Letzte Aktualisierung: um 1:13 Uhr

In Flugzeug und Flughafen

Russische Soldaten bekommen VIP-Behandlung – und Nachsicht beim Pöbeln

Immer wieder kam es zuletzt in Russland zu Zwischenfällen mit Soldaten. Jetzt hat die Luftfahrtbehörde Fluglinien und Flughäfen angeordnet, ihnen eine Sonderbehandlung zu gewähren.

Sie seien die «neue Elite», sagte Russlands Präsident Vladimir Putin kürzlich. Gemeint hat er mit dieser Aussage die Soldatinnen und vor allem Soldaten, die am Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt sind. Und elitär sollen sich die Angehörigen des Militärs auch fühlen. Das gilt offenbar ebenfalls für Reisen mit russischen Fluggesellschaften.

Die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsiya hat vergangene Woche die Airlines des Landes angewiesen, «Teilnehmern an der militärischen Spezialoperation» beim Einchecken, bei der Sicherheitskontrolle und beim Einsteigen Vorrang zu gewähren. Wer kämpft, erhält also VIP-Behandlung.

Pöbeln – und Rauchen – erlaubt?

Die Behörde warnte zudem davor, den Soldatinnen und Soldaten gegenüber eine «unangemessene Haltung» an den Tag zu legen, geht aus einem Dokument hervor, das die Zeitung Komersant veröffentlicht hat. Das ist insofern heikel, dass diese Anweisung so interpretiert wird, dass man den Angehörigen des Militärs Dinge durchgehen lassen soll, die sonst in die Kategorie Unruly Passenger fallen könnten.

Denn laut dem Bericht der russischen unabhängigen Zeitung The Bell gab es seit dem Jahreswechsel etwa ein Dutzend Skandale und Zusammenstöße mit Soldaten auf Flughäfen und in Flugzeugen. Im Februar etwa überredeten erst die Mitreisenden eines Fluges von Moskau nach Yakutsk die Polizei, einen randalierenden Soldaten nicht zu verhaften. In einem anderen Fall wurde ein Veteran wegen Rauchens aus einem Pobeda-Flug geworfen, was den Leiter des russischen Untersuchungsausschusses, Alexander Bastyrkin, veranlasste, ein Strafverfahren gegen die Fluggesellschaft einzuleiten.

Blaupause für andere Branchen?

Wie ein leitender Angestellter einer russischen Fluggesellschaft The Bell erklärt, handelt es sich dabei lediglich um «Empfehlungen», mit denen die Behörde versucht, die Vorgehensweise bei weiteren Konfrontationen zu steuern. Sie lese sich allerdings wie eine offizielle Anweisung.

Andere Unternehmen fragen sich jetzt offenbar, ob die Empfehlungen von Rosaviatsiya eine Art Blaupause für Regulierungsbehörden in anderen Sektoren werden könnten. Denn auch in Restaurants und Bars kam es offenbar immer wieder zu Zwischenfällen.