Der Rumpf der Boeing 767 nach der Landung: Markante Schäden.

Lastwagen touchiertKopilot zum Kapitän: «Du bist immer noch langsam und etwas zu tief»

Ein ständig wechselnder Plan für den Anflug auf Newark belastete die Crew. Der erste Zwischenbericht des NTSB zeigt, wie es dazu kam, dass die Boeing 767 von United Airlines schließlich einen Lastwagen touchierte - und sie dabei erheblich beschädigt wurde.

Top-Jobs

DERTOUR Logo

Destination Manager (w/m/d)

DERTOUR Destination Services AG
Vollzeit
Top jobs
Feste Anstellung
Reiseveranstalter
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse / Fluglotsin (w/m/d)

Studium
Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Top jobs
Langen b. Frankfurt
Deutschland
AMX Support

Lizenzierter Fluggerätmechaniker / Certifying Staff B1/B2 (m/w/d)

AMX Support Germany GmbH
Vollzeit
Flughafen Oberpfaffenhofen (EDMO
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
AMX Support

Flugzeug Mechaniker

AMX Support Germany GmbH
Vollzeit
Flughafen Oberpfaffenhofen (EDMO
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt

Eigentlich sollten die beiden Piloten nach Irland fliegen. Doch im letzten Moment plante United Airlines um. Statt einem Flug nach Shannon wurde die Crew einem Flug nach Italien zugeteilt. Mit einer Boeing 767 sollten sie von New York-Newark nach Venedig und später auch wieder zurück fliegen. Die Piloten teilte sich die Arbeit so auf, dass der Kopilot - auch Erster Offizier genannt - auf dem Hinweg das Flugzeug steuerte.

Auf dem Heimweg aus Italien am 3. Mai 2026 übernahm dann der deutlich erfahrenere Kapitän das Steuer der Boeing 767-400 mit dem Kennzeichen N77066. Flug UA169 verlief bis zum Sinkflug ereignislos. Doch ganz am Schluss kam etwas Hektik auf. Die Besatzung plante zunächst eine Landung auf Piste 4R des Newark Liberty International Airport, wurde dann aber von der Flugsicherung während des Anflugs auf Piste 22L umgeleitet.

Visueller Anflug auf Piste 29 des Flughafens Newark

Gleichzeitig wurde die Crew angewiesen, sich auf Warteschleifen vorzubereiten, da die An- und Abflugkonfiguration des Flughafens geändert wurde, so der erste Zwischenbericht des National Transportation Saftey Board NTSB. In Erwartung darauf, reduzierte die Besatzung die Geschwindigkeit auf 250 Knoten. Nötig wurde das Kreisen aber am Ende nicht.

Doch es erfolgte eine weitere Änderung: Nun wurde der Crew von United Airlines von der Flugsicherung Piste 29 zugewiesen und sollte dort mit einem RNAV-GPS-Anflug landen, einem satellitengestützten Instrumentenlandeverfahren, das der Crew die Navigation über frei definierbare Wegpunkte ermöglicht. Vom Wegpunkt AXELL sollte der Anflug visuell entlang der veröffentlichten Flugbahn bis zur Landebahn fortgesetzt werden.

Pilot erinnert sich - doch Rekorder zeigt das anders

Der Kapitän der Boeing 767 erklärte, dass er nach jeder Änderung ein neues Anflugbriefing durchgeführt habe. Obwohl diese aufgrund der hektischen Situation verkürzt waren, seien alle vorgeschriebenen Punkte behandelt worden, so der Mann mit mehr als 16.000 Flugstunden Erfahrung bei der Fluggesellschaft.

Der Kapitän erklärte gemäß dem NTSB-Bericht, er sei hinsichtlich des Anflugs nicht besorgt gewesen. Sein Ziel sei gewesen, den Endanflug mit dem für ihn gewohnten Bild von drei roten und einem weißen Licht des Präzisions-Gleitwegindikators (im Jargon Papi genannt) zu fliegen. Allerdings enthält der Stimmenrekorder des Flugzeuges gemäß NTSB keine Aufzeichnungen über Gespräche zu den Papi-Lichtern vor der Landung.

Auf 500 Fuß war bei der Boeing 767 noch alles in Ordnung

Nach Angaben des Kapitäns schaltete er Autopilot und Autothrottle (die automatisierte Schubregelung) in rund 880 Fuß oder rund 268 Meter Höhe über dem Meeresspiegel aus. Beim Eindrehen in den Gegenwind sei die Geschwindigkeit zunächst etwas zu hoch geworden, worauf er den Schubhebel zurücknahm, heißt es im Bericht. Danach habe sie sich aber wieder stabilisiert. Der Kopilot habe dann darauf hingewiesen, dass die Geschwindigkeit niedrig sei.

Der Kapitän habe die Boeing 767 aber jederzeit in einer sicheren Position für die Landung gesehen. Auf die automatische Ansage bei 500 Fuß antwortete er mit «stabil». Auch der Kopilot sagte aus, dass das Flugzeug da noch die korrekte Geschwindigkeit gehabt und sich auf dem vorgesehenen Gleitpfad befunden habe. Im weiteren Sinkflug habe sie aber abgenommen.

Kopilot warnte den Kapitän von United Airlines

Der Kopilot - er hat 1958 Flugstunden Erfahrung bei United - erinnert sich gemäß NTSB-Bericht, zunächst gesagt zu haben: «Hey, du bist zu langsam.» Und kurz darauf habe er gesagt: «Du bist immer noch zu langsam und etwas zu tief.» Das habe ihm auch ein Blick nach draußen bestätigt. Doch nach seiner Aussage verarbeitete er das Beobachtete nicht mehr rechtzeitig, um ein Durchstartmanöver zu fordern.

Und so passierte es: Die Boeing 767 touchierte kurz vor dem Aufsetzen einen Lastwagen auf der Autobahn neben dem Flughafen. Wie durch ein Wunder wurde der Fahrer dabei nur leicht verletzt. Der Flieger landete schließlich, rollte zum Gate und alle Passagiere sowie Besatzungsmitglieder verließen das Flugzeug ganz normal.

Kopilot warnte den Kapitän von United Airlines

Bei der Untersuchung der Boeing 767 fanden die Fachleute der NTSB deutliche Schnittspuren an Reifen Nummer eins des linken Hauptfahrwerks. Im linken, unteren, hinteren Rumpf machten sie drei Löcher unterschiedlicher Größe sowie weitere Dellen und Verformungen der Außenhaut aus. Die Beschädigung habe auch die Rumpfstruktur betroffen. Das NTSB spricht deshalb von einem «erheblichen Schaden».

365 Tage Luftfahrtjournalismus – fair, fundiert und unabhängig. Damit das so bleibt, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon für den Preis eines Getränks am Flughafen genießen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-united-airlines

Boeing 767 von United Airlines kehrt auf Flug nach Zürich nach Washington zurück

ticker-united-airlines

United Airlines kehrt im September nach Tel Aviv zurück

ticker-united-airlines

Fluggäste überwältigen randalierenden United-Passagier vor Landung in Houston

ticker-united-airlines

United gibt Türen der neuen Polaris Business-Class-Suite frei

Video

Flughafen Düsseldorf U-Bahn 9
Nach sieben Jahren Bauzeit eröffnet Düsseldorf zwei neue U-Bahn-Linien. Sie binden erstmals den Flughafen an das Stadtbahnnetz der Landeshauptstadt an.
Jakob Wert
Jakob Wert
Der Moment bevor das Kleinflugzeug mit dem Helikopter Kollidiert: Jetzt ist der NTSB-Bericht erschienen.
Vor zwei Wochen kollidierten eine Cessna 150 und ein Bell 407 an einem Flugplatz in Pennsylvania. Was in den letzten Sekunden davor geschah, zeigt nun der erste Zwischenbericht der Untersuchungsbehörde NTSB.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Airbus A400M der Roal Air Force nach der Landung in Jan Mayen: Mit dem Transporter wurden Nato-Kontingente in die Arktis verlegt.
US-Marines, britische Royal Marines und norwegische Soldatinnen und Soldaten üben auf Jan Mayen. Airbus A400 M und Lockheed C-130 brachten für die Manöver neben Truppen auch Material auf die abgelegene Arktisinsel.
gerard al fil
Gérard Al-Fil