Letzte Aktualisierung: um 16:22 Uhr
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Nach Alkohol-Vorfall

Indien verbannt mitreisende Piloten aus dem Cockpit

Ein Air-India-Pilot wollte alkoholisiert auf dem Reservesitz im Cockpit mitfliegen. Es war nicht sein erster Verstoß. Das hat nun Folgen für alle indischen Airlines.

Airbus

Flugzeug von Air India: Fürs Cockpit gelten nun strengere Regeln.

Es blieb nicht bei einem Vorfall. Nachdem ein Air-India-Pilot im Oktober 2015 vor seinem Flug durch die Alkoholkontrolle fiel und danach drei Monate nicht fliegen durfte, ist der Mann nun erneut aufgefallen. Am vergangenen Samstag hatte er wieder vor einem Flug getrunken, berichtet die Zeitung Economic Times. Dieses Mal wollte er das Flugzeug nicht selber steuern, sondern auf dem Jumpseat, einem Klappsitz im Cockpit, mitreisen.

Der wiederholte Regelverstoß des Piloten hat nun nicht nur Konsequenzen für ihn. Die indische Luftfahrtbehörde DGCA forderte Air India zu strikten Maßnahmen gegen den Mitarbeiter auf, ging aber noch weiter. Sie wies alle Fluggesellschaften des Landes an, das Mitreisen auf dem Jumpseat für Piloten, die nicht im Dienst sind, Techniker und Airline-Verantwortliche ab sofort zu untersagen, wie das Nachrichtenportal Live Mint berichtet.

Nur noch in Ausnahmen Reserveplatz besetzen

Die Behörde beruft sich demnach auf eine Vorschrift aus dem Jahr 1997, welche die Airlines anweist, den Jumpseat nur zu besetzen, wenn es für den sicheren Betrieb des Fliegers oder ein besseres technisches Verständnis der Instrumentenfunktionen nötig ist. Eine Betriebsanweisung von Air India hatte das Mitreisen im Cockpit für dienstfreie Piloten und Techniker erlaubt und betont, dass dies trotz der DGCA-Vorschrift gelte. Dies erklärte die Behörde nun für ungültig und fordert alle Airlines zur Umsetzung der Regel auf.

Dass ein zusätzlicher Pilot auf dem Reservesitz auch von Vorteil sein kann – soweit er nicht getrunken hat – zeigte sich nach dem Absturz der Boeing 737 Max von Lion Air 2018. Denn schon einen Tag vor der Katastrophe hatten Piloten Probleme mit der Kontrolle des späteren Unglücksjets. Zum Glück saß auf dem Jumpseat aber ein weiterer Pilot. Er war auf einem sogenannten Dead-Head-Flug, also auf dem Weg zu seinem Einsatzort.

Pilot auf dem Jumpseat rettete Flieger einmal

Der zufällig anwesende Pilot erkannte laut Informanten der Nachrichtenagentur Bloomberg das Problem richtig und erklärte seinen Kollegen, wie die automatische Trimmung des Höhenruders auszuschalten ist. Am folgenden Tag gelang es den beiden Piloten von Lion-Air-Flug JT610 nicht, Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, die denen vom Vortag glichen. Die Boeing 737 Max stürzte ab und riss 189 Menschen in den Tod.

Probleme mit alkoholisierten Piloten sind in Indien derweil keine Seltenheit. 2016 zeigte eine Mitteilung des Parlaments, dass zuvor in einem Zeitraum von drei Jahren 122 Piloten vor dem Dienstantritt positiv auf Alkohol im Blut getestet worden waren. Und 2018 fiel sogar der Flugbetriebsleiter von Air India zum zweiten Mal durch den Test.



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