Das Midway Atoll: Vorne Sand Island, dahinter Eastern Island, auf der noch ehemalige Pisten zu erkennen sind.

Ausweichflughafen MidwayFast niemand landet hier - trotzdem soll dieser Flughafen 100 Millionen Dollar bekommen

Die USA müssten mindestens 100 Millionen Dollar investieren, um den Flughafen des Midway Atolls betriebsbereit zu halten. Etliche Airlines und der Flugzeugbauer Boeing werben für die Investition - obwohl es so gut wie keine Starts und Landungen an dem Airport gibt.

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Das englische Wort «midway» bedeutet im Deutschen «auf halbem Weg». Und das Midway Atoll trägt seinen Namen, weil es im nördlichen Pazifik etwa auf der halben Strecke zwischen Kalifornien und Japan liegt. Die Vereinigten Staaten annektierten das unbewohnte Atoll, zu dem die beiden Hauptinseln Sand Island und Eastern Island gehören, im Jahr 1856.

Ab 1935 nutzte die Fluggesellschaft Pan American Midway als einen der Stopps auf ihren Flügen von San Francisco nach Hongkong, die sie mit Flugbooten vom Typ Martin M-130 durchführte. 1940 wurde Midway dann zum Militärstützpunkt und 1942 siegten die USA im Zweiten Weltkrieg in der Schlacht von Midway zur See gegen Japan. Im Koreakrieg und im Vietnamkrieg nutzen die Vereinigten Staaten Midway als militärische Zwischenstation.

Umweltbehörde verwalten auch den Flughafen auf Midway

Heute hat das Atoll keine militärische Bedeutung mehr, sondern dient Wissenschaft und Naturschutz. 1993 wurde der dortige Luftwaffenstützpunkt geschlossen und seit 1996 steht das Midway unter Kontrolle der Umweltbehörde United States Fish and Wildlife Service. Fast drei Millionen Vögel nisten das ganze Jahr über auf dem Midway-Atoll, darunter die weltweit größte Population von Albatrossen, Nunulu (Bonin-Sturmvögeln) und der bedrohten Koloa Pōhaka (Laysan-Ente). ʻIlio Holo I Ka Uaua (Hawaiianische Mönchsrobben), Honu (Grüne Meeresschildkröten) und Naiʻa (Spinnerdelfine) sind Besucher der Lagune von Midway.

Von Midway gibt es auch einen Wildlife-Livestream:

Der United States Fish and Wildlife Service verwaltet auch den Flughafen des Atolls, den Midway Atoll Airport, der das Kürzel MDY trägt und auch Henderson Airfield genannt wird. Er liegt auf Sand Island und hat eine 2377 Meter lange und 46 breite Piste (06/24).

Flughafen Midway benötigt mindestens 100 Millionen Dollar

Jedes Jahr stehen 5,1 Millionen Dollar für die Instandhaltung der Flugplatzinfrastruktur und die Aufrechterhaltung einer minimalen Betriebsfähigkeit zur Verfügung. «Diese Mittel decken jedoch nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs ab», erklärt die Luftfahrtbehörde FAA.

«Es ist zu erwarten, dass sich der Zustand der Start- und Landebahn von MDY innerhalb der nächsten fünf Jahre drastisch verschlechtern wird», so die Behörde. Die geschätzten Kosten für eine umfassende Sanierung - einschließlich Fräsarbeiten, Erneuerung des Pistenbelags und Reparaturen an der Ufermauer - belaufen sich auf mehr als 100 Millionen Dollar.

Warum der Flughafen auf Midway so wichtig ist

Womöglich ist sogar noch mehr Geld nötig. Denn um den Transport von Baumaterialien zu ermöglichen, könnten weitere Maßnahmen auf der Insel nötig werden, etwa Arbeiten an der Hafeninfrastruktur. Und all das ist nicht etwa nötig, um einen regelmäßigen Flugbetrieb möglich zu machen, sondern im Wesentlichen, um als Ausweichflughafen zu dienen.

Midway «erfüllt eine spezifische Funktion im globalen Luftfahrtsystem», schreibt die FAA, nämlich «transpazifische Etops-Flugplanung sowohl für militärische als auch für zivile Flugoperationen». Etops heißen die Luftfahrt-Regeln, die festlegen, wie lange Flugzeugtypen bei einem Flug über Meer oder anderem unbewohntem Gebiet maximal vom nächsten Flughafen entfernt sein dürfen. Bei Etops 180 sind es beispielsweise 180 Minuten.

Wenige Ausweichlandungen, aber Zehntausende Planungen

«Im äußerst seltenen Fall eines Notfalls im Flug über dem Nord- und Zentralpazifik können Flugzeuge nach MDY umgeleitet werden, sofern sie zuvor von der FAA dazu zugelassen wurden und sich innerhalb der Etops-Reichweite dieses Flughafens befinden», schreibt die FAA. «Zwischen 2003 und 2021 gab es mindestens elf Umleitungen von zivilen und militärischen Flugzeugen, die auf dem Flughafen MDY landeten.» Darunter befand sich auch ein Airbus A330-200 von Hawaiian Airlines, der im Oktober 2021 auf dem Weg von Seoul-Incheon nach Honolulu aufgrund von Triebwerksproblemen auf Midway landete.

Hier sehen Sie einen TV-Bericht von einer Landung einer Boeing 747 auf Midway 2011:

Auch wenn solche Ausweichlandungen selten sind, macht allein die Möglichkeit dazu viele Nonstop-Flüge überhaupt erst möglich. «Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass MDY derzeit jährlich für Zehntausende von Transpazifikflügen im Rahmen der Etops-Flugplanung für Passagier-, Fracht- und Militärflüge genutzt wird», so die FAA. Damit dies weiterhin möglich ist, muss der Flughafen aber wie erwähnt instand gesetzt werden. Und die Behörde bittet aktuell um Kommentare dazu, ob und wie sich die Investition rechtfertigen würde.

Japan Airlines und Zip Air stark auf Midway angewiesen

Konkret möchte die FAA wissen: Gibt es Flugrouten, die durch einen Wegfall von Midway als Etops-Ausweichflughafen besonders stark beeinträchtigt wären? Welche Auswirkungen wären für diese Routen zu erwarten? Wie wären die Folgen für den Treibstoffverbrauch? Und welche Konsequenzen wären für Fluggäste und Frachtkunden zu erwarten?

Wie das Portal Aero South Pacific berichtet, positionieren sich Japan Airlines und ihre Tochter Zip Air bereits eindeutig mit einem Appell ans US-Verkehrsministerium: «MDY ist ein wichtiger Flughafen für unsere Pazifikflüge, insbesondere für unsere Hawaii-Routen», schreiben die Airlines. Ein Wegfall hätte gravierende Auswirkungen auf den Flugbetrieb.

Hawaii-Routen, aber auch Nordamerikas Westküste betroffen

Zip Air fliegt von Tokio-Narita nach Honolulu, Japan Airlines von Tokio-Narita, Tokio-Haneda, Nagoya und Osaka. Auf dem Hinweg ist laut den Fluglinien bei fast allen Flügen Midway als Ausweichflughafen eingeplant. Auf den Rückflüge sind es rund die Hälfte, wobei die andere Hälfte auf das den US-Militärflugplatz Wake Island Airfield (AWK) auf der Insel Wake entfällt.

Beide Fluggesellschaften steuern zudem etliche Ziele auf nordamerikanischen Festland an, bei denen auf dem Hinweg rund 90 Prozent der Flüge zur nordamerikanischen Westküste Midway in der Planung nutzen, etwa nach Vancouver, San Francisco oder Los Angeles. Bei anderen Zielen sowie auf dem Rückweg sind die Werte niedriger. Auch dabei gebe es aber «Tage, an denen MDY unerlässlich ist», schreiben die japanischen Fluggesellschaften.

«Einzigartige und unersetzliche Sicherheitsfunktion»

Auch die amerikanische Charterairline National Airlines erklärt in einer Stellungnahme: «MDY erfüllt als Etops-Ausweichflughafen im Nordzentralpazifik eine einzigartige und unersetzliche Sicherheitsfunktion, da die geografischen Alternativen dort naturgemäß begrenzt sind.»

Die FAA nennt die Alternativen: das Wake Island Airfield (PAWK), die Eareckson Air Station (PASY) und der Marshall Islands International Airport (PKMJ). Von diesen Flughäfen befinden sich PAWK und PASY im Eigentum und Betrieb des US-Kriegsministeriums, während für PKMJ die Hafenbehörde der Republik der Marshallinseln verantwortlich ist.

Etliche weitere Airlines werben für Erhaltung von MDY

National Airlines argumentiert: «Die Streichung von MDY aus dem pazifischen Ausweichflughafennetz würde die Abhängigkeit von einer geringeren Anzahl weit entfernter Flughäfen verstärken, deren Verfügbarkeit durch Wetter, Start- und Landebahnzustand, Infrastrukturbeschränkungen oder konkurrierende betriebliche Anforderungen beeinträchtigt sein kann.» Für Flüge in Richtung Westen von Hawaii und für bestimmte Strecken im Nordzentralpazifik könnten andere Airports nicht immer gleichwertigen Ersatz bieten.

Auch Alaska Airlines, Westjet, Air Premia, Eva Air und Starlux Airline haben sich in Kommentaren bei der FAA für die Erhaltung des Flughafens ausgesprochen. Ebenso Boeing.

Boeing warnt vorm Erliegen des Nordpazifikverkehrs

Der Flugzeugbauer schätzt das Volumen des kommerziellen Passagierverkehrs allein auf der Route Honolulu - Tokio auf etwa 3400 bis 3600 Flüge pro Jahr und Richtung. «Boeing schätzt konservativ, dass allein auf dieser Strecke jährlich mehr als eine Million Gallonen zusätzlicher Flugkraftstoff verbraucht würden, wenn MDY nicht als Ausweichflughafen zur Verfügung stünde», so der Konzern. «Durch die Einbeziehung von Routen aus anderen Startregionen könnte sich dieser Effekt leicht verdoppeln.» Zudem könnten - abhängig von Wind und Wetterwährend des Fluges und an anderen Ausweichflughäfen - auch Routen von Asien zur Westküste Nordamerikas betroffen sein, was die Auswirkungen vervielfachen könnte.

«Schließlich würde der Wegfall von MDY - insbesondere in Kombination mit einer möglichen wetter- oder baustellenbedingten Schließung anderer Ausweichflughäfen (wie etwa Shemya) - den gesamten Flugverkehr auf den Nordpazifikrouten faktisch zum Erliegen bringen», so Boeing. Unterm Strich bringe ein betriebsfähiger Flughafen Midway erhebliche Vorteile in Sachen Sicherheit, Treibstoffkosten, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz.

180-Minuten-Etops-Ausweichradien mit typischen Flugwegen - Grafik aus Boeings Kommentar bei der FAA.

Midway Atoll ist das Rückgrat des Himmels

Der traditionelle hawaiianisch Name des Atolls lautet übrigens Kuaihelani und passt zur aktuellen Debatte. Übersetzt bedeutet er nämlich sinngemäß «Rückgrat des Himmels».

Das Midway Atoll aus der Luft:

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