Sicher ist, dass die Drohne mit der Sprengvorrichtung in der Nähe von Antonov An-124 von Antonov Airlines zu Boden ging. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden schreibt in einer Mitteilung, «die USBV-Einheit der Bundespolizei hat den Zünder des Sprengvorsatzes entfernt». USBV ist die Abkürzung für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung.
Sprengstoff Semtex wie beim Lockerbie-Anschlag?
Mehrere Medien berichten am Mittwochnachmittag unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Hauptbestandteil des Sprengstoffs sei Semtex. Nur die Leipziger Volkszeitung LVZ nennt eine Menge: 800 Gramm. Der Plastiksprengstoff Semtex war auch beim Flugzeuganschlag in Lockerbie 1988 zum Einsatz gekommen - damals lösten 300 Gramm das tödliche Unglück aus. Zum Vorfall in Leipzig/Halle berichtet die Tagesschau, der Zünder sei offenbar abgerissen, was eine Explosion verhindert habe. Eine offizielle Bestätigung für all das gab es zunächst noch nicht.
Von der Staatsanwaltschaft heißt es, die «Drohne mit einer unbekannten Sprengvorrichtung» sei von «einem Mitarbeiter des Flughafens festgestellt» worden. Laut Informationen der LVZ soll es sich um einen Busfahrer gehandelt haben, der die Drohne erst entdeckte und aus der Luft holte. Demnach war der Fahrer auf dem Rückweg von einer nächtlichen Besuchertour und hatte keine Gäste mehr im Bus. Er entdeckte die Drohne, stieg aus seinem Fahrzeug aus und brachte die Drohne selbst zu Boden, so die Zeitung.
Leicht beschädigte Boeing 757 wird in Hannover untersucht
Unmittelbar bevor der Flughafen aufgrund der Geschehnisse den Flugbetrieb um 00:05 komplett stoppte, musste ein ankommender Frachter gegen 00:03 Uhr durchstarten. Es handelte sich um eine Boeing 757 von DHL, betrieben von EAT Leipzig. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen D-ALEU drehte anschließend westliche von Halle einige Schleifen und flog dann nach Hannover.
Allerdings kollidierte die Boeing 757 beim oder kurz nach dem Durchstarten in der Luft mit einem Objekt. Das Flugzeug landete sicher, aber mit einem leichten Schaden in Hannover, wo es am Mittwoch von der Polizei und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU untersucht wurde. Sollte die Drohne, die zuerst gesichtet wurde, dieselbe sein, die dann nahe der An-124 vom Busfahrer zu Boden gebracht wurde, könnte die Boeing 757 womöglich mit einer zweiten Drohne kollidiert sein - sicher und bestätigt ist das allerdings noch nicht.
Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum übernimmt
Die Generalstaatsanwaltschaft formuliert: «Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt stieß mit einem Frachtflugzeug zusammen, nachdem dieses aufgrund der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchstartete.» Es sei ein leichter Schaden entstanden.
Die Zentralstelle Extremismus Sachsen bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen, Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum haben die Ermittlungen übernommen. Nach einer umfangreichen Kontrolle des Flughafens wurde die Nordbahn des Flughafens noch in der Nacht wieder für den Betrieb freigegeben. «Die Start-/Landebahn 'Südpiste' sollte aus Wartungsgründen am heutigen Tage nicht genutzt werden», so die Staatsanwaltschaft.
Flughafenverband fordert Systeme für Drohnenabwehr
Der Chef des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, sagte zur LVZ: «Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes.» Derzeit würden neben Leipzig/Halle auch die Flughäfen in Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg und Köln/Bonn auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen warten. Der aktuelle Vorfall sei ein Weckruf.
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