Die UR-82007 und die UR-82072 (links) am Flughafen Leipzig/Halle: zwei der An-124 von Antonov Airlines.

Flughafen Leipzig/HalleZu Besuch bei den An-124-Riesenfrachtern von Antonov Airlines

Aufgrund des russischen Angriffskriegs musste die ukrainische Frachtfluggesellschaft ihre Basis nach Deutschland verlegen. aeroTELEGRAPH hat Antonov Airlines und ihre An-124 am Flughafen Leipzig/Halle besucht.

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Luftfahrt ist verdammt vielfältig! Das ist eine Binsenweisheit, doch selten zuvor wurde es mir so bewusst wie Anfang November 2025. Am 5. November war ich an Bord von Condors Abschiedsflug mit der Boeing 757 von Frankfurt nach Wien und zurück. Ein Passagierjet, der so lang und dünn ist, dass er den Spitznamen «fliegender Bleistift» trägt. Und an Bord gab es trotz aller Wehmut eine Party mit DJ zur Verabschiedung der Boeing 757 aus der Flotte.

Noch am selben Abend fuhr ich mit dem Zug weiter nach Leipzig - um am nächsten Tag Antonov Airlines und ihre An-124-Frachter am Flughafen Leipzig/Halle zu besuchen. Zum Vergleich: Die Boeing 757-300 ist mehr als 54 Meter lang, was beachtlich ist, und hat eine Spannweite von 38 Metern. Die An-124 bringt es auf rund 69 Meter Länge und mehr als 73 Meter Spannweite. Ein eleganter Passagierjet und ein beeindruckender, vierstrahliger Frachtgigant.

Wenn friedliche Ferienflüge nur noch eine Erinnerung sind

Eine deutsche Ferienfluggesellschaft am größten deutschen Flughafen und eine ukrainische Frachtfluggesellschaft im Exil, da sie aufgrund des russischen Angriffskrieges ihre eigene Basis in der Heimat seit fast vier Jahren nicht nutzen kann. Zwei völlig unterschiedliche Welten.

Zur Welt von Antonov gehört auch das, was mir ein Mitglied des Medienteams erzählt, als wir mit dem Transporter am Leipziger Passagierterminal vorbeifahren: Ein ganz normaler Flugbetrieb mit zivilen Flugzeugen und Menschen, die damit in den Urlaub fliegen, wirkt auf ihn surreal. Eine schöne Erinnerung aus vergangenen Tagen. Das Team sitzt selber in der Ukraine, ist mit dem Transporter, den wir auf dem Flughafengelände nutzen, in zwei Tagen nach Deutschland gefahren. Ihre Smartphones geben gelegentlich Töne ab, die vor Luftangriffen in der Heimat warnen.

Drei Antonov An-124 werden gerade in Leipzig/Halle gewartet

Ihre Namen darf ich aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Auch darf ich keine Fotos machen von den Werkstätten, die Antonov Airlines am Flughafen Leipzig/Halle in einem Hangar betreibt, um ihre Antonov An-124 zu warten. Dazu gehören unter anderem eine Schlosserei, eine Kompositwerkstatt, Reinigungsanlagen für Filter, Geräte zum Aufziehen von Reifen, ein Raum zur Rissprüfung und ein Kleinteilelager. Was hier nicht vorhanden ist oder nicht repariert werden kann, wird auf der Straße aus der Ukraine geholt oder dorthin gebracht.

Die UR-82072

Draußen vor dem Hangar stehen drei An-124 zur Wartung: Die Maschine mit dem Kennzeichen UR-82072 und dem Namen «Be brave like Kherson», die UR-82007 («Be brave like Mykolaiv») und die UR-82029 («Be brave like Bucha»). Die größte Wartung, etwa sechs Monate lang, durchläuft die UR-82007. Gerade arbeiten Techniker an den Tragflächen, am Hauptfahrwerk auf der rechten Seite des Fliegers und am unteren Rumpf.

Cockpitcrew der Antonov An-124 besteht aus sechs Personen

Ich darf in den riesigen Frachtraum steigen und hochklettern in das Cockpit der UR-82072. Dort gibt es Plätze für sechs Cockpit-Crew-Mitglieder: Pilot, Kopilot, Navigator, Funker und zwei Flugingenieure. Hinter dem Cockpit geht es - entlang von gefühlt Millionen Kabeln - in die einfachen Ruhebereiche mit Küche für die Cockpitcrew. Weiter hinten im Flieger existiert - erreichbar über eine andere Treppe - ein weiterer Bereich für die beiden Lademeister der Antonov An-124. Im Inneren der Flugzeuge sind ebenfalls keine Fotos gestattet.

Es befinden sich noch zwei weitere Flugzeuge von Antonov Airlines am Flughafen Leipzig/Halle - und zwar zwei besondere. Ebenfalls in der Nähe des Hangars steht die UR-AWB. Dabei handelt es sich um eine rare Antonov An-74 TK-300, die im Gegensatz zu anderen An-74 ihre Triebwerke unter und nicht auf den Tragflächen trägt. Wie das Unternehmen den ehemaligen Regierungsflieger genau nutzt, verrät es nicht.

Kennzeichen UR-AWB: eine Antonov An-74 TK-300.

In Leipzig/Halle steht auch eine modernisierte Antonov An-124

In einem anderen Bereich des Flughafengeländes steht zudem noch eine Antonov An-124, es ist die sechste der Flotte. Die UR-82073 («Be brave like Irpin») flog Antonov Airlines im Juli 2025 in einer spektakulären Aktion aus der Ukraine aus und brachte sie nach Leipzig Zuvor hatte der Mutterkonzern und Flugzeugbauer Antonov das Flugzeug seit 2021 umfassend modernisiert. Die «Be brave like Irpin» bekomme ich nur von außen zu sehen, nicht von innen.

Ein weiterer wichtiger Ort für Antonov Airlines ist eine aktuell noch unspektakuläre, umzäunte Wiese im nördlichen Bereich des Flughafens Leipzig/Halle. Hier will das Unternehmen bis Mitte 2027 einen neuen Wartungshangar bauen und dorthin umziehen. Dann könnte es - wenn bis dahin nicht Frieden herrscht - zu einer seltsamen Nachbarschaft kommen. Denn vor dem Grundstück stehen drei An-124 der russischen Volga-Dnepr. Sie dürfen Deutschland nicht verlassen - aufgrund von Sanktionen wegen Russlands Angriff auf die Ukraine.

In der unten stehenden Bildergalerie sehen Sie weitere Fotos von meinem Besuch bei Antonov Airlines am Flughafen Leipzig/Halle im November 2025. Ein Klick aufs Foto öffnet die Galerie im Großformat:

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