Die Luft ist heiß und feucht an diesem 3. Dezember 1973. Den Neuankömmlingen aus Europa klatscht sie wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht. Die Überfahrt im schwach motorisierten Dhoni vom Flughafen zieht sich. Die Handvoll Schweden und Italiener kommt wegen Haien, Mantas und Rochen. Sie wollen Walhaie sehen, Schildkröten, Drückerfische und Riesenmuränen. Nach 90 Minuten erreicht das Boot die Kokospalmen-Insel Kodhdhipparu, später in Baros umbenannt. Erwartungsvoll setzen die Europäer ihre Füße in den weißen Sand.
Als Baros noch keinen Strom hatte
Am Strand stehen sieben Unterkünfte aus Korallenstein. Schutz vor Sonne und Monsunregen bieten windige Palmwedeldächer. Unterkunft und Vollverpflegung kosten 12,50 Dollar pro Nacht und Kopf. Die Metallbetten stammen von alten Frachtern, die Türen aus Schiffswracks. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Für jedes Zimmer ein Eimer.
Baros Aerial Totale im Sunset Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Keiner der Macher der Insel, die Gebrüder Maniku, hat «irgendeine Ahnung vom Tourismus», wie mir einer von ihnen vierzig Jahre später im Gespräch lachend gesteht.
Brezeln und 4711 auf den Malediven
«Das war alles, das musste reichen. Wir hatten ja nichts», so Dr. Ibrahim Umar Maniku aka «Doctor», den ich 2013 auf Baros treffe. Er studierte 1962 bis 1972 in Leipzig und arbeitete als Anästhesiologe in Halle und nach seiner Rückkehr auf die Malediven 1982 am Male Central Hospital.
Dr. Manikus Deutschlandliebe verdanken die Gäste die Brezeln am Frühstücksbüfett und die gekühlten Refreshment Rolls, mit 4711 Echt Kölnisch Wasser getränkt.
Eine Insel mit vielen Stammgästen
Dieser Duft begleitet, so Shazeel, Executive Assistant Manager, manche Gäste schon seit zwanzig und mehr Jahren. Baros hat eine treue Fangemeinde: «Knapp 30 Prozent unserer Gäste sind Wiederholer, um die dreißig Paare waren schon 30-mal bei uns.»
Baros Maldives Schnorcheln Hausriff Schildkröte Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Großes Plus der Insel ist seit Jahrzehnten das artenreiche Hausriff. Nur 20 Bootsminuten vom neuen Flughafen Malé sieht man beim Schnorcheln Karettschildkröten und Grüne Meeresschildkröten, Haie, Rochen und Fledermausfische sowie zwei Wracks für Taucher auf dem Meeresgrund. Hinter dem Strand unter dichtem Grün und auf Stelzen im Wasser stehen 75 Villen, alle 2020 grundlegend modernisiert.
Frühstück, Fine Dining und Riffhaie
Dazu kommt das offene Restaurant Lime am Wasser. Dort bekommt man zum Frühstück wunderbaren Espresso aus einer italienischen Siebträgermaschine.
Baros Maldives Sail Bar by Night Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Daneben thront das zeltartige Lighthouse über dem Wasser: mit Terrasse fürs Fine Dining und Bar. Das dritte Restaurant ist der Cayenne Grill, wo man zum Seafood-Dinner ebenfalls Riffhaie im Wasser beobachten kann.
Wer kommt wie hierher?
Der moderne, von den Chinesen errichtete Flughafen geht Mitte 2025 in Betrieb. Ein blitzblanker, supermoderner Bau, der allen internationalen Standards genügt und mit 800 Millionen Dollar das größte Investment der Malediven ist.
Der neue Flughafen mit zwölf Airbridges, sechs Abfluggates und fast fünfzig Check-in-Countern hat eine unfassbare Kapazität von 7,5 Millionen Passagieren: Das ist dreimal so viel wie das Land im Jahr 2025 an Touristen zählte. Von den 2,25 Millionen Touristen waren Chinesen (ca. 305.000) und Russen (ca. 255.000) die wichtigsten Gästegruppen, danach kommen Briten (181.000) und Deutsche (160.000).
Baros Suite Aerial Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Auch bei meinem Besuch sind gut zwei Drittel der Gäste Russen. Sie erreichen die Malediven mit Direktflügen ab Moskau oder via Istanbul mit Turkish Airlines und ohne Visum, können hier ohne jede Sanktion Urlaub machen. Entsprechend hoch ist beim Frühstück die Zahl von Damen jeden Alters mit grotesken Duck lips …
Hinter den Kulissen
Spannend ist die Tour hinter den Kulissen. Tuan, der Chefingenieur der Insel, führt mich in den Raum mit den drei Generatoren, die nicht nur Strom, sondern auch eine mörderische Hitze und infernalischen Lärm produzieren.
Alle Systeme des Mini-Kraftwerks sind redundant angelegt, auch bei Ausfall eines Systems liefert die Anlage weiterhin Strom für die Küche, die Klimaanlagen in den 75 Villen sowie für Wasser- und Abwasseraufbereitung.
100 Kubikmeter Süßwasser am Tag
Fast völlig lautlos dagegen geht es in der Halle mit Umkehrosmose-Anlage zu, die pro Tag aus dem salzigen Grundwasser mittels einer relativ unspektakulär wirkenden Maschinerie über 100 Kubikmeter Süßwasser gewinnt. Das entspricht einem Pool von zehn Metern Länge, fünf Metern Breite und zwei Metern Tiefe.
Baros Maldives Kläranlage Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Getrunken wird das so gewonnene Wasser aber nicht. Weil der Aufwand für eine inseleigene Abfüllanlage und die nötige hygienische Aufbereitung und Mineralisierung hoch wäre, erzählt Tuan, kommt das Trinkwasser als Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen von der Malé Aerated Water Company in der Hauptstadt, ebenfalls im Besitz der Hoteleigner.
Ende der Plastikflut?
Womit wir bei einer weiteren «Segnung» der Moderne wären, Plastik. Allein in der Greater Malé Area fallen jeden Monat 75 Tonnen Plastikmüll an, meist in Form von Flaschen. Im Rahmen des Waste Management Act hat die Regierung beschlossen, dass am 1. Juni 2028 ein Verkaufsverbot für Plastikwasserflaschen bis zu einem Liter in Kraft tritt. Import und Herstellung sind ab 1. Dezember 2027 verboten.
Baros Maldives Nooma Dhoni Sandbank Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Auch auf «Baros» werden Abfälle systematisch sortiert. Kartonagen werden gepresst und gebündelt nach Indien verschifft. «Plastikmüll wird verbrannt oder fürs Recycling exportiert», so Tuan. Täglich fallen zudem 100 Kubikmeter Abwasser an, das vor Ort gereinigt und als Gießwasser für das viele Grün verwendet wird. So werde die wertvolle Süßwasserlinse unter der Insel geschont.
44 Männer und Frauen arbeiten unter der Leitung des Ingenieurs als Elektriker, Mechaniker, Schreiner und Klempner und halten alles am Laufen und in Schuss. Insgesamt beschäftigt «Baros» 260 Menschen aus fast zwanzig Nationen.
So kommen Sie unter
Die knapp 200 Quadratmeter große Baros Suite bietet direkten Strandzugang, einen sechs Meter langen Pool, offenes Badezimmer mit Rainfall-Dusche, Holzdeck mit Liegestühlen sowie Schaukelsofa. Im Schlafzimmer stehen ein Kingsize-Bett, eine Kaffee- und Teestation und ein Schreibtisch, im Vorraum warten Couch und Leseecke.
Baros Maldives Baros Suite Twilight Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Die Baros Pool Villas sind 134 Quadratmeter groß, haben einen privaten, knapp vier Meter langen Pool, Veranda und Strandzugang mit Sonnenliegen. Die 126 Quadratmeter großen Wasser-Pool-Villen liegen über der Lagune. Von der Veranda mit Daybed und dem 6,6 mal 3,6 Meter großen Pool führt eine Treppe direkt ins Meer und zum Hausriff.
Eine der besten Resort-Adressen Asiens
Neben der mit 30 Prozent sehr hohen Quote an Repeatern belegt auch Baros’ Wall of Fame, wie sehr die Gäste die Qualität von Service, Unterkünften sowie der Gastronomie schätzen. So wurde «Baros» bei den Travel + Leisure World’s Best Awards 2026 als Nr. 2 Resort weltweit und Nr. 1 Resort in Asien ausgezeichnet.
Hausriff Karte Peter Pfänder, Aerial Baros Beach
Gut zu wissen
Preise: Preisbeispiel für August und September, also Nebensaison: sieben Nächte pro Person mit HP ab 3.850 Euro.
Anreise aus Deutschland: Von Frankfurt geht es im Winterhalbjahr nonstop nach Malé. Condor bedient die Strecke mehrmals wöchentlich, Discover Airlines ebenfalls saisonal. Aus anderen deutschen Städten sind Verbindungen mit einem Umstieg möglich.
Anreise aus der Schweiz: Edelweiss fliegt im Winterflugplan nonstop von Zürich nach Malé. Alternativ gibt es zahlreiche Verbindungen mit einem Zwischenstopp.
Anreise aus Österreich: Austrian Airlines verbindet Wien im Winterflugplan nonstop mit Malé. Daneben bestehen Umsteigeverbindungen, unter anderem über internationale Drehkreuze.
Transfer: Vom Velana International Airport in Malé erreicht man Baros in nur rund 20 Minuten mit dem Speedboat.
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