Letzte Aktualisierung: um 20:57 Uhr
Partner von  

Projekt «Watchdog»

So will Airbus Notrutschen besser sichern

Am Boden versehentlich ausgelöste Notrutschen sind für Fluggesellschaften ein Ärgernis, das teuer werden kann. Airbus will nun mit einem neuen System Abhilfe schaffen.

Airbus

Airbus‘ «Watchdog»: Soll Fluggesellschaften vor teuren Fehlauslösungen bewahren.

Er wollte einfach nicht mehr warten: Nachdem ein chinesischer Reisender 2014 mit einem Flugzeug von China Eastern gelandet war, öffnete er einen Notausgang, weil er mithelfen wollte, «schneller aussteigen zu können», wie er gegenüber lokalen Medien sagte. Das Problem: Der Mann löste die Notrutsche aus – und musste für die Kosten aufkommen.

Doch nicht nur Passagiere lösen Notrutschen im falschen Moment aus: In Berlin musste ein Betrunkener, der vor dem Start auf der Toilette einer Air-Berlin-Maschine rauchte, das Flugzeug verlassen. Beim Öffnen der Tür aktivierte ein Crew-Mitglied versehentlich die Notrutsche. Alle Passagiere mussten in eine andere Maschine umsteigen. Die Bild-Zeitung berichtete 2014 über den Fall, und über einen weiteren. Bei dem ging es um die Verpflegung. «Die Maschine befand sich bereits im Flugmodus», sagte ein Lufthansa-Sprecher. «Der Hubwagen des Catering-Services musste noch etwas nachliefern. Ein Crew-Mitglied öffnete dann versehentlich die Tür, dabei löste sich die Notrutsche automatisch aus.»

Projekt kurz vor Abschluss

Gegen all diese Missgeschicke will Airbus nun etwas tun: Der Flugzeughersteller entwickelt eine neue Sensor- und Alarmvorrichtung, Projektname «Watchdog». Dieser «Wachhund» soll Alarm schlagen, sobald sich jemand dem Türgriff nähert, wenn die Türen bereits «scharf gestellt» sind.

«Der Watchdog ist eine Box in der Türverkleidung», erklärte Ingo Gäthje, bei Airbus zuständig für Innovationen in den Bereichen Kabine und Cargo, im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. «Wenn sich eine Hand auf etwa 20 bis 30 Zentimeter nähert, gibt es erst ein Licht- und dann ein piependes Tonsignal.» Der «Watchdog» befindet sich noch in der Entwicklung, diese steht laut Gäthje aber bereits kurz vor Abschluss.

Bis jetzt nur Lichtsignal

Tatsächlich gibt es bereits jetzt ein Lichtsignal, das vor Fehlgriffen schützen soll. Doch das reicht offenbar nicht aus. So ist die Neuerung des «Watchdog» gar keine große, doch sie soll großen Schaden abwenden. Wie der sich beziffern lässt, erklärte Lufthansa Technik auf Anfrage von aeroTELEGRAPH. «Prinzipiell ist der Aufwand natürlich abhängig vom Schaden», hieß es zu den versehentlich ausgelösten Notrutschen.

«Bis zu 25 Stunden Arbeitszeit könnten hier entstehen.» Schlimmstenfalls, wenn die Rutsche beim Auslösen etwa in ein Cateringfahrzeug gerate und große Flächen genäht werden müssten, müsste der Hersteller das reparieren. «Abhängig vom Modell und von der Größe des Schadens können die Kosten in diesem Fall dann auch schon einmal rund 200’000 Dollar erreichen.»

Auch nachträglich einbaubar

Wie oft es überhaupt zu Fehlauslösungen kommt, ist schwer zu sagen. Lufthansa spricht von einer «mittleren zweistelligen Zahl» an Vorfällen pro Jahr. Damit das weniger wird, soll bei Airbus der «Watchdog» nicht nur in neue Maschinen eingebaut werden, sondern bei der Wartung von aktuellen Flugzeugen auch die bisherigen Warnsysteme ersetzen.

Die Idee zum «Watchdog», die von einem Airbus-Ingenieur am Standort Bremen stammt, gefiel auch der Jury der Crystal Cabin Awards: Sie wählte das Konzept zwar nicht unter die Sieger, aber immerhin unter die Finalisten in der Kategorie «Kabinensysteme».



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.