Am 2. September 1998 stürzte Flug SR111 von Swissair auf dem Weg von New York nach Genf bei Halifax vor der kanadischen Küste in den Atlantik. Alle 229 Menschen an Bord der McDonnell Douglas MD-11 kamen ums Leben. aeroTELEGRAPH-Herausgeber Stefan Eiselin erinnert sich noch genau an den Moment, als er von der Katastrophe erfuhr. Er befand sich damals auf einer Radtour in Afrika und sah abends in einer Bar CNN. Zunächst habe er nur etwas von einem Flugzeugabsturz mitbekommen. «Plötzlich hörte ich dann von weit durch, dass es Swissair ist, und dann hat mich das schon elektrisiert, weil das hielt man für unmöglich faktisch», erzählt Eiselin.
Swissair habe damals als besonders sicher gegolten und sei für viele Schweizerinnen und Schweizer weit mehr als nur eine Fluggesellschaft gewesen. Der Absturz habe deshalb auch «ein nationales Selbstverständnis […] ein bisschen angekratzt».
Brandschutz verschärft, Checklisten überarbeitet
An Bord von Flug SR111, der nun im neuen Film Spielfilm «111 Echoes from Halifax» auch ins Kino kommt, hatten die Piloten zunächst einen ungewöhnlichen Geruch und dann Rauch im Cockpit bemerkt. Sie entschieden sich für eine Notlandung in Halifax. Weil die McDonnel Douglas MD-11 noch zu schwer war, begann sie jedoch zunächst, Treibstoff abzulassen. Ob eine sofortige Landung die Katastrophe hätte verhindern können, lässt sich laut Eiselin im Nachhinein kaum beurteilen. «Es ist natürlich immer sehr einfach mit 25 Jahren Abstand so etwas zu beurteilen.» Die Piloten hätten nach den damaligen Vorgaben der Swissair gehandelt.
Der Brand breitete sich schließlich so weit aus, dass wichtige Systeme und Instrumente ausfielen. «Das Flugzeug war irgendwann nicht mehr kontrollierbar, die Piloten sahen im Cockpit nichts mehr, die Instrumente sind ausgefallen, da gab es keine Chance mehr», so Eiselin. Die Ermittlungen zeigten später unter anderem Probleme mit elektrischen Leitungen und ungeeigneten Materialien im Bereich des Unterhaltungssystems. Aus dem Unglück zog die Luftfahrt Konsequenzen: Brandschutzbestimmungen wurden verschärft, Checklisten überarbeitet und das Training für Feuer an Bord verbessert.
«Das Regelbuch der Luftfahrt ist mit Blut geschrieben»
Für Eiselin zeigt Swissair 111 damit auch, wie sehr heutige Sicherheitsstandards aus früheren Katastrophen entstanden sind. Dafür gebe es in der Branche eine makabre Redewendung: «Das Regelbuch der Luftfahrt ist mit Blut geschrieben.» Unfalluntersuchungen seien deshalb nicht nur für die Hinterbliebenen wichtig, sondern auch, «weil man daraus lernen will».
Ein neuer Film über die Tragödie von Flug SR111
Der kanadisch-schweizerische Spielfilm «111 Echoes from Halifax» produziert von C-Films beschäftigt sich mit den Folgen des Absturzes von Swissair-Flug SR111. Das Drama von Regisseur Mauro Müller erzählt die Geschichten verschiedener Menschen nach dem Unglück vor der kanadischen Küste bei Peggy’s Cove im Jahr 1998. In den Hauptrollen sind Kris Holden-Ried, Natalie Brown und Ursina Lardi zu sehen. Zur weiteren Besetzung gehören unter anderem Anatole Taubman, Rebecca Liddiard und Eric Keenleyside.
Der Film läuft in der Schweiz ab dem 1. Oktober in den Kinos. Der Kinostart in anderen Ländern ist noch nicht bekannt.