Boeing 777 von Latam: Kurz danach wurde der Start abgebrochen.

São Paulo-GuarulhosBoeing 777 von Latam bricht Start ab, als sich Bugfahrwerk bereits leicht hob

Kurz vor dem Abheben entschied sich die Crew eines Fluges von Latam zum Startabbruch. Die Boeing 777-300 ER kam erst am Ende der 3700 Meter langen Piste von São Paulo-Guarulhos zum Stehen. Erfolgte der Abbruch zu spät?

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Latam verfügt über eine Flotte von rund 180 Flugzeugen, darunter zehn Boeing 777-300 ER. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen PT-MUH steht der Airline allerdings vorerst nicht mehr zur Verfügung. Es musste nach einem Startabbruch in São Paulo-Guarulhos mit glühenden Bremsen und platten Reifen vorübergehend außer Betrieb genommen werden.

Was war passiert? Am Sonntag (15. Februar) sollte die rund 13 Jahre alte Boeing 777-300 ER von Latam als Nachtflug LA8146 nach Lissabon starten. Der geplante Abflug um 17:40 Uhr Ortszeit verzögerte sich jedoch um fast anderthalb Stunden. Das Flugzeug verließ das Gate erst gegen 19:09 Uhr, drehte auf die Piste 10L und beschleunigte.

Boeing 777 von Latam war 320 km/h schnell

Laut Daten des Flugverfolgungsdienstes Airnav Radar beschleunigte die Boeing 777 auf etwa 174 Knoten oder rund 320 km/h. Gemäß lokalen Medien hatte sich das Bugfahrwerk bereits vom Boden gelöst. Dies bestätigt auch das auf Zwischenfälle spezialisierte Portal Aviation Herald. Es schreibt, das vordere Fahrwerk habe sich bereits «ein wenig» gehoben.

In diesem Moment brachen die Piloten den Start jedoch ab und aktivierten die Schubumkehr, um die Bremsen voll einzusetzen. Dadurch kam es zu einer starken Erhitzung der Räder und einem Platzen mehrerer Reifen. Das Flugzeug kam schließlich am Ende der 3700 Meter langen Startbahn zum Stehen.

Latam verweist auf eingehalten Regeln

Die Boeing 777 von Latam verließ noch die Piste, schaffte es aber nicht zurück zum Gate. Die rund 400 Passagiere wurden mit Bussen ins Terminal gebracht. Verletzt wurde niemand. Das Flugzeug blockierte jedoch für weitere 15 Stunden den Rollweg. Der Pilot informierte die Passagiere, dass der Startabbruch aufgrund von Anzeichen einer Überhitzung eines der Triebwerke notwendig gewesen sei.

Latam bestätigte den Startabbruch in einer Stellungnahme und erklärte, dass das Verfahren unter Einhaltung aller Sicherheitsprotokolle erfolgt sei. Die betroffenen Passagiere hätte man in Hotels untergebracht oder auf andere Flüge umgebucht. Der Vorfall wird von der brasilianischen Unfalluntersuchungsbehörde Cenipa analysiert.

V1 - letzter Zeitpunkt, an dem ein Startabbruch noch sicher ist

Die Unfallermittelnden müssen nun klären, wann genau die Piloten die Entscheidung getroffen haben, den Start abzubrechen. In der Luftfahrt gibt es klare Regelungen. Grundlage beim Start sind zwei entscheidende Geschwindigkeiten, die als V1 und VR bezeichnet werden.

V1 markiert den letzten Zeitpunkt, an dem ein Startabbruch noch sicher möglich ist. Diese Geschwindigkeit wird vor jedem Flug individuell berechnet und ist abhängig von Faktoren wie Flugzeugmodell, Beladung, Startbahnlänge und Wetterbedingungen. V1 liegt meist zwischen 120 und 180 Knoten, also zwischen 220 bis 330 km/h.

VR - Zeitpunkt des Abhebens

Die zweite Geschwindigkeit ist die Rotationsgeschwindigkeit VR. Diese bezeichnet den Moment, in dem der Pilot den Steuerknüppel zieht, um das Flugzeug in die Luft zu bringen. Während V1 die Grenze für einen sicheren Abbruch setzt, leitet VR den eigentlichen Abhebeprozess ein.

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