Letzte Aktualisierung: 22:21 Uhr

Zukunft der Avro RJ100

Swiss-Jumbolinos löschen künftig Brände

Brussels Airlines, Swiss und City Jet - viele Fluglinien ersetzen ihre Avro RJ100 Jumbolinos. Was wird aus all den ungebrauchten Flugzeugen?

aeroTELEGRAPH

Jumbolino der Swiss: Die Flieger werden nach und nach ersetzt.

Irgendwie sehen sie knuffig aus. Ein für die Länge überdicker Rumpf, die Tragflächen oben angebracht und gleich vier kleine Treibwerke. Die Avro RJ100 sind ein Flugzeug aus der Vergangenheit. Lange leisteten sie Fluggesellschaften auf der ganzen Welt treue Dienste als Arbeitstiere auf Kurzstrecken. Doch nun ist ihre Zeit um. Die Jumbolinos werden nach und nach ausgeflottet, weil sie beim Kerosinverbrauch nicht sehr gut abschneiden und teuer zu warten sind.

Brussels Airlines beispielsweise beschloss kürzlich, ihre 12 Avro RJ100 bis 2017 an die Leasinggesellschaft zurückzugeben, von der sie gemietet wurden. Stattdessen setzt die belgische Fluglinie künftig Airbus A319 und A320 ein. Die Regionalfluglinie City Jet will ihre Avros ebenfalls nicht mehr lange benutzen. Den Zeitpunkt des Ersatzes hat sie aber hinausgeschoben, weil der tiefe Ölpreis die Nachteile der Avros derzeit etwas wett macht.

Die ersten Swiss-Jumbolinis wurden in ihre Teile zerlegt

Auch die Swiss kehrt den Jumbolinos den Rücken. Zwei Stück hat sie bereits außer Betrieb gesetzt. Sie wurden an eine Wartungsfirma verkauft, welche die Maschinen nun zerlegt und als Ersatzteillager braucht. Die weiteren 18 Avro RJ100 werden ab 2016 nach und nach durch Bombardier C-Series CS100 ersetzt. Sechs der Avros gehen an eine Leasinggesellschaft, die restlichen gehören der Swiss selbst und werden verkauft.

Doch was passiert mit all den Flugzeugen, die in den kommenden Jahren den Markt fluten? «Man muss die wirtschaftlichen Charakteristika der Avro verstehen», sagt Chris Sedgwick vom Leasingunternehmen Falko Regional Aircraft zu aeroTELEGRAPH. Es ist auf die kleinen Vierstrahler spezialisiert. Man habe im Hinblick auf die Ausflottung bei den großen europäischen Fluglinien  in den letzten drei Jahren stark daran gearbeitet, neue Nischen für das Modell zu finden. Mit Erfolg.

Markt für Feuerlöschflieger wird Avros absorbieren

Eine dieser Nischen ist die Brandlöschung. «Die Avro hat ihre Fähigkeit als Brandlösch-Tankflugzeug bewiesen», sagt Sedgwick. Dieser Markt werde in den kommenden Jahren sehr viele Flugzeuge absorbieren, da die Flotte von Feuerlöschfliegern erneuert werde. Die Chance ist also groß, dass die Ex-Swiss-, Ex-Brussels- und Ex-City-Jet-Flieger bald einmal Brände bekämpfen werden.

Doch auch anderswo sehen die Experten von Falko Einsatzmöglichkeiten. Die Avros eignen sich sehr gut für den Einsatz auf Flughäfen in großen Höhen und können zudem auch auf weniger perfekten Pisten landen. Das mache die Jets interessant für Shuttleflüge an entlegene Gebiete, etwa Ölarbeiter und für Airlines in gebirgigen und kleineren Ländern. Sedgwick ist deshalb voller Zuversicht: «Wir sehen noch ein langes und einträgliches Leben vor den Avros liegen».

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