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Kingfisher vor dem Aus?

Die Flugstreichungen der indischen Airline schaden dem gesamten Reisesektor. Die indische Regierung verliert deshalb nun langsam die Geduld.

Prateek Karandikar/Wikimedia/CC

Kingfisher Airlines steht auf der Kippe.

Mehr als 160 Flüge hat die strauchelnde Kingfisher Airlines in den vergangenen sechs Tagen gestrichen (aeroTELEGRAPH berichtete). Die Auswirkungen bekommen inzwischen alle Reisenden in Indien zu spüren: Wie die indische Economic Times berichtet, sind die Preise für Flugreisen auf den hoch frequentierten Routen um bis zu 100 Prozent angestiegen. Aber auch auf anderen Strecken erhöhten sie sich um 20 bis 40 Prozent. Sowohl für private Reisen als auch geschäftliche Trips hat das Folgen. Passagiere und Unternehmen überlegen sich zweimal, ob sie nun wirklich die erhöhten Preise zahlen, oder lieber abwarten, bis die Situation sich entspannt, heißt es aus dem Tourismusverband.

Damit greift die Krise im Luftfahrtsektor Indiens nun auf den gesamten Reisemarkt über. Der Regierung bereitet das offenbar Kopfzerbrechen. Laut der Times of India hat sie die Fluggesellschaft nun aufgefordert, Details ihres Restrukturierungsplans offenzulegen, um eine noch schlimmere Krise abzuwenden. Die Regulierungsbehörde Directorate General of Civil Aviation (DGCA) hat zu den Flugstreichungen nun Untersuchungen eingeleitet, wie der Behördenchef Bharat Bhushan in einem Interview mit der Economic Times erklärt. Das Problem müsse man dringend lösen. Denn: Kingfisher verzeichnete zwar die größten Ausfälle, war aber nicht die einzige Airline mit Streichungen. Auch bei anderen privaten Fluggesellschaften wie SpiceJet und IndiGo fielen Flüge aus – ohne, dass ein genauer Grund genannt wurde.

Lizenz in Gefahr

Bis zum 25. November will man sich ein ausführliches Bild von Finanzstabilität und Sicherheit der Fluggesellschaften machen. «Unser Ziel ist es, sicher zu gehen, dass Airlines in Zeiten finanzieller Probleme nicht an der Sicherheit sparen», so Bhushan. Bis die aktuelle Flotte sämtlichen Standards 100-prozentig entspreche, darf keine der Airlines sie ausbauen, sagt er weiter. Die Behörde geht sogar so weit, dass die die Lizenz der Fluggesellschaften nicht erneuert, wenn diese aus Geldgründen nicht in der Lage sind, den Passagieren zu garantieren, dass sie von A nach B kommen. Bei Kingfisher könnte das bald der Fall sein.

Die Airline hat auf diese Bekanntmachung bereits reagiert. Der Grund für das partielle Grounding sei, dass man 30 Flieger der Flotte überhole. Die Fluggesellschaft garantiert aber, dass zu keinem Zeitpunkt mehr als drei Maschinen am Boden bleiben. Ob es dem Unternehmen gelingt, sich wieder zu berappeln, bleibt laut Luftfahrtexperten fraglich. Schulden in Milliardenhöhe und nicht bezahlte Treibstoffrechnungen dürften schwer auf Vijay Mallyas Gemüt lasten. Der Unternehmer ist der Besitzer von Kingfisher Airlines und macht vor allem die indische Regierung für die Krise verantwortlich.

Auf seiner Twitter-Seite macht er seiner Wut Luft: «Jede andere Regierung setzt alles daran, den Airlines ihres Landes zu helfen. In Indien zahlen sie zu hohe Steuern und Gebühren. Ich frage mich, warum?», so Mallya. Außderdem widersprach er Gerüchten, dass die Fluggesellschaft die Regierung und Banken um Geld gebeten hätte. Medien hatten zuvor berichtet, dass solche Anfragen erfolglos gewesen seien.



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