Das Team von Helvetic Airways sagt Adieu.

Ersatz durch Embraer E2Helvetic verabschiedet wehmütig ihre letzte Fokker 100

Mit der Schweizer Regionalairline sagt eine weitere europäische Fluglinie den Fokker 100 Adieu. Vor allem eines mochte Helvetic Airways an den Zweistrahlern: Die Zuverlässigkeit.

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Technische Innovationen kommen in der Luftfahrt oft schubweise. Dies gilt – und da buchstäblich – für Triebwerke, deren Leistungen bei einer neuen Generation sprunghaft ansteigen und die Lärmwerte deutlich sinken. Das war auch bei der Fokker 100 so, als sie 1988 an den ersten Kunden ausgeliefert wurde.

Seit gut 30 Jahren ist die Fokker 100 jetzt unterwegs. Erstkunde war Swissair. Die Welt der Kurzstrecke war damals dominiert von McDonnell Douglas' MD-80, vielleicht sogar noch vom Vorgängermodell DC-9. Beide waren im heutigen Vergleich regelrechte Krachgeneratoren. Die Fokker 100 ist dagegen vergleichsweise leise. Sie setzte für die gesamte Branche einen neuen Maßstab in puncto Lärm - aber auch Wirtschaftlichkeit.

«Zuverlässigkeit von 99 Prozent»

Und jetzt gehört dieser Flugzeugtyp doch auch schon wieder zum alten Eisen. Am Freitag führte Helvetic Airways den letzten Flug mit einer Fokker 100 durch. Es war ein kurzer Rundflug in der HB-JVG - der letzten Fokker 100 der Airline - für altgediente Angestellte, einige Bekannte aus der Luftfahrtbranche und Journalisten. Für Tobias Pogorevc, seit einem Jahr Chef bei der Schweizer Regionalairline und Wet-Lease-Anbieterin, ist es ein Tag mit gemischten Gefühlen.

Die Fokker 100 habe bei Helvetic seit 2003 gute Dienste geleistet, sehr gute sogar, erklärte er. «Wir hatten eine Zuverlässigkeit von 99 Prozent», so Pogorevc im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. «Da kommt schon ein bisschen Wehmut auf.» Die zweistrahligen Jets waren bei Passagieren wie auch beim Personal beliebt. 140.000 Flüge absolvierte Helvetic mit ihnen, 180.000 Stunden waren sie in der Luft. Die geflogene Strecke insgesamt? 116 Mal zum Mond und zurück.

Umstellung auf Embraer E2

Doch jetzt werde «nach vorne geschaut», sagt Pogorevc. Die Ausflottung ist vorbei, jetzt konzentriert sich Helvetic Airways mit ihren 449 Angestellten auf die Einführung der Embraer E190-E2 von denen sie zwölf Stück fest bestellt und sich eine Option für weitere zwölf Exemplare gesichert hat. Damit hat Helvetic ihre Flotte quasi vereinheitlicht. Technisch nicht ganz, weil die Fluglinie auch elf Embraer der Vorgängerversion E-Jets betriebt.

Die neuen E2 weisen aber eine nochmals deutlich verbesserte Leistung auf. Und sind sie so zuverlässig wie die Fokker? Pogorevc hält kurz inne und sucht die ausgewogenen Worte. «Wir sind sehr zufrieden», sagt er. Eine Zuverlässigkeitszahl will er aber nicht nennen, so viel Erfahrung habe man dem Flugzeugmuster noch nicht, erklärt er.

American einst größte Betreiberin

Die ganze Umflottung auf Embraer E2 stelle für die Firma eine große Herausforderung dar. Aber es sei «einfach phantastsich, wie da alle auf allen Stufen mitziehen», lobt Pogorevc seine Crew. Die am Freitag verabschiedete Maschine war früher einmal bei American Airlines im Einsatz, die einst mit 75 Fokker 100 unterwegs war. Sie war damit die größte Betreiberin weltweit.

Ende 2018 waren noch rund 140 Fokker 100 weltweit in Betrieb. Am meisten benutzt werden sie in Australien bei Alliance Airlines (24 Flugzeuge), die auch Ex-Austrian-Fokker fliegt, Network Airlines (16) und Virgin Regional Australia (14). Knapp 30 sind noch im Iran unterwegs. In der Heimat Europa sind nur noch rund ein Dutzend Fokker 100 im Einsatz, darunter der zyprischen Tus Air, der deutschen Avanti Air oder Montenegro Airlines.

Neuer Betreiber

Die letzte Helvetic-Fokker wird noch am Freitag nach Bratislava ausgeflogen. Dort wartet sie mit den anderen Maschinen auf einen neuen Besitzer. Sehr wahrscheinlich wird sie irgendwo auf der Welt wieder in Linien- oder Charterdienst gestellt.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Fotos vom Abschied der Fokker 100 bei Helvetic Airways.

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