Nordkorea in der Nacht: Flüge in der Nähe sind nicht sicher.

Irak, Nordkorea, SyrienImmer mehr Krisengebiete fordern Airlines heraus

Die Zahl der Kriegs- oder Konfliktregionen steigt stetig. Der deutsche Pilotenverband prangert an, dass Crews über solche Gefahren nicht genügend informiert werden.

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Es ist mehr als drei Jahre her, dass Malaysia-Airlines-Flug MH17 über der Ostukraine von einer Rakete abgeschossen wurde. Die niederländischen Ermittler identifizierten in ihrem Bericht pro-russische Rebellen als die Schuldigen. In der Folge begann die Diskussion darüber, wie man Fluglinien am besten informiert, welche Überflüge sicher sind und welche nicht. Seither habe sich nicht genug getan, bemängelt der deutsche Pilotenverband VC Vereinigung Cockpit jetzt.

Noch immer würden Piloten und Crews keine ausreichenden und unabhängigen Informationen über die Kriegs- und Krisengebiete auf ihren Flugrouten erhalten, kritisiert der Verband. Nachdem bekannt geworden war, dass eine nordkoreanische Rakete nahe der Route eines Air-France-Jets ins Meer gestürzt war, habe man bei verschiedenen Fluglinien noch einmal nachgefragt, ob sich in Sachen Überflüge von Krisengebieten etwas geändert habe. «Doch das Ganze scheint im Sande verlaufen zu sein», so Sprecher Markus Wahl.

Immer mehr Krisengebiete

Die Anzahl der Krisengebiete würde sich laufend erhöhen. Wahl nennt Syrien, den Irak, Afghanistan und Nordkorea als Beispiele. Konsequent gemieden würden von diesen nur Syrien und Nordkorea. Problematisch sei nicht, dass man die anderen Regionen per se an- oder überfliege. Aber es brauche mehr Informationen von Ministerien oder Airlines. Für adäquate Entscheidungen der Piloten würden genaue Informationen über Gefahren und Risiken der weltweiten Krisengebiete benötigt. Viele kleine Airlines, so Wahl, würden gar keine eigenen Risikobewertungen vornehmen, sondern sich auf die genehmigten Routen verlassen.

Bei Lufthansa beschäftigt sich indes eine eigene Abteilung damit, potenzielle Risiken auszuwerten, so ein Sprecher der Fluggesellschaft. Diese stehe im engsten Austausch mit den verschiedensten Behörden und recherchiere auch selbst – auch vor Ort –, wie die Risikolage sich entwickelt. «Diese Informationen fließen innerhalb kürzester Zeit in die Flugplanung mit ein und stehen den Crews zur Verfügung.» Als Beispiel nennt der Sprecher die Situation in Nordkorea. Innerhalb einer Stunde nach Bekanntwerden des Zwischenfalls habe man die Flugrouten nach Japan entsprechend angepasst. «Die Sicherheit der Passagiere und Crews hat bei uns oberste Priorität», so der Sprecher.

Neutrale Agentur gefordert

Die Vereinigung Cockpit fordert eine unabhängige Agentur, die sich mit der Sicherheitslage auseinander setzt. «Diese bräuchte Zugang zu Informationen von Geheimdiensten und Airlines und müsste diese zusammentragen und evaluieren», so Wahl. Die unabhängige Anlaufstelle müsste dann dieselben Informationen allen Fluglinien zugänglich machen.

Dass nicht alle Fluggesellschaften immer gleich informiert sind, bemängelte unter Anderem Emirates-Präsident Tim Clark im Nachgang von MH17. Er warf British Airways damals vor, bereits vorher über die Gefahr bescheid gewusst und Flüge umgeleitet zu haben. Die Muttergesellschaft IAG widersprach den Vorwürfen aber. Clark forderte dennoch bereits damals eine Agentur, wie sie nun auch von der VC thematisiert wird.

Netzwerk der Easa

Bereits jetzt gibt es eine Anlaufstelle bei der internationalen Zivilluftfahrtorgansation Icao. Dort können Staaten auf freiwilliger Basis Informationen über Konfliktzonen hinterlegen. In Europa hat die Agentur für Flugsicherheit Easa ein Netzwerk geschaffen, das mit Hilfe von verschiedenen Informationen – auch von Geheimdiensten – Überflugsrisiken bewertet.

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