D-ABPQ: Die Boeing 787-9 liegt mit der Nase auf dem Boden.

Zwischenfall bei Lufthansa-DreamlinerWie kann ein Flugzeug plötzlich auf die Nase fallen?

In Frankfurt ist eine Boeing 787-9 von Lufthansa am Gate auf die Nase gekracht. Wie konnte das passieren? Im Fokus stehen ein Sicherungsbolzen und zwei Löcher beim Bugfahrwerk von Dreamlinern.

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Es sind dramatische Bilder aus Frankfurt: Ein Dreamliner von Lufthansa steht am Gate, als plötzlich das Bugfahrwerk nach vorn wegknickt. Passiert ist der Zwischenfall am Donnerstag (4. Juni) gegen 12:45 Uhr. Fotos von vor Ort zeigen erhebliche Schäden an der Boeing 787-9 mit der Kennung D-ABPQ. Der Rumpf sackte dabei mit voller Wucht um bis zu 1,85 Meter nach unten. Dabei wurden diverse Personen verletzt.

Der genaue Hergang des Unfalls wird nun von Lufthansa mit den Behörden untersucht. Der letzte Flug der Boeing 787 vor dem Zwischenfall war LH460 aus Austin. Nach rund 9 Stunden und 15 Minuten landete sie am 4. Juni kurz vor neun Uhr in Frankfurt.

Bugfahrwerke knicken nicht von allein ein

Doch wie kann es zu einem solchen Vorfall kommen? Ein Techniker hält im Gespräch mit aeroTELEGRAPH einen Selbstausfall des Bugfahrwerks des Dreamliners für unwahrscheinlich. «Bugfahrwerke knicken nicht von allein ein», sagt er. Wahrscheinlicher sei, dass bei einem Wartungstest etwas schiefgelaufen sei, etwa ein defekter, vergessener oder falsch gesetzter Sicherungsbolzen.

Doch der Vorfall erinnert an einen Unfall aus dem Jahr 2021: Damals stand die Boeing 787-8 von British Airways mit der Kennung G-ZBJB am Flughafen London-Heathrow, als Techniker parallel zum Beladen des Flugzeugs Wartungsarbeiten durchführten. Im Zuge dieser Arbeiten mussten sie im Cockpit den Hebel betätigen, der das Fahrwerk ein- und ausfährt.

Erinnert an Vorfall bei British Airways

Damit das Fahrwerk bei Wartungsarbeiten nicht versehentlich einfährt, schreiben die Sicherheitsanweisungen vor, Sicherungsbolzen in die Fahrwerksverriegelung zu stecken. Ähnlich wie ein Türstopper sollen sie verhindern, dass das Flieger plötzlich absackt. Doch am Bugfahrwerk der Boeing 787 gibt es zwei nebeneinander liegende Bohrungen.

Die Fotos zeigen den falsch eingesetzten Sicherungsbolzen in der Apex-Bohrung (links) und die korrekte Position des Bolzens zum Vergleich (rechts).

Der Techniker von British Airways steckte den Bolzen in das falsche Loch. Als anschließend der Hebel im Cockpit betätigt wurde, fuhr das Bugfahrwerk ein und die Nase des Dreamliners schlug auf den Boden. Das ist das Ergebnis des Berichts der britischen Untersuchungsbehörde Air Accidents Investigation Branch AAIB von 2022.

Boeing ist das Problem bekannt

Besonders bitter an dem Vorfall bei British Airways ist, dass der Fehler bereits seit 2018 bekannt ist. Damals hatte Boeing nach einem ähnlichen Vorfall ein Service Bulletin herausgegeben, das die Installation einer Abdeckung über der zweiten der sogenannten Apex-Bohrung vorschreibt. Die FAA ging 2020 noch einen Schritt weiter und erließ im Januar eine Lufttüchtigkeitsanweisung (Englisch: Airworthiness Directive), die vorschreibt, die Apex-Bohrung innerhalb von 36 Monaten mit einem Stopfen zu verschließen.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Januar 2025 auch am Flughafen Brüssel, als das Bugfahrwerk der Boeing 737-700 von Tuifly Belgium mit der Kennung OO-JAR am Gate einknickte. Auch dort waren keine Passagiere an Bord, niemand wurde verletzt. Tui erklärte unmittelbar nach dem Vorfall, dass kein technischer Defekt vorliege, was auf einen Fehler bei den Wartungsarbeiten hindeutet. Ob auch dort ein falsch gesetzter Sicherungsbolzen die Ursache war, ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelt

Was genau zu dem Vorfall der D-ABPQ geführt hat, ist derzeit noch unklar. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU hat die Untersuchung bereits gestartet. Einen ersten Vorbericht veröffentlicht sie innerhalb von 30 Tagen. Der Schlussbericht kommt in der Regel erst in ein bis zwei Jahren. Die Reparatur des Dreamliners von British Airways hat damals rund fünf Monate gedauert und mehrere Millionen Euro gekostet.

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