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Nach Verletzungen durch Trümmerteile

Niederlande empfehlen Umbau von Boeing-747-Triebwerken

Vor zwei Jahren stürzten Teile eines Boeing-747-Triebwerks in ein niederländisches Dorf. Die Untersuchungsbehörde hat nun auch eine deutliche Empfehlung Richtung USA.

Für etliche Einwohnerinnen und Einwohner von Meerssen war es ein Schock. Am 20. Februar 2021 stürzten Triebwerkstrümmer einer Boeing 747-400 F in das niederländische Dorf. Zwei Menschen wurden dadurch verletzt, Häuser und Autos beschädigt.

Der Jet, damals unter dem Kennzeichen VQ-BWT von Longtail Aviation von den Bermudas betrieben, war vom Flughafen Maastricht/Aachen abgehoben. Im Steigflug fiel eines der Triebwerke mit einem Defekt aus, wobei Teile herausgeschleudert wurden, die in Meerssen landeten, rund zwei Kilometer südlich der Piste. Die Boeing 747 landete sicher in Lüttich.

Problem schon seit den 1980er-Jahren bekannt

Nun hat die niederländische Untersuchungsbehörde Onderzoeksraad voor Veiligheid OVV ihren Bericht zu dem schweren Vorfall vorgelegt. «Erhöhte Gastemperaturen, die über einen längeren Zeitraum in der Turbine des Triebwerks herrschten, führten zur Abnutzung und Verformung der Platten der äußeren Übergangskanäle», heißt es darin. «Dies führte dazu, dass sich eine dieser Platten löste und eine zweite Platte riss, wodurch die Turbine schwer beschädigt wurde.» Infolgedessen wurden Trümmerteile herausgeschleudert.

Eingesammelte Turbinentrümmerteile. Bild: OVV

Dem US-amerikanischen Triebwerkshersteller Pratt & Whitney ist das Risiko in den äußeren Übergangskanälen laut der OVV bereits seit den 1980er-Jahren bekannt. Seit 1993 habe es schon mehrere unverbindliche Service Bulletins und verbindliche Lufttüchtigkeitsanweisungen gegeben, um den Risiken zu begegnen, betont die Behörde.

Longtail Aviation ohne adäquate Dokumentation

Eine Maßnahme blieb bis jetzt aber lediglich ein Service Bulletin und damit für die Betreiber nicht verbindlich, wie die Niederländer betonen: der Einbau von zusätzlichen Kühleinrichtungen. Und so hatte das defekte Triebwerk vom Meerssen-Vorfall zwar beispielsweise neuartige Platten, aber nicht über zusätzlichen Kühleinrichtungen.

Als der Einbau dieser Zusatzkühlung einst per Service Bulletin empfohlen wurde, war Longtail Aviation noch nicht Betreiber der Boeing 747, auch nicht bei folgenden Wartungen. Die Airline nutzte den Jumbo-Jet zum Zeitpunkt des Zwischenfalls erst seit drei Monaten. Allerdings konnte die der OVV auch keine angemessene Wartungsdokumentation vorlegen.

FAA soll Zusatzkühlung verbindlich vorschreiben

Die niederländische Behörde spricht drei Empfehlungen aus. Longtail Aviation empfiehlt sie eine adäquate Wartungsdokumentation mit Informationen über die Beachtung und Nicht-Beachtung von Service Bulletins. Der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA rät sie, das Service Bulletin, das den Einbau von zusätzlichen Kühleinrichtungen empfiehlt, per Lufttüchtigkeitsanweisung verbindlich zu machen. Und dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft empfiehlt sie, die Risiken durch herabfallende Flugzeugteile in Wohngebieten rund um den Flughafen Maastricht/Aachen zu untersuchen.

Den Bericht der OVV finden Sie hier.