Letzte Aktualisierung: um 17:41 Uhr

Falsche Standortentscheidung

Mumbais neuer Flughafen hat ein Flamingo-Problem

Bei Mumbai entsteht ein zweiter großer Flughafen. Experten schlagen Alarm und attestieren ein akutes Vogelschlag-Problem.

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Indiens Luftfahrt boomt. Kurz nacheinander gaben Fluggesellschaften des Landes mehrere Großbestellungen bekannt. Air India orderte 470 Jets bei Airbus und Boeing. Die noch junge Akasa Air kaufte 72 Boeing 737 Max und Indigo plant eine weitere große Bestellung.

Das zeigt sich auch im Inlandsverkehr. Laut den von der indischen Luftfahrtbehörde DGCA veröffentlichten Zahlen flogen allein im Januar rund 12,5 Millionen Passagiere innerhalb Indiens. Die Flughäfen des Landes stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Heimatflughafen von Air India, der Chhatrapati Shivaji Maharaj International Airport von Mumbai, hat im vergangenen Jahr über 50 Millionen Passagiere abgefertigt.

Zweiter Flughafen soll Entlastung bringen

Der Airport ist hoffnungslos überfüllt. Deswegen entsteht seit 2018 ein zweiter Flughafen in der Region Mumbai. Der Navi Mumbai International Airport soll Ende 2024 in Betrieb gehen und wird zunächst 20 Millionen Passagiere pro Jahr bewältigen können. Nach seiner Fertigstellung 2032 soll die Kapazität des Flughafens bei 90 Millionen Passagieren pro Jahr liegen.

Luftfahrtexperten weisen nun auf ein Sicherheitsrisiko des mittlerweile rund zwei Milliarden Dollar teuren Projekts hin: Vogelschlag. Denn in der Nähe des Navi Mumbai International Airports liegen gleich zwei große Vogelschutzgebiete. Diese seien Anlauf und Futterstelle mehrerer Arten von Zugvögeln. Zudem lebt in der Nähe eine große Population an Flamingos, berichtet der TZ-Sender Al Jazeera.

Mitten ins Vogelschutzgebiet

SM Satheesan, ein Experte für Vogelschlagprävention, hält den Standort des neuen Flughafens für «sehr gefährlich», insbesondere wenn es zu Zusammenstößen mit den großen Vögeln kommt. «Jetzt werden die Flamingos am Standort Navi Mumbai, wo sich in der Nähe ein Flamingo-Schutzgebiet befindet, Chaos anrichten», so der Experte gegenüber Aal Jazeera.

Ähnlich sieht das auch BN Kumar, Leiter der Umweltvereinigung Nat Connect: «Zugvögel haben eine hohe Standorttreue». Daher müssen die Feuchtgebiete erhalten bleiben, damit die Vögel sich nicht in das Flughafengelände wagen. Für den Bau des Flughafens werden rund 1160 Hektar Mangrovenwälder gerodet und trockengelegt.

Flughafen wiegelt ab

Ein Sprecher des neuen Flughafens von Mumbai wies Bedenken zurück, dass der Standort anfällig für Vogelschläge sein könnte. Das nahegelegene Vogelschutzgebiet Karnala Bird Sanctuary befinde sich nicht in der Einflugschneise. Zudem habe die Flughafengesellschaft alternative Brutplätze für die Vögel in der Umgebung entwickelt. Bleibt nur die Frage, ob die Vögel die künstlich geschaffenen Plätze annehmen werden.