Ilyushin Il-114-300: Nur eingeschränkt zugelassen

Eingeschränkte ZulassungIlyushin Il-114-300 darf starten – aber nicht bei Regen, Hitze oder Kälte

Die russische Luftfahrtbehörde hat der Ilyushin Il-114-300 die Musterzulassung erteilt. Doch der Schritt hat einen Haken: Das neue Regionalflugzeug darf zunächst nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen abheben.

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Eigentlich sollte die Ilyushin Il-114-300 zum neuen Arbeitspferd für Russlands Regionalverkehr werden. Gerade auch in abgelegenen Gebieten und im hohen Norden des riesigen Landes sollte sie zum Einsatz kommen. Anfang Juni hat Rosaviatsiya dem Turbopropflugzeug, das 64 bis 68 Passagieren Platz bietet, die Musterzulassung erteilt.

Ein Blick in die Zulassungsunterlagen zeigt jedoch, dass die Zulassung Schönheitsfehler hat. Sie ist zunächst mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Und die könnten gerade den Betrieb in den eigentlich wichtigen Regionen verunmöglichen. Demnach darf die Ilyushin Il-114-300 derzeit nur bei Außentemperaturen zwischen minus 9 und plus 25 Grad Celsius betrieben werden.

Für klimatisch herausfordernde Gebiete vorgesehen

Flüge bei Gewittern oder Vereisungsbedingungen sind ebenso wenig zugelassen wie Starts und Landungen auf nassen oder verschmutzten Pisten. Das berichten lokale Medien unter Berufung auf das ausgestellte Musterzertifikat. Das ist vor allem deshalb schwierig, weil das Flugzeug ausdrücklich als Nachfolger der alternden Antonov An-24 und An-26 entwickelt wurde. Es soll insbesondere Regionen mit schwierigen klimatischen Bedingungen bedienen.

Bei der Vorstellung des Programms hatte Russland immer wieder betont, die Il-114-300 eigne sich auch für Einsätze in der Arktis und anderen abgelegenen Landesteilen. Im Rahmen der Erprobung absolvierte das Modell rund 350 Testflüge. Der Hersteller verweist denn auch darauf, dass die Zertifizierung noch nicht abgeschlossen sei. Die Flugerprobung werde fortgesetzt, weitere Einsatzbedingungen sollten schrittweise nachzertifiziert werden. Nach Angaben des Programms wurden bereits Tests bei Temperaturen bis minus 42 Grad absolviert.

Ilyushin Il-114-300 seit Mitte der 2010er-Jahre in Entwicklung

Die entsprechenden Ergebnisse würden derzeit für die Luftfahrtbehörde aufbereitet. Experten sehen in einer schrittweisen Zulassung grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Bei völlig neuen Flugzeugmodellen sei es durchaus üblich, zunächst nur einen eingeschränkten Betriebsbereich freizugeben und diesen nach weiteren Nachweisen auszuweiten. Aber im Fall der Il-114-300 sind die Einschränkungen doch sehr einschneidend.

Die modernisierte Version der Ilyushin Il-114 wurde seit Mitte der 2010er-Jahre entwickelt und seit den westlichen Sanktionen vollständig auf russische Komponenten umgestellt. An die Stelle kanadischer Pratt-&-Whitney-Triebwerke und weiterer westlicher Systeme traten russische Triebwerke vom Typ TV7-117ST-01 sowie heimische Avionik. Das Programm verzögerte sich allerdings mehrfach. Ursprünglich sollte die Zulassung bereits 2023 erfolgen, später wurden die Termine zunächst auf 2025 und schließlich auf 2026 verschoben.

Ersatz für Antonov An-24 und An-26 sowie ATR 72 und Dash 8

Wann die ersten Fluggesellschaften die Flugzeuge erhalten, ist ebenfalls nicht ganz klar. Rostec-Chef Sergey Tshemesov sprach zuletzt von einem Produktionsbeginn im Jahr 2027. Das russische Verkehrsministerium rechnet dagegen bereits in diesem Jahr mit den ersten drei ausgelieferten Exemplaren.

Langfristig soll die Ilyushin Il-114-300 ausländische Regionalflugzeuge wie die ATR 72 oder De Havilland Canada Dash 8 auf russischen Strecken ersetzen. Bis sie ihre eigentliche Stärke unter extremen Wetterbedingungen ausspielen kann, dürfte es aufgrund der mangelnden Zulassung allerdings noch dauern.

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