Airbus Helicopters Tiger EC665

Airbus EC665Tiger gegen Apache: Warum Europas Kampfhubschrauber ein Außenseiter bleibt

Er wurde einst für den Kalten Krieg entwickelt und bewährte sich später in Einsätzen in Afghanistan, Mali und Libyen. Dennoch konnte sich der Airbus EC665 auf dem Weltmarkt nie gegen den Boeing AH-64 Apache durchsetzen. Ändert sich das nun?

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Der Airbus EC665 Tiger hatte seine Feuertaufe in Libyen 2011. Doch er ist auch aktuell noch gefragt. Frankreich sandte Ende März während des Irankriegs vier Exemplare an den Golf. Sie sollen zusammen mit Dassault Rafale kritische Infrastruktur schützen. Vier Hauptnutzer setzen auf den Hubschrauber mit seinem rechtslaufenden, gelenklosen Vierblatt-Hauptrotor, Frankreich, Deutschland, Spanien und Australien.

Gleich wie der Boeing AH-64E Apache fliegt der Tiger mit 290 km/h langsamer als der potenzielle russische Gegner Mil Mi-24 (335 km/h) und Mil Mi-28 (320 km/h), er kann ihnen also nicht wegfliegen. Dafür ist der Airbus-Helikopter jedoch agiler und wendiger, denn als reiner Kampfhubschrauber ist er nicht dazu da, auch Kampftruppen zu transportieren.

Airbus EC665 Tiger: Tandem-Heli in vielen Versionen

In den Achtzigerjahren als mögliche Waffe in einem konventionellen Krieg gegen die Sowjetunion in Mitteleuropa konzipiert, unternahm der Airbus EC665 Tiger 1991 seinen Erstflug. Es gibt ihn in multiplen Ausführungen. Während die deutsche Bundeswehr mit der UHT-Version ihm auf Aufklärung und «aus der Deckung von Wäldern und Geländen heraus» Panzerabwehr setzt, steuert Frankreich mit seiner HAP/HAD-Version eine Multi-Rolle für Eskortflüge und Bodenangriffe «aus der Tiefe des Raumes». Spanien hat mit dem Tiger HAD-E eine Standard-Export-Version übernommen.

Dem Piloten, der im Airbus EC665 vorne sitzt, obliegen die Flugführung des Hubschraubers, der effektive Gebrauch der Bewaffnung und der Flugverkehrs-Sprechfunk. Der Waffensystemoffizier hat vor allem die Anzeigen im Cockpit im Auge und ist als Sensor-, Waffen- und Taktik-Manager an Bord Garant dafür, dass die Pilotin sich primär aufs Fliegen fokussieren kann. Anders als wenn die beiden Luftoffiziere nebeneinandersitzen wie beim Sea Tiger von NH Industries bedeutet die Tandem-Version eine kleinere Stirnfläche und damit ein schmaleres Zielprofil sowie eine bessere Aerodynamik.

Der Tiger sieht auch in der Nacht

Das Tiger-Cockpit ist gut gepanzert und geschützt, so dass der EU-Hubschrauber in der Lage ist, in ABC-Kampfgebieten, also atomar, biologisch oder chemisch kontaminierten Gebieten, zu operieren. Beide Kameraden tragen das Helmet Mounted Sight Display (HMSD) auf dem Kopf, das Flug- und Zielinformationen im Visier anzeigt.

Herzstück des Airbus EC665, der im deutschen Donauwörth und im französischen Marignane produziert wird, sind die optischen und infraroten Kameras, mit denen er bei Tag und bei Nacht Ziele auf eine Distanz von bis zu 15 Kilometern identifizieren und verfolgen kann. Bewaffnet ist der Tiger je nach Version mit einer 30-mm-Bordkanone, die entweder fest integriert oder flexibel einsetzbar ist. Hinzu kommen Lenkraketen zur Panzerabwehr und ungelenkte Raketen für Flächenziele am Boden. Moderne Datenverbindungen ermöglichen es dem Hubschrauber außerdem, Informationen in Echtzeit mit anderen Einheiten auszutauschen und im Verbund mit Flugzeugen oder Drohnen zu funktionieren.

Kleiner und kompakter, aber ...

Der Airbus EC665 also weniger ein fliegender Panzer. Vielmehr gilt er eher als hochmobile Aufklärungs- und Präzisionsplattform. Mit 14 Metern Länge und fast vier Metern Höhe hat er die Ausmaße eines kleinen Privatjets. Der Rotordurchmesser von 13 Metern ist etwas kleiner als beim Boeing AH-64 Apache (14,6 Meter) und deutlich kleiner als der Mil MI-24 (17,3 Meter), weil Letzterer bis zu 8 Soldaten an Bord nehmen kann und so mit viel mehr Gewicht fliegt.

Trotz mehrfacher Demoflüge auf Flugschauen rund um den Globus konnte sich der Tiger allerdings nicht als Exportschlager durchsetzen. Den Apache von Boeing dagegen nutzen 19 andere Staaten, wie Südkorea, die Niederlande und Polen, und mehr als ein Dutzend Nahostfrontstaaten wie Israel, die VAE, Saudi-Arabien, Katar und Kuwait. Der Tiger ist mit 35 bis 50 Millionen Dollar (je nach Version) günstiger als seine amerikanische Nemesis, doch ist der Apache (35–80 Millionen Dollar) kampferprobter (zwei Golfkriege im Irak, Kosovo-Konflikt, Antiterror-Einsätze am Horn von Afrika, und so weiter), und Ersatzteile sind für ihn schneller verfügbar, weil 1300 Exemplare weltweit im aktiven Einsatz sind. Von dem kontinentaleuropäischen Produkt wurden dagegen bislang 180 Exemplare gebaut.

Kleiner und kompakter

Die französische Tiger-HAD-Version wurde ausdrücklich für heiße und trockene Operationsgebiete optimiert und gilt als deutlich wüstentauglicher als die ursprüngliche deutsche UHT-Version. Der französische Schachzug, Tiger-Hubschrauber im Frühjahr in die Golfregion zu schicken, hat den Airbus EC665 zumindest erneut in die Schlagzeilen im Exportmarkt Nahost gerückt, nachdem Saudi-Arabien 2006 einen Auftrag von 12 Bestellungen abblies und er 2009 sein Debüt auf der Dubai Airshow hatte.

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