Der gefährlichste Ort für Flugzeuge ist der Flughafen. Am Boden entstehen die meisten Schäden, durch Kollisionen mit Geräten, Gebäuden, anderen Flugzeugen, Fahrzeugen oder anderen Objekten. Die Kosten für Airlines sind hoch: Schon ein kleiner Lackkratzer kann 5000 Dollar kosten, mittelgroße Schäden 50.000 bis 100.000 Dollar (rund 43.000 bis 86.000 Euro), kalkulierte das Portal Aviationpros 2022. Werden größere Composite-Teile beschädigt, drohen sogar monatelange Ausfallzeiten, wie beim Airbus A320 Neo von Austrian Airlines.
Fluggastbrücke an Gate 82 zerschlägt zwei Cockpitscheiben
Hauptursache ist menschliches Versagen. Laut Schätzungen entsteht dabei rund die Hälfte der Unfälle an Flughäfen durch Unaufmerksamkeit, die andere Hälfte durch überstürztes Arbeiten. Besonders gefährdet sind Flügelspitzen, Vorderkanten, Querruder, Bugspitze, Bugfahrwerk, Leitwerk und die Hinterkanten der Tragflächen. Und wie zwei Fälle aus dem vergangenen Jahr zeigen, ist auch das Cockpit nicht immer sicher, zumindest nicht am Flughafen Brisbane.
Denn innerhalb weniger Wochen wurden 2025 an zwei Boeing 737 die Cockpitscheiben durch Kollisionen mit Fluggastbrücken zerstört. Die erste Kollision ereignete sich am 18. Juni 2025. Eine Boeing 737 von Qantas mit der Kennung VH-VZG landete in Brisbane und rollte zum Gate. Der aus Queenstown in Neuseeland kommende Jet parkte ordnungsgemäß und wartete darauf, dass das Bodenpersonal die Brücke über der Tür zum Aussteigen positionierte.
Niemand wurde bei den Vorfällen verletzt
Während des Vorgangs bemerkte die Crew, dass die Brücke das Cockpit treffen würde, und versuchte noch, Kontakt mit dem Bodenpersonal aufzunehmen, aber es war zu spät. Die Brücke traf die Cockpitscheibe, diese zersplitterte, die Piloten mussten sich vor den Splittern schützen. Kurz zuvor soll noch eine Person am Boden versucht haben, einen Notknopf zu erreichen, der die Fluggastbrücke gestoppt hätte, doch auch das misslang. Verletzt wurde niemand.
Weniger als einen Monat später, am 26. Juli 2025, ereignete sich ein sehr ähnlicher Vorfall. Diesmal wurde die Cockpitscheibe einer Boeing 737 Max 8 mit der Registrierung DQ-FAE von Fiji Airways getroffen. Wieder sah das Cockpitpersonal das Unglück kommen. Der Pilot konnte noch aufstehen und sich in Sicherheit bringen. Die Flugunfallermittler des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) haben beide Vorfälle untersucht und jetzt ihren Abschlussbericht präsentiert.
Fluggastbrücke mit eingeschränkter Sicht
Ausschlaggebend für beide Kollisionen ist die Konstruktion der Fluggastbrücke an Gate 82. Diese Parkposition ist für verschiedene Flugzeugtypen ausgelegt – sowohl für Kurz- und Mittelstreckenjets wie Airbus A320 oder Boeing 737, als auch für Langstreckenflieger wie Boeing 787-9 oder Airbus A330. Da die Boeing 737 jedoch tiefer liegt als eine Boeing 787-9, müssen diese Flugzeuge weiter vom Gate entfernt parken. So soll verhindert werden, dass Passagiere einen zu steilen Anstieg ins Terminalgebäude bewältigen müssen.
Darstellung von Gate 82 am Flughafen Brisbane. ATSB
Beim Andocken der Brücke muss das Personal diese zunächst ausfahren und dann langsam an das Flugzeug heranführen. Die Brücke an Gate 82 hat jedoch keine seitlichen Sichtfenster, wodurch die Sicht auf das Flugzeug stark eingeschränkt wird. Das erschwert das präzise Steuern.
Neue Anweisungen für Gate 82
In beiden Fällen bewegte das Personal den Joystick in die 3-Uhr-Position, ohne zu wissen, dass diese Einstellung die Fahrtrichtung der Brücke verändert. Die Folge: Die Brücke fuhr diagonal auf das Flugzeug zu statt parallel dazu, während der Bedienende keine Sichtverbindung hatte. So kam es zur Kollision mit den Cockpitscheiben.
Der Flughafen hat als Reaktion auf die beiden Unfälle das Schulungsprogramm verbessert und eine neue Anweisung für die Position 82 erlassen.
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