Air-Baltic-Chef Martin Gauss im A220: «Wenn wir einer Allianz beitreten, würden wir sicher einige Partner verlieren.»

Interview mit Martin Gauss, Air Baltic«Wir wären ein perfekter XLR-Betreiber»

Air-Baltic-Chef Martin Gauss spricht im Interview über den Airbus A321 XLR, Flüge nach New York und mehr Reichweite für den Airbus A220.

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Will sich Air Baltic Airbus A321 XLR zulegen und damit nach New York fliegen? Viele Leute haben einen Tweet von Ihnen während der Paris Air Show so verstanden.

Martin Gauss: Ich habe mich sehr gefreut über die erste Bestellung für den A321 XLR, die eine Leasinggesellschaft bei Airbus aufgeben hat, und das mit dem Tweet ausgedrückt. Denn der Markt braucht dieses Flugzeug. Damit kann man von Riga mit voller Auslastung nach Nordamerika fliegen, nicht nur nach New York, sondern auch in einige andere Städte. Und das ist ein Markt, der von Riga und aus den baltischen Staaten heraus noch nicht bedient wird.

Also kaufen Sie auch noch Airbus A321 XLR?

Ich schließe auch nicht aus, dass wir uns das Flugzeug anschauen. Vor allem ging es mir in dem Tweet aber um die 50 Airbus A220-300, die bei der Bestellung der Leasingfirma auch dabei waren.

Diese 50 A220-300 sind aber auch nicht für Sie, oder?

Nein, wir haben unsere eigene Order. Aber es freut uns, wenn der Flugzeugtyp, bei dem wir der Erstbetreiber waren, sich gut verkauft.

Grundsätzlich könnten Sie sich aber vorstellen, mit dem A321 XLR von Riga nach New York zu fliegen?

Wir stellen gerade unsere ganze Flotte auf A220-300 um. Das ist der erste Schritt. Aber natürlich, wenn sich der Markt so entwickelt, wie wir das in unserem Businessplan sehen, wird es diese Strecken geben. Wir wären dann ein perfekter Betreiber und könnten da Ganze über unser Drehkreuz füttern. Es wird auch immer wieder gefragt, ob wir die Langstrecke fliegen können. Ich sage immer, das können andere besser. Aber das war vor dem A321 XLR. Mit dem Flugzeug könnten sogar wir es. Aber bis dahin sind es noch einige Jahre. Zuerst wollen wir unseren Weg mit dem A220 gehen.

Es mag den einen oder anderen Ort geben, der in Zukunft interessant ist.

Ihre längste Route zurzeit ist Riga - Abu Dhabi. Haben Sie mit der aktuellen Flotte noch weitere längere Strecken im Visier?

Heute wollen wir keinen Flughafen ansteuern, der weiter entfernt ist als Abu Dhabi. Aber das kann sich ändern. Airbus bietet nun ja für den A220-300 als Option eine Reichweitenverbesserung an, mit der er eine Stunde länger und damit acht Stunden fliegen kann. Da mag es den einen oder anderen Ort geben, der in Zukunft interessant ist. Speziell, wenn wir den Kreis um Riga herum Richtung Osten ziehen. Dann sind wir schon innerhalb Indiens. Bisher kamen wir an der Westgrenze des Landes. Und wir kommen damit auch in Russland weiter.

Werden Sie Ihre Flieger also mit der erhöhten Reichweite ausstatten lassen?

Wir brauchen das heute noch nicht. Wenn wir es brauchen, nehmen wir es. Das Flugzeug erreicht die längere Flugzeit ja durch ein höheres Startgewicht. Dadurch ist es auch eine Kostenfrage. Denn wenn man einen Flieger mit höherem Startgewicht registriert, zahlt man auch höhere Gebühren für die Nutzung der Luftstraßen, egal, ob man die größere Reichweite nutzt oder nicht.

Sie haben 50 Airbus A220-300 bestellt und haben Optionen auf 30 weitere. Werden Sie die Optionen einlösen?

Wir wollen die Optionen in Festbestellungen umwandeln. So steht es in unserem Businessplan. Aber jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, wo wir das tun müssen. Wir wollen zuerst die 50 festbestellten A220 geliefert bekommen. Zurzeit haben wir schon 19 der Flugzeuge erhalten, das 20. kommt im September. Zwei Jahre, bevor das 51. Flugzeug käme, würden wir anfangen, Optionen auszuüben. Aber es ist noch zu früh, um zu sagen, dass wir das definitiv tun werden.

Optionale Flugzeuge in Westeuropa stationieren.

Es gab Berichte, dass Sie eine Tochterairline gründen wollen. Dann kam ein Dementi. Was stimmt denn nun?

Zu keiner Zeit wollten wir ein Tochterunternehmen gründen. Air Baltics Businessplan sieht vor, dass 50 Flugzeuge dafür vorgesehen sind, im Baltikum zu fliegen - ab Riga, Vilnius und Tallinn. Und bei den optionalen Flugzeugen haben wir den Plan, diese in Westeuropa zu stationieren. Aber das wird Air Baltic tun, genauso, wie man uns heute kennt. Wir brauchen keine andere Gesellschaft, um ein Flugzeug außerhalb des Baltikums zu fliegen.

Und wo genau in Westeuropa sollen die Flieger stationiert werden?

Das sagen wir nicht. Denn es sind bis dahin noch ein paar Jahre hin. Es macht keinen Sinn, dass man als Airline heute schon ankündigt, wo man in ein paar Jahren sein wird. Das passiert normalerweise kurz vor der Stationierung des Flugzeuges. Die Wettbewerbssituation ändert sich ständig.

Sie sind in keiner Allianz. Bleibt das so?

Zum jetzigen Zeitpunkt ja. Wir sind in keiner Allianz, weil wir 21 Codeshare-Partner haben und das über alle Allianzen hinweg. Und damit sind auch sehr glücklich. Wenn wir einer Allianz beitreten, würden wir sicher einige Partner verlieren. Für uns sind aber alle wichtig, denn sie stellen sicher, dass wir die Konnektivität im Baltikum haben.

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