Flugzeuge von United Airlines in Los Angeles: Ärger mit den Triebwerksbauern.

Scott KirbyChef von United Airlines rechnet ab: «Rolls-Royce ist bei mir unten durch»

Triebwerksprobleme legen weltweit Hunderte Flugzeuge lahm. United-Chef Scott Kirby verliert nun öffentlich die Geduld – und findet besonders für Rolls-Royce ungewöhnlich deutliche Worte.

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Fluggesellschaften und Triebwerkshersteller befinden sich derzeit in einer ausgewachsenen Beziehungskrise. Seit Jahren kämpfen Airlines weltweit mit technischen Problemen, Ersatzteilmangel und langen Werkstattaufenthalten. Besonders stark traf es Betreiber von Airbus A320 Neo und A220 mit Triebwerken von Pratt & Whitney. Hunderte Flugzeuge mussten zeitweise am Boden bleiben. Und noch immer stehen viele herum.

Doch während sich dort zumindest langsam Besserung abzeichnet, wächst an anderer Stelle der Frust. Auch bei United Airlines. Konzernchef Scott Kirby machte bei einem Gespräch mit Medienvertretern am Rande der Generalversammlung des Airline-Dachverbands Iata seinem Frust Luft.

Nie wieder ein Flugzeug mit einer Triebwerksoption

«Die größte Einschränkung für die Branche in den nächsten fünf Jahren wird der Mangel an Triebwerken sein», sagte er. Das Problem betreffe praktisch alle Hersteller. Gleichzeitig warnte Kirby, die Branche habe mit der eigentlichen Lösung noch nicht einmal begonnen. Aus seiner Sicht werde es mindestens fünf Jahre dauern, bis die Engpässe überwunden seien.

Besonders kritisch sieht der United-Chef die mangelnde Konkurrenz im Triebwerksmarkt. Gegenüber Boeing und Airbus habe er deshalb eine klare Forderung formuliert. «Baut nie, nie, nie wieder ein Flugzeug mit nur einer Triebwerksoption», sagte Kirby. Wettbewerb sei entscheidend. So sind etwa der Airbus A330 Neo und der Airbus A350 ausschließlich mit Triebwerken von Rolls-Royce verfügbar, die Boeing 777X, die bald mit großer Verspätung auf den Markt kommen soll, nur mit Triebwerken von GE. Beim Airbus A220 und den E2-Jets von Embraer gibt es nur Motoren von Pratt & Whitney.

United ist auf dem Kriegspfad mit Rolls-Royce

Auf die Frage, ob Triebwerkshersteller derzeit zu viel Preismacht hätten und die schwierige Versorgungslage nutzten, um höhere Preise durchzusetzen, antwortete Kirby bemerkenswert offen: «Ja und ja.» Dabei machte er allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern. GE Aerospace lobte er ausdrücklich. Der Konzern arbeite hart und stehe bei ihm ganz oben auf der Liste der Hersteller, die sich um Lösungen bemühten.

Auch Pratt & Whitney bescheinigte er einen ernsthaften Willen, die bestehenden Probleme zu beheben. Zwar habe der Hersteller mit den bekannten Schwierigkeiten bei den GTF-Triebwerken zu kämpfen, sei aber aufrichtig bemüht, mit den Airlines zusammenzuarbeiten. Ganz anders klingt Kirby, wenn es um den britischen Motorenbauer geht. «Der einzige Hersteller, der bei mir wirklich unten durch ist, ist Rolls-Royce», sagte er. Auf die Nachfrage, was der britische Triebwerksbauer falsch mache, antwortete er trocken: «Die bessere Frage ist: Was machen sie überhaupt?»

Auch von Iata Kritik an den Triebwerksherstellern

Viele Airlines kämpfen weiterhin mit den Folgen der Probleme des Trent 1000-Probleme für die Boeing 787. Auch die Triebwerke für die Airbus A330 Neo kämpfen mit Problemen und sind wartungsintensiver als zunächst angenommen. Lange Werkstattaufenthalte, fehlende Ersatzteile und knappe Wartungskapazitäten sorgen dafür, dass Jets lange ausfallen. Für die betroffenen Fluggesellschaften bedeutet das weniger verfügbare Kapazität, höhere Kosten und immer wieder Anpassungen im Flugplan.

Auch Willie Walsh übte bei der Versammlung harsche Kritik an den Triebwerksherstellern. Er warf ihnen Preistreiberei vor. «Wenn eine Airline so handeln würde, dann wäre sie schnell vom Markt verschwunden», so der Iata-Generaldirektor. «Sie machen schlicht ihren Job nicht». Und das, so Walsh, sei noch milde ausgedrückt. «Eigentlich hatte ich in meinen Notizen noch deutlichere Worte geplant, aber dann habe ich beschlossen, etwas weniger hart zu sein.»

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