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Mit SAS ab Kopenhagen

Russe fliegt ohne Pass und Ticket in die USA – und will sich an nichts erinnern

Mit einem Flug von SAS ab Kopenhagen kam ein Mann in Los Angeles an, der weder Pass noch Ticket hatte. Ein Hinweis in dem mysteriösen Fall führt auch ins deutsche Kiel.

Sicherheitslücken gibt es immer wieder. Im September schlich sich ein Junge in Bangladesch ohne Pass, Ticket und Bordkarte an Bord eines Jets von Kuwait Airways. Im März gelang das auch einem Mann mit einem Aer-Lingus-Flieger in Dublin. Und im April reisten Fluggäste von Norse in die USA ein, ohne dass ihre Pässe kontrolliert wurden.

Doch noch seltsamer als all diese Fälle mutet das an, was am 4. November auf einem Flug von Kopenhagen nach Los Angeles geschehen ist. Wie aus einem Gerichtsdokument und darin enthaltenen Aussagen einer FBI-Agentin hervorgeht, kam ein Passagier nämlich ohne Pass und Flugticket in Los Angeles an.

Grenzschutz hatte keine Infos über den Mann

Wie der Mann, der offenbar die russische und israelische Staatsbürgerschaft besitzt, überhaupt an Bord von SAS-Flug 931 gelangen konnte, ist unklar. Gegenüber dem Rechercheportal 404, das zuerst darüber berichtete, sagte eine SAS-Sprecherin, es habe einen Vorfall gegeben, aber dieser werde «von den zuständigen Behörden sowohl in den USA als auch in Dänemark bearbeitet und wir können keine weiteren Kommentare abgeben».

Laut den Aussagen der FBI-Agentin sagte der Mann bei der Einreisekontrolle, er hätte seinen Pass an Bord vergessen. Doch dort wurde kein Pass gefunden. Bei sich hatte er nur ein Foto, auf dem sein Pass teilweise zu sehen war, sowie russische und israelische Ausweispapiere, die aber nicht für eine Einreise in die USA ausreichten. Es lag kein Esta-Antrag für die Einreise vor, noch andere Informationen im System des US-Grenzschutzes. Der zuständige Beamte habe es zuvor noch nie erlebt, dass es zu jemandem in der Kontrolle keine Informationen in den Systemen der Behörde gebe, so die Agentin der Bundespolizei.

Versuchte, Schokolade der Crew zu essen

Der SAS-Stationsleiter bemerkte erst auf die Anfrage des Grenzschutzes hin, dass «sie ‘plus eins’ waren bei der Passagierzahl für SK 931». An Bord versuchte der Passagier dennoch nicht, sich klassisch unauffällig zu verhalten. «Die Besatzung bemerkte ihn, weil er im Flugzeug umherwanderte und ständig seinen Sitzplatz wechselte», heißt in dem Dokument. Das führte allerdings womöglich dazu, dass er nicht als überzählig bemerkt wurde. Denn zwar zählten Crewmitglieder die Reisenden durch, aber nur in einzelnen Abschnitten.

«Darüber hinaus verlangte er bei jedem Essensservice zwei Mahlzeiten und versuchte einmal, die Schokolade zu essen, die Mitgliedern des Kabinenpersonals gehörte», heißt es weiter. Ein Crewmitglied hatte den Eindruck, dass der Mann versuchte, mit anderen Fluggästen ins Gespräch zu kommen, von diesen meistens aber ignoriert wurde.

Maps-Screenshot zeigt Hostel in Kiel

Bei der Befragung sagte der Mann, er habe drei Tage nicht geschlafen und verstehe nicht, was los sei. Er könne sich nicht erinnern, wie er in Kopenhagen durch die Sicherheitskontrolle gekommen und ins Flugzeug gestiegen sei. Er wollte nicht sagen, wieso er in der dänischen Hauptstadt war und wie er dort hinkam. Er stimmte zu, dass die Grenzschützer einige der Fotos auf seinem Telefon sehen. Darunter befand sich auch ein Screenshot aus der App Maps, der ein Hostel in der deutschen Stadt Kiel zeigte.

Der Mann wird nun beschuldigt, blinder Passagier in einem Flugzeug gewesen zu sein, was mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Er wird wegen Fluchtgefahr ohne Kaution festgehalten und wurde angeklagt. Sein Prozess soll am 26. Dezember beginnen.