Entsprechend ihr Spitzname, den auch der zivile Chef der US-Luftstreitkräfte, Troy Meink, verwendete, als er die verlängerte Einsatzdauer bekanntgab: «Long live the Warthog – Lang lebe das Warzenschwein.»