Letzte Aktualisierung: 18:16 Uhr
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Zufällig im Cockpit

Dritter Pilot rettete 737 Max am Tag vor Lion-Air-Absturz

Schon am Tag vor dem Lion-Air-Unglück gab es Probleme mit der Boeing 737 Max. Laut einem Bericht verhinderte ein zufällig anwesender Pilot damals eine Katastrophe.

Lion Air

737-Max-Winglet von Lion Air: Nur an einem Tag konnte ein Unglück verhindert werden.

Einen Tag vor dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 von Lion Air im Oktober 2018 gab es bereits Schwierigkeiten mit dem Flugzeug. Im vorläufigen Bericht erklärten die indonesischen Ermittler im November, nachdem der Anstellwinkel-Sensor ausgetauscht worden sei, hätten die Piloten auf dem Flug von Bali nach Jakarta Probleme gehabt, den Jet zu kontrollieren, bis sie das automatische Trimmsystem deaktivierten und das Höhenruder manuell trimmten. Nun zeigt sich, dass sie dabei offenbar Hilfe bekamen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet unter Berufung auf zwei Informanten, die den Ermittlungen nahe stehen, dass sich ein dritter Pilot im Cockpit befand. Dieser war nicht im Dienst, da er sich auf einem sogenannten Dead-Head-Flug befand, also nur auf dem Weg zu seinem Einsatzort war. Er saß auf dem Reservesitz (Jumpseat) im Cockpit.

Dritter Pilot handelte richtig

Der zufällig anwesende Pilot erkannte laut Bloombergs Informanten das Problem richtig und erklärte seinen Kollegen, wie die automatische Trimmung auszuschalten ist. Lion Air, Boeing und die indonesischen Ermittler wollten sich nicht zu den Angaben äußern. Am folgenden Tag gelang es den beiden Piloten von Lion-Air-Flug JT610 von Jakarta nach Pangkal Pinang nicht, die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, die denen vom Vortag glichen.

Der Jet stürzte ins Meer und riss 189 Menschen in den Tod. Noch kurz vor dem Absturz sollen die Piloten von Flug JT610 in den Handbüchern und Checklisten des Flugzeuges nach einer Lösung gesucht haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters nun berichtet. Sie beruft sich dabei auf drei Personen, welche die Aufnahmen des Stimmenrekordes kennen.

Piloten erkannten Problem nicht

Den Informationen zufolge soll zuerst der Kapitän den Flieger gesteuert haben und sein Kopilot die Checklisten durchgegangen sein. «Sie scheinen nicht gewusst zu haben, dass die Trimmung nach unten steuerte», so einer der Informanten. «Sie dachten nur an Geschwindigkeit und Flughöhe nach. Das war das Einzige, worüber sie redeten.»

Beide blieben zunächst ruhig. Kurz vor dem Unglück übergab der Kapitän das Steuer dann an den Kopiloten und suchte selber nach einer Lösung. Bevor die Aufnahme abbricht, soll der Kapitän still gewesen sein, währen der Kopilot auf Arabisch «Gott ist am größten» gesagt haben soll. Weder Lion Air noch Boeing äußerten sich zu dem Bericht von Reuters.

Ähnlichkeiten zwischen Abstürzen

Laut Flugdatenschreibern gibt es klare Ähnlichkeiten zwischen dem Absturz der 737 Max von Lion Air und der 737 Max von Ethiopian Airlines am 10. März. Das bestätigte auch die französische Behörde BEA, welche die Blackboxen von Flug ET302 untersucht hat.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht auch das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System MCAS, mit dem Boeing die 737 Max ausgerüstet hat. Um einen Strömungsabriss zu verhindern, drückt es unter bestimmten Umständen die Nase des Fliegers automatisch nach unten, indem es das Höhenruder entsprechend trimmt. Im Falle des Lions-Air-Unglücks besteht der Verdacht, dass ein kaputter Anstellwinkel-Sensor das System durch falsche Daten aktiviert haben könnte. Nach den beiden Unglücken hat Boeing mittlerweile ein Software-Update für das MCAS angekündigt.



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