Boeing 737 Max von American Airlines: Die Piloten warnten früh.

Boeing lehnte abPiloten forderten schon früh Update der 737 Max

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max in Indonesien drängten American-Airlines-Piloten Boeing zu schnellem Handeln. Der Flugzeughersteller lehnte ab.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Trainer Aircraft Chief Engineer

Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Flugzeugwerke AG
Schweiz
Vollzeit
Top jobs
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max von Lion Air mit 189 Toten im Oktober 2018 gehörten die großen Pilotengewerkschaften in den USA zu den ersten, die Boeing kritische Fragen stellten. Mitte November wollten sie vom Flugzeugbauer wissen, warum die Piloten nicht über die Existenz des Systems MCAS informiert waren. Es ist eigentlich dazu da, einen Strömungsabriss zu verhindern, kann bei falschen Daten der Anstellwinkelsensoren aber auch dafür sorgen, dass der Flieger die Nase wieder und wieder automatisch nach unten drückt, auch wenn dies unnötig und gefährlich ist.

Hinter verschlossenen Türen forderten die Piloten damals von Boeing auch schnelle Maßnahmen, wie die New York Times berichtet. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Tonaufnahme eines Gespräches, das am 27. November in der Zentrale der Gewerkschaft der Piloten von American Airlines stattfand. Anwesend waren demnach auf Seiten von Boeing Entwicklungschef Mike Sinnett, ein führender Testpilot sowie ein Lobbyist. Ihnen gegenüber saßen mehrere Piloten als Gewerkschaftsvertreter.

«Nichts überstürzen und schlechten Job machen»

Einer der American-Airlines-Piloten forderte, dass Boeing die Federal Aviation Administration FAA dazu drängen sollte, eine zweite dringliche Lufttüchtigkeitsanweisung zur 737 Max herauszugeben. In einer ersten hatte die US-Luftfahrtbehörde nach dem Lion-Air-Unglück die Max-Betreiber gefordert, ihre Handbücher um Informationen zu ergänzen, wie Piloten vorgehen sollen, wenn eine sogenannte Runaway-Stabilizer-Situation mit Hinweisen auf falsche Sensor-Daten zusammenkommt. Der Gewerkschafter forderte, eine zweite Anweisung sollte ein Update der MCAS-Software anweisen.

Das hätte die Betreiber in den USA dazu gezwungen, umgehend zu handeln, und - da Boeing das Update noch nicht fertig hatte - wohl zu einem Grounding geführt, so die New York Times. Doch die Boeing-Vertreter wiesen den Vorschlag zurück. Entwicklungschef Sinnett erklärte, man überprüfe die Max und deren MCAS-System, könne aber noch nicht sagen, ob dieses System verantwortlich sei für den Lion-Air-Absturz. Zudem warnte er vor zu schnellem Vorgehen: «Wir wollen nichts überstürzen und einen schlechten Job machen, wenn wir die richtigen Dinge reparieren, und wir wollen auch nicht die falschen Dinge reparieren.»

Boeing äußert sich nach zweitem Absturz zum Update

Boeing überprüfte in der Folge die 737 Max und arbeitete an einem Update für das MCAS. Veröffentlicht wurde dies jedoch bis heute nicht. Am 10. März stürzte dann eine Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines ab und riss 157 Menschen in den Tod. Einen Tag später äußerte sich der Flugzeugbauer zum Software-Update für die 737 Max. «In den vergangenen Monaten und in der Folge von Lion-Air-Flug JT610 hat Boeing eine Verbesserung der Flugsteuerungssoftware für die 737 Max entwickelt», teilte der Hersteller damals mit.

Doch warum ging es trotz des Drucks durch die Gewerkschafter nicht schneller? Die Zeitung Wall Street Journal berichtete im März unter Berufung auf Branchen- und Regierungskreise, eigentlich hätten die Software-Updates schon im Januar präsentiert werden sollen. Zur Verzögerung beigetragen haben sollen demnach technische Herausforderungen, die Haushaltssperre in den USA, aber vor allem auch Unstimmigkeiten zwischen den Sicherheitsexperten von Boeing und der FAA. Gemäß der Zeitung ging es dabei unter anderem um verbessertes Pilotentraining, Alarmsignale im Cockpit und Details zu den MCAS-Änderungen. Boeing soll eine relative einfache Lösung favorisiert haben.

«Erklärungen für Dinge, die einen töten könnten»

Beim Treffen von Gewerkschaftern und Boeing-Vertretern Ende November kritisierten die Piloten auch erneut, dass sie nichts von der Existenz des MCAS wussten. «Ich würde denken, dass es Priorität hat, Erklärungen für Dinge zu geben, die einen töten könnten», sagte einer der Piloten. Sinnett und Boeings Testpilot erklärten dagegen, man habe nicht angenommen, dass die Piloten von der Software wissen müssten, da sie bereits dafür geschult seien, mit Situationen wie der umzugehen, bei denen das Höhenleitwerk die Nase der Maschine wie beim Lion-Air-Unglück nach unten neigt.

Voraussetzung sei natürlich, dass die Crews trainiert wurden, so Sinnett. Jetzt, da das MCAS bekannt sei, sei er erst Recht zuversichtlich, dass Piloten mit solchen Situationen umgehen könnten. Boeing hat zum Umgang mit solchen Situationen stets auf das Vorgehen nach der sogenannten Runaway Stabilizer Checklist verwiesen, um das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen. Doch mittlerweile steht auch diese Liste auf dem Prüfstand.

Mehr zum Thema

Cockpit der Boeing 737 Max: Stimmt alles mit den Notfallabläufen?

Notfallcheckliste der 737 Max auf dem Prüfstand

Boeing 737 Max 8 von American Airlines: Es fehlen noch Simulatoren.

American ändert Training für 737-Max-Piloten

Boeing 737 Max 8: Erholt sich der Ruf der Maschine wieder?

Die Skepsis der Passagiere gegenüber der 737 Max

boeing 737 max 10 island

Boeing treibt Arbeiten an neuem Flugzeugmodell voran - und das soll größer als die 737 Max werden

Video

Westjet Boeing 787
Reisende werfen der kanadischen Fluglinie vor, ihnen Entschädigungen vorzuenthalten. Der Verdacht: Wechselt Westjet im letzten Moment Flugzeuge ein, die sich bereits in der Wartung befinden, um dann den Flug zu annullieren? Eine kanadische Behörde ermittelt.
Timo Nowack
Timo Nowack
Der Airbus A321 Neo von Lufthansa bei der Evakuierung: Starker Geruch nach Kerosin.
Kurz nach dem Start Richtung München musste ein Airbus A321 Neo der deutschen Fluglinie umkehren. Nach der sicheren Landung in Athen wurde der Jet von Lufthansa evakuiert. Drei Menschen wurden leicht verletzt.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Evakuierung des AIrbus A321 Neo von Frontier Airlines: Viele nehmen ihr Gepäck mit.
Nach dem tödlichen Zwischenfall auf der Startbahn in Denver geriet auch die Evakuierung des Airbus A321 Neo in den Fokus. Erneut haben zahlreiche Passagiere trotz Rauchentwicklung ihr Handgepäck mitgenommen. Nun ermitteln die Behörden.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies