Betriebsstopp an Deutschlands zweitgrößtem Frachtairport: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (4. auf 5. August) musste der Flughafen Leipzig/Halle den Flugbetrieb einstellen. «Kurz vor Mitternacht wurde ein unbekanntes Flugobjekt in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle gesichtet, woraufhin mehrere Flieger, unter anderem ein Passagiermaschine, an andere Flughäfen umgeleitet wurden», teilt die Polizeidirektion Leipzig mit. Doch das war nicht alles.
Laut Polizei wurde dann «ein Objekt im Bereich der Südpiste festgestellt», das die Bundespolizei untersuchte. «In diesem Rahmen wurde auch ein Sprengstoffroboter eingesetzt.» Der Flugbetrieb im Nordbereich des Flughafens Leipzig/Halle wurde um 1:55 Uhr wieder aufgenommen, die Südpiste ist weiterhin gesperrt. «Die Landespolizei hat die Ermittlungen zum Sachverhalt, in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei, aufgenommen.»
Objekt in der Nähe der An-124 von Antonov Airlines gefunden
Ein Sprecher des Flughafens sprach gegenüber der Leipziger Volkszeitung LVZ von einem «Vorfall mit Drohnensichtung» und sagte, der Flugbetrieb sei ab 00:05 Uhr komplett eingestellt worden. Ein Sprecher der Polizeidirektion Leipzig sagte dagegen, es sei noch nicht gesichert, dass es sich bei dem gesichteten Objekt um eine Drohne gehandelt habe.
Laut der Zeitung Bild handelte es sich um eine Drohne, die schließlich auf dem Vorfeld in unmittelbarer Nähe zu einem Frachter von Antonov Airlines gefunden wurde. Die LVZ schreibt lediglich von einem Objekt, verortet dessen Fund aber ebenfalls im Frachtbereich nahe der Flieger von Antonov Airlines. Fotos zeigen Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr bei mehreren Antonov An-124, darunter die mit dem Kennzeichen UR-82072.
Bericht über sprengfähiges Material und Zünder
Nach Informationen von LVZ und Sächsischer Zeitung wurde ein Krisenzentrum eingerichtet, beteiligt daran seien unter anderem der Flughafen und die Polizei. Der Einsatz auf der Südpiste laufe noch am Vormittag, der Roboter untersuche den Gegenstand noch.
Laut Bild-Informationen vom Mittwochvormittag befand sich an der Drohne ein Paket mit einer zunächst unbekannten Masse und Zünder. Die Masse sei von den Sicherheitsbehörden schließlich als sprengfähiges Material identifiziert worden, ein Test auf Nitrate sei positiv ausgefallen. Das Paket soll demnach nun doch nicht kontrolliert gesprengt werden, nachdem dies zuvor eine Option war. Stattdessen soll es laut der Zeitung in einem Spezialbehälter verpackt werden, um die Drohne und das Paket später auf mögliche Spuren zu untersuchen.
Offenbar kollidierte ein Flugzeug mit einem Objekt
Antonov erklärte auf Anfrage der LVZ zu dem Vorfall lediglich: «Wir werden von öffentlichen Stellungnahmen absehen, bis diese Ermittlungen abgeschlossen sind.»
Die Karte zeigt den Flughafen Leipzig/Halle, die orange Markierung den üblichen Standort der Frachter von Antonov Airlines:
Derweil berichtet die Zeitung Bild, dass ein Frachtflugzeug durchstarten musste, kurz danach mit einem unbekannten Objekt kollidiert sein soll, nach Hannover flog und dort mit leichtem Schaden landete. Die Polizei in Niedersachsen stufe den Vorfall als Staatsschutzdelikt ein, so die Zeitung, ein möglicher Sabotageanschlag werde nicht ausgeschlossen.
20 Flugzeuge mussten zu anderen Flughäfen ausweichen
Daten von Flugverfolgungsdiensten, die aeroTELEGRAPH ausgewertet hat, zeigen: 19 Frachtflugzeuge wurden in der Nacht zu anderen Flughäfen umgeleitet, 18 davon von DHL, eines von Aerologic. Sie wichen aus nach Hannover, Köln/Bonn, Kopenhagen beziehungsweise kehrten um nach Mailand, East Midlands und Brüssel.
Zudem wurde ein Passagierjet, der aus Palma de Mallorca kam, nach Nürnberg umgeleitet. Später in der Nacht flog der Airbus A320 von Marabu dann von Nürnberg nach Leipzig.
Im Sommer 2024 wurden versteckte Brandsätze gefunden
Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren